Freitag, Oktober 13, 2006

Die vergessene Subway von Alfred E. Beach

Kapitel 13



In der Nähe der City Hall gab es bereits weit vor 1904 einen Vorläufer für die spätere Subway, nämlich die sogenannte "Geheime Subway" von Alfred E. Beach. Das ist die Geschichte:

(Englischer Artikel von Tony the Tour Guy, übersetzt von Simona Schulze)

Stimmt es, dass die erste Subway 1904 in New York City eröffnet wurde? Nein.

1870 versuchte ein kühner Erfinder namens Alfred Ely Beach einen Prototyp einer Subway auf einer kurzen Strecke unter dem Broadway zu konstruieren. Das Beachtenswerte an seinem Vorhaben ist, dass sein Tunnel genau unter der City Hall verlief und kein Regierungsbeamter davon etwas wusste.

Beach war von der Methode überzeugt, eine Subway mit Luftdruck anzutreiben. Ein kleines Modell dieses Systems wurde bereits erfolgreich in der 14th Street Armory entwickelt. Er besaß zwar die Technologie für dieses Projekt, musste sich aber gegen die betrügerischen Politiker in der Tammany Hall behaupten, dessen Anführer der legendäre William "Boss" Tweed war. Beach entschloss sich deswegen, den Bau selbst zu finanzieren. Er hoffte, sobald die Politiker sein Werk sahen, würden sie für die Subway stimmen.

An der Ecke Broadway und Murray Street stand Devlin's Clothing Store, dessen Keller Beach mietete, um mit dem Tunnel zu beginnen. Nach 58 anstrengenden Nächten waren seine Arbeiter mit der Aushebung eines 95 m langen Tunnels fertig. Um eine besondere Atmosphäre zu schaffen, richtete er die Station mit Kronleuchtern, einem Piano, einem Springbrunnen und einem Goldfisch-Aquarium ein. Die komplette Mini-Subway, die eine Strecke von einem Häuserblock fuhr, kostete Beach $350.000.

Die Presseleute waren von der neuen Erfindung beeindruckt. Hunderte von neugierigen Besuchern bezahlten für die kurze Fahrt gern 25 Cents. Beach verkündete stolz, er wolle die Linie bis zum Central Park erweitern und schätzte, es würden täglich 20.000 Personen die Subway nutzen. Tweed war wütend, hielt Beach jedoch nicht davon ab, einen Gesetzesvorschlag einzureichen, der vorsah, das System zu einem Preis von $5 Millionen zu erweitern. Die Summe würde privat finanziert werden.

Obwohl das Gesetz in Albany bewilligt wurde, wurde von einem Freund Tweeds, Governor John T. Hofman, Einspruch erhoben und er unterzeichnete ein Gesetz aus der Tammany Hall, das $80 Millionen für Hochbahnen einplante. Das Geld sollte aus der Staatskasse kommen. Ein Versuch, das Veto außer Kraft zu setzen, scheiterte an einer Stimme. Nichtsdestotrotz suchte Beach nach weiteren Anhängern für seinen Plan. Nachdem Tweed verhaftet wurde, konnte Beach seinen zweiten Gesetzesvorschlag durchbringen. Nun hatten jedoch Großgrundbesitzer Bedenken, dass der Tunnelbau das Fundament ihrer Gebäude beschädigen könnte. Sie zwangen den Governor, dieses Gesetz zu widerrufen.

Finanziell ruiniert und enttäuscht schloss Beach seine geheime Subway, die wieder in Vergessenheit geriet, bis 1912 Bauarbeiter der BMT Broadway Linie durch eine Wand zur Station hindurch brachen und Teile der Anlage intakt vorfanden. Die jetzige City Hall Station bei den Linien N und R enthält Teile des originalen Tunnels von Beach. Eine Gedenktafel erinnert an seine Leistung.

Quelle des englischen Artikels: Stan Fischler, UPTOWN, DOWNTOWN, NY, Hawthorn Books, 1976. Quelle im Netz: http://www.nycvisit.de/index.cfm?PID=18132


Das Gebäude von Devlin’s Clothing Store, seit 1889 "Rogers, Peet and Company" genannt, in dessem zweiten Unter-geschoss sich Zugang, Büros und Maschinenräume der "Beach Pneumatic Transit Station" befanden, brannte am 05. Dezember 1898 nieder. Im Dezember 1898 berichteten die Times und die Tribune nach dem Brand aus unbekannter Quelle folgendes über die pneumatische Mini-U-Bahn:

The building has a double basement, the lower cellar being the opening of the old tubular railway company, which ran across Broadway to Mail Street. The construction of this tunnel was the beginning of the underground railway system idea in New York. It was constructed about twenty-five years ago. After the underground railway idea was abandoned, the tunnel was used for a shooting gallery. Nothing was said of any remains of the station or machinery.


Eine Besichtigung der Kellergeschosse fand statt, nachdem die Trümmer des abgebrannten Hauses beseitigt und das Kellergeschoss wieder zugänglich war. Die nachfolgenden Fotos wurden im April 1899 von dem Tunnelsystem und dem Gefährt aufgenommen.











Danach geriet die Bahn vorerst in Vergessenheit und wurde erst 1912 "wiederentdeckt":

When the Degnon Contracting Company begins work on Section 2 of the Broadway Subway, noted the Times on February 4, it will come across an interesting relic of the engineering enterprise of forty years ago, which has already performed a small part of the work for it. Underneath Broadway from Warren to Murray Street runs a section of tunnel eight feet in diameter and brick lined, with a smaller tunnel running up to the surface and emerging in a grating just inside the grass limits of City Hall Park, north of Murray Street. This was the beginning of the first subway ever constructed in New York City, and if tradition be correct somewhere in it has been immured for forty years one of the cars which it was designed to accommodate18— a tradition just thirteen years old!


A party of officials from Degnon Contracting and the Public Service Commission entered into formal possession of the old pneumatic railway tube beside the City Hall Park on February 8, 1912. As reported in the Times, they went with lighted candles into the old tunnel from the ventilating shaft which comes up into the Park. They found the tube in excellent condition. The rails were rusted almost entirely away, but the brickwork was sound and dry, and the only discomfort came from a steam pipe which was escaping through a leak in the pipe. The one car that has been immured for the last forty years was a total wreck. Its woodwork is falling all to pieces, and even its wheels are gone.19 From this description it appears that the car had deteriorated a great deal since 1899. There are no known photographs of the car from 1912.

The members of the expedition then extracted a few souvenirs of their visit and examined the tunnel. It had been used at one time by a large men’s furnishing firm, which had a store at its northern end, as a storeroom, and tradition has it that that once upon a time a shooting range was erected within it. At one end the brickwork gives way to iron plates, which are now in excellent condition. The contractors fear that it will take quite as much labor and expense to pull down the old work as to dig an entirely new tunnel.19 This is enough detail to show that the entire length of the tunnel was still open, from the car at one end to Dixon’s plates at the other.

Vermutlich im Juli 1912 wurden auch die nachfolgenden zwei Fotos vom Tunnel aufgenommen, bevor die Anlage im Zuge der Erweitungsbauten für die City-Hall-Station verloren ging.


Eine Außenansicht des Tunnels ermöglichen diese beiden Fotos, nachdem die Anlage durch die Bauarbeiten freigelegt worden war.


Weitere Informationen:
http://www.columbia.edu/~brennan/beach/chapter24.html

http://www.columbia.edu/~brennan/beach/chapter25.html

http://www.capsu.org/history/pneumatic_despatch.html

Keine Kommentare:

Kommentar posten