Samstag, Dezember 09, 2017

The Enemy at the New York Harbour (1942)



Im Weltkriegsjahr 1942 operierten deutsche U-Boote vor der amerikanischen Ostküste und näherten sich dabei der Stadt New York so weit, dass die Skyline von Manhattan für die deutsche Wochenschau aufgenommen wurde. Oben sieht man eine nachträglich colorierte Fassung.






Die Originalaufnahmen waren natürlich in Schwarz-Weiß und wurden in der deutschen Wochenschau vom 28.02.1942 präsentiert. Nachfolgend ein Ausschnitt aus dieser Wochenschau, der die U-Boote betrifft und auch die Aufnahmen von New York City enthält. Die vollständige Wochenschau kann man hier abrufen:
https://www.youtube.com/watch?v=cGgCCAfnHfA





Hier sehen wir noch Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm des Smithsonian Channel, der sich ebenfalls mit den "Besuchen" der Deutschen Unterwasserboote in den Gewässern vor New York City befasst:









Lola Montez



Beim Surfen durch die Geschichten noch vorhandener oder bereits verschwundener europäischer Königshäuser bin ich vor einigen Wochen auf die Geschichte von Lola Montez gestoßen, die ich bis dato noch nicht kannte, die hier im Blog aber eine kurze Erwähnung verdient hat. Kurz deshalb, weil die ausführlichere Geschichte an anderer Stelle bereits niedergeschrieben ist. 

Der Name lässt es nicht unmittelbar vermuten, aber Lola Montez wurde im Jahr 1821 als Tochter einer irischen Mutter und eines schottischen Vaters im Nordwesten von Irland geboren. Andere Quellen nennen bereits das Jahr 1818 als Geburtsjahr. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen im 19. Jahrhundert kam sie während ihres Lebens  ziemlich weit in der Welt herum und betrat dabei vier von fünf Kontinenten.

Die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte sie, die damals noch Elisabeth Rosanna Gilbert hieß, in Kalkutta in Indien. Danach kehrte sie zunächst für einige Jahre zu den britischen Inseln zurück, um 1838 mit ihrem ersten Ehemann, einem englischen Offizier, wieder nach Indien zu gehen. Die Ehe hielt nicht lange und bereits 1842 erfolgte die Rückkehr nach London. Dort erlernte sie die spanische Sprache und spanische Tänze, unternahm eine Reise nach Spanien und kehrte 1843 als spanische Tänzerin "Lola Montez" aus Sevilla nach London zurück. 




Nachdem sie als Hochstaplerin entlarvt worden war, verlies Lola Montez England und war offenbar in den Folgejahren so eine Art "Adels-Groupie", die wiederholt vor europäischen Herrschern tanzte, darunter der König von Preußen und der Zar von Russland. Und mit Tanzen war es oft wohl nicht getan und Lola musste immer wieder mal ihren aktuellen Aufenthaltsort verlassen. 

Wir erinnern uns: in den 1840ern gab es noch nicht das geeinte Deutsche Reich, das im 20. Jahrhundert an zwei Weltkriegen maßgeblich beteiligt war, sondern zahlreiche Königshäuser und Fürstentümer prägten die Landkarte, die zu jener Zeit wie ein Flickenteppich aussah. Auch die Franzosen waren vor der wilden Irin offenbar nicht sicher, 1844 verschlug es die Tänzerin nach Paris und auch dort war ihr die Aufmerksamkeit sicher. 



Nach zwei Jahren in Paris führte der Weg weiter nach München und dort traf dort im Oktober 1846 auf den amtierenden bayrischen König Ludwig I, den Großvater des berühmten "Märchenkönigs" Ludwig II. 



Der Umstand, dass der 60jährige König mit der 25jährigen Tänzerin eine Liebesbeziehung einging, und sie zur Gräfin ernannte, stieß bei den Untertanen des Königs und den Münchenern auf wenig Gegenliebe. Bereits Anfang des Jahres 1848 musste Lola - wie schon so oft in ihrem Leben - mal wieder aus einer Stadt fliehen, dieses Mal München. 

Tumult an Lolas Wohnhaus in München, 1848,


Und ihre heimliche Rückkehr im März und die besondere Stimmung in der Stadt und im Land während des Revolutionsjahres 1848 führten schließlich dazu, dass der Monarch am 20. März 1848 abdankte und das Zepter an seinen Sohn weiterreichte, der als Maximilian II den bayrischen Königsthron besetzte. 

Lola lebte in den Folgejahren zunächst mit Unterstützung Ludwigs in der Schweiz und hielt zunächst auch weiterhin Kontakt. Nach Aufenthalten in England, am Mittelmeer, in Paris und Belgien reiste sie im Jahr 1851 in die Vereinigten Staaten.







In New York City trat sie 1852 in der Theaterrevue "Lola Montez in Bavaria" am Broadway auf, einer Show, bei der ihre eigene Geschichte im Mittelpunkt stand. Zunächst tourte Lola an der Ostküste, später führte sie der Weg auch in den Westen der USA bis nach San Francisco und in die kalifornische Goldgräberstädt Grass Valley. 


Die Aufnahme oben zeigt sie in Grass Valley auf dem Pferdefuhrwerk, die Photographie unten das Haus, in dem sie in Grass Valley wohnte. 





In den Jahren 1855 und 1856 führte sie eine weite Reise tief hinunter in den Süden, quasi bis an das Ende der Welt nach Australien, wo es ebenfalls eine lebendige Goldgräberszene wie in Kalifornien gab. 




1857 kehrte Lola Montez schließlich nach New York City zurück und verdiente ihren Lebensunterhalt zuletzt mit Schriftstellerei und Lesungen. 






zusammen mit einem amerikanischen Ureinwohner namens Alights-on-a-cloud




Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den amerikanischen Nord- und Südstaaten könnte Elisabeth Rosanna Gilbert vielleicht noch erlebt haben, den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs aber wohl nicht mehr, denn nach einer Lungenentzündung um Weihnachten 1860 starb sie nur kurze Zeit später am 17. Januar 1861 einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag in New York City. Darüber hinaus soll sie Schlaganfallsymptome und ggf. auch Anzeichen einer Syphilis-Erkrankung gezeigt haben.

Das Grab kann man auf dem Green-Wood Cemetary im heutigen New Yorker Stadtteil Brooklyn finden. 



Wer gerne noch mehr, insbesondere über die Zeit mit dem bayrischen Monarchen erfahren möchte, kann sich hier schon mal ein kleines bisschen Zusatzwissen anlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lola_Montez
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._(Bayern)
https://en.wikipedia.org/wiki/Lola_Montez







Schaedel (New York Blog) oder der doppelte Schaedel


Ich will dieses Mal gar nicht lange um den heißen Brei reden. Leider musste ich feststellen, dass es jemanden da draußen gibt, der offenbar meine Identität nachahmt, um in anderen Blogs in den Kommentarfeldern so eine Art Blog-Spam zu hinterlassen, die inhaltlich mindestens als grober Unfug zu bezeichnen ist. Ein anderer Blogger war so freundlich und hat mich auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. 

Wenn also jemand mit der Google-Identität "Schaedel (New York Blog)" Kontakt mit Euch aufnimmt und  / oder ungefragt vermeintliche Weisheiten auf Euren Seiten hinterlässt, dann stecke nicht ich dahinter, sondern dieses Arschloch. 

Ich werde mich für das, was der in meinem Namen anstellt, nicht entschuldigen, das soll er mal schön selber machen. 

Ich wünsche ihm aber, dass er während der ganzen Weihnachtstage bei möglichst schlechten Wetterbedingungen Schnee fegen muss. Und dass er sich beim Aufwärmen in der Küche noch mal richtig fies den Kopf an der Kante der offen stehenden Tür des Hängeschrankes stößt und ordentlich Sterne sieht. 

Also seid in Zukunft etwas aufmerksamer, welcher Schaedel Euch im virtuellen Raum gegenüber tritt, denn es kann nur einen geben. Und der mit der Identität Schaedel (New York Blog) ist definitiv nicht derjenige, der hier schreibt.

Euer Schaedel :-(


P.S.: Die Verknüpfung der Identität Schaedel (New York Blog) mit der Kontaktadresse schaedeliof@yahoo.com im Bild oben ist nicht durch den Nachahmer erfolgt, sondern durch den Blogger, der mich gewarnt hat. Post, die an die Kontaktadresse gerichtet wird, erreicht mich auch weiterhin .


Sonntag, Dezember 03, 2017

Columbus Circle - Teil 3

New York Edison Company, Columbus Circle at night, 1913, from the collection of the museum of the city of New York


Zeit für den dritten Teil der Mini-Serie über die Geschichte des Columbus Circle, der in etwa die Jahre von 1910 bis 1919 beleuchten wird. 

Die ersten zwei Folgen findest Du hier:


Zum Einstieg schauen wir uns den Stand der Dinge um das Jahr 1910 an, um die Ausgangssituation am Wechsel von der ersten zur zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts zu beschreiben bzw. in Erinnerung zu rufen. Die Daten der Originalbildbeschreibungen halte ich nicht immer für zulässig.


Cosmospec, Grand Circle with Columbus Monument, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York


Im Norden des Kreisels, dort wo die "Central Park West" und der Broadway sternförmig auseinanderstreben, sieht man immer noch die Grube auf dem trapezförmigen Grundstück, wo einst die 1902 abgebrannte Riding Academy stand.

Columbus Monument and Central Park West, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Sehr schön finde ich diese Postkarte mit einer Südwestansicht. Links im Vordergrund der Eingang zur damals noch ziemlich neuen IRT-U-Bahn-Linie, die am Columbus Circle eine Station hatte, dahinter die Gebäude an der Südwestecke des Central Parks bzw. an der Verlängerung des Broadways nach der Mündung in den Circle.

Columbus Monument and Subway Entrance, Columbus Circle, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York

In der Mitte rechts hinter dem Columbus Monument wieder das Hotel auf dem kleinen Block zwischen Broadway (links vom Hotel) und 8th Avenue (rechts vom Hotel), das auf der Karte von 1911 schon nicht mehr den Namen "Virginia Hotel", sondern "N.Y. AMERICAN" trägt. 



Die nächste Postkarte eröffnet den Blick nach Osten. Links am Bildrand wieder die ziegelrote Fassade des "N.Y. American", dahinter die Mündung der 8th Avenue und dahinter der Gebäudekomplex mit dem Pabst Hotel und dem Majestic Theatre unter der grünen Kuppel, daneben reichlich überdimensionale Werbetafeln auf / über zweistöckigen Gebäuden bis hin zur schmalen Mündung der westlichen 59th Street, in die mit einem Schlenker um das Columbus Monument ein Teil der Straßenbahngleise hineinführen. 

Leighton and Valentine Co, Columbus Circle, ca 1916, from the collections of the museum of the city of New York






Die Kirche, die man mit dunkler Fassade im Bildhintergrund in der Bildmitte erkennen kann, ist die römisch-katholische Kirche "Saint Paul the Apostel" an der Columbus Avenue.


Irving Underhill, Church of Pulist Fathers, Columbus Ave and 60th Street, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Diese Kirche ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben:

google street view



Links von der Kirche sieht man ein paar Gebäudespitzen über die Gebäude am Columbus Circle hinüberragen. Dabei handelt es sich um das "Roosevelt Hospital", einen größeren Gebäudekomplex, der ebenfalls an der Columbus Avenue zu finden war. 

Byron Company, Roosevelt Hospital, ca 1899, from the collections of the museum of the city of New York




Dieser Komplex auf dem Straßenblock südlich der St. Pauls-Kirche ist nicht bis heute erhalten geblieben, auf dem Block befinden sich heute mehrere Hochhäuser:

google maps





Das Theater, das südlich der Mündung der 60th Street in den Broadway liegt, ist das "Circle Theatre"


Auf Photos aus der Entstehungszeit sieht das Theater noch flacher aus, es scheint später noch etwas aufgestockt worden zu sein. Aber man kann erkennen, das der Zuschauerraum im Gegensatz zu anderen Theatern nicht so hoch ausfällt. 




Byron Company, Theatre, Circle, Broadway and 60th Street, 1902 u. 1903, from the collections of the museum of the city of New York


Schon gegen Ende der letzten Folge ist mir etwas weiter den Broadway hinauf ein Hochhaus mit vermutlich U-förmigem Grundriss aufgefallen, das aufgrund seiner Größe aus dem Häusermeer hervorstach. Das sieht man hier am rechten Bildrand, mit dunkler Fassade zum Broadway hin und hellerer Fassade am westlich gelegenen Gebäudeflügel:




also from the collections of the museum of the city of New York

Lt. Karte handelt es sich bei diesem Hochhaus um das "Jermyn" an der Südseite der Mündung 61st Street und Broadway. 



Die Sammlungen von NYPL und MCNY zucken bei dem Suchterminus "JERMYN" nur mit den Achseln, da fällt denen gar nichts Brauchbares zu ein. 

Auf diesem Photo von 1920, das ich mit 61st Street / Broadway gefunden habe, kann man zumindest die Basis des Gebäudes links wahrnehmen. 

Viewing north from 60th Street, Broadway Series, 1920, from the collections of the museum of the city of New York


Ganz ohne Spuren zu hinterlassen ist das Jermyn aber schließlich doch nicht am Internet vorbeigegangen. Wieder einmal ist es der Blog "stuffnobodycaresabout.com" derjenige, der die Situation rettet, dafür ein großes Dankeschön. 

Denn der hat vor einiger Zeit diese schöne Panorama-Ansicht des Columbus Circle aus dem Jahr 1904 veröffentlicht, die der Macher dort in den National Archives entdeckt hat: 



Und die mag zwar vielleicht kaum einen interessieren, uns aber schon, denn sie passt hier gerade wunderbar in den Kram, weil die Bildbeschreibung das "Jeromyn" erwähnt. 

Das ist  jenes Gebäude links im Hintergrund, das sich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch im Bau befand. 


Der Blog schreibt, das Gebäude an der Ecke 61st Street und Broadway, das sich im Bau befindet, werde einmal das 12stöckige Jermyn Hotel werden. Abgerissen hätte man das Jermyn im Jahr 1964.

Ich würde sagen, dass wir die Analyse dieser Postkarte...


... damit abschließen und uns dem nächsten Objekt zuwenden, nämlich dem nachfolgenden Flyer (?) einer Tanzschule, die sich einst am Columbus Circle befand: 



Links sehen wir wieder das kleine Hotel auf dem kleinen Block zwischen Broadway (links) und 8th Avenue (rechts), das schon nicht mehr "N.Y. American", sondern laut Werbebeleuchtung auf dem Dach "SUNDAY AMERICAN" heißt. 



Ganz links im nächsten Bildausschnitt sehen wir wieder die schmale hohe Front des Reisenwebers Hotels, dann der markante Bau des Pabst Hotels mit dem sich direkt anschließenden Majestic Theatres und schließlich rechts im Bild das Columbus Monument.



Hinter dem Columbus Monument sieht man - an der Südseite der 59th Street gelegen - das "Hippodrome" angrenzen. In dessen oberen Stockwerk scheint sich die auf dem Flyer beworbene Tanzschule von Donovan zu befinden, die mal wieder in der stadttypischen Bescheidenheit als "Größte Tanzakademie von New York" beworben wird. 



Und rechts im Panorama sehen wir schließlich noch das Circle Theatre an der 60th Street und das Jermyn an der 61st Street:



Irgendwann zu Beginn der 1910er - oder vielleicht schon davor - wurde das Majestic Theatre in Park Theatre umbenannt. Ein Park Theatre hat es 70 bis 80 Jahre zuvor auch schon am City Hall Park gegeben, aber dieses Mal dürfte der Central Park Pate für die Namensgebung gewesen sein.


 Columbus Circle and Columbus Monument, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


William Davis Hassler, Columbus Circle, ca 1912, from the collections of the museum of the city of New York


Byron Company, Park Theatre, Columbus Circle, 1913, from the collections of the museum of the city of New York


Noch ein weiteres Panorama, das die üblichen Verdächtigen abbildet, ich verzichte auf eine genaue Bildbeschreibung, da ich davon ausgehe, dass Ihr inzwischen stumm mit Euren Lippen die Namen der dort sichtbaren Bauwerke formen könnt:

L.H. Frohman, Columbus Circle, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Nachdem wir jetzt den Status Quo zu Beginn des Jahrzehnts ausführlich beschrieben haben, sollten wir nun mal zu den Veränderungen kommen, die sich danach so ergeben haben. 

Zunächst möchte ich nochmal diese Photographie vom Ende des 19. Jahrhunderts in Erinnerung rufen, die die Ecke Broadway / 59th Street im Osten des Columbus Circles zeigt. Dort befand sich bisher nämlich noch kein spektakuläres Gebäude, sondern ein quasi unbebautes Grundstück:

from the collections of the museum of the city of New York



Und deshalb hat auch in den Folgejahren kaum ein Photograph diesen Sektor des Columbus Circles abgelichtet, weil es auf den anderen 270 Grad Interessantes aufzunehmen gab als einen Schotterplatz mit ein paar Werbetafeln.

Diese Aufnahme von 1912 zeigt uns, dass sich dort schließlich doch etwas verändert hat, dort steht nämlich ein zweistöckiges Gebäude, das den zur Verfügung stehenden Platz ziemlich ausfüllt. Hier im Bild rechts außen. 

Columbus Circle, 1912, from the collections of the museum of the city of New York


Auf der Karte von 1911 ist dieses Gebäude auch eingezeichnet, aber nicht mit einem Namen versehen. 



Ich kann leider auch nicht sagen, ob das Gebäude schon fertiggestellt ist oder sich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch im Bau befindet und ob die angebrachten Tafeln Reklamezwecken dienen oder auf den Bauherrn oder zukünftige Nutzer hinweisen. 



Eine ganz erhebliche Veränderung findet in diesem Jahrzehnt in dem Viertel des Kreisels statt, das an den Central Park grenzt. Und diese Veränderung begann ca. 15 Jahre zuvor bei diesem bewaffneten Kriegsschiff, das im Jahr 1895 von der Marine der Vereinigten Staaten in Dienst gestellt wurde: die USS Maine



Im Januar 1898 lief dieses Schiff in den Hafen von Havanna, Kuba ein, damals noch eine spanische Kolonie. Zweck des Aufenthalts war es wohl, militärische Stärke und amerikanische Präsenz zu zeigen, denn dass die Amerikaner sich schon häufiger für Kuba interessiert haben, ist ja nicht ganz neu. 



Und der Lauf der Geschichte wollte es, dass die USS Maine diesen Hafen nicht mehr verlassen sollte, denn am 15. Februar 1898 explodierte das Kriegsschiff und riss dabei 266 Mann Besatzung in den Tod. 









Ähnliche Unglücke waren wohl zuvor schon auf anderen Schiffen der US-Marine passiert, aber offiziell ging die damalige Regierung unter Präsident McKinley von einer Art Terroranschlag mittels Torpedo als Ursache aus und nahm den sogenannten "Maine-Vorfall" zum Anlass, um dem Königreich Spanien den Krieg zu erklären, der von April bis August 1898 stattfand. Wem das irgendwie entfernt bekannt vorkommt, der hebe jetzt die Hand. 


Im Gedenken an die bei dem Unglück in Havanna gefallenen amerikanischen Soldaten wurde im Mai 1913 am Columbus Circle das "USS Maine National Monument", kurz Maine Monument, eingeweiht. 


Und das Monument am Südwesteingang zum Central Park wird uns ab jetzt auf der weiteren Reise durch die Geschichte des Columbus Circles begleiten.

Irving Underhill, Maine Monument, Columbus Circle, 1913, from the collections of the museum of the city of New York


Maine Monument, Plaza entrance of Central Park, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


 Wurts Bros, West 59th Street and Columbus Circle, National Maine Memorial, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Irving Underhill, Status on Maine Monument, ca 1914, from the collections of the museum of the city of New York


The Maine Monument, Columbus Circle, ca 1918, from the collections of the museum of the city of New York


Hier nochmal zum Vergleich die Situation vorher im Jahr 1912 ...


... und nachher im Jahr 1913:

 Irving Underhill, Columbus Circle East, 1913, from the collections of the museum of the city of New York


Mit Blick auf den Verpackungszustand des Monuments könnte dieses Bild von der Einweihung im Mai 1913 stammen, auch wenn es erst auf Juni 1913 datiert wurde:




Ob die nachfolgenden Photos von Robert Bracklow auch bei der Einweihung des Denkmals entstanden sind, weiß ich nicht, sie sollen aber ebenfalls aus dem Jahr 1913 stammen. Wir sehen dort Veteranen des oben erwähnten Spanisch-Amerikanischen Kriegs zusammen mit dem berühmten Verleger William Randolph Hearst am Maine Monument:



Robert Bracklow, Columbus Circle Memorial with Spanish-American War Veterans  and William Randolph Hearst, Digby A. Chetwick
 and Mayor Gaynor, 1913, from the collections of the museum of the city of New York


Ohne Marinesoldaten sieht es am Columbus Circle dann aber doch friedlicher aus:



Columbus Statue, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York


Kommen wir nun zu der nächsten Veränderung am Columbus Circle. Da war ja noch das seit dem Brand der Riding Academy im Jahr 1902 unbebaute Grundstück zwischen Central Park West und Broadway und 61st Street:



Das ist über einen längeren Zeitraum nur dahingehend in Erscheinung getreten, dass es von einem zunächst einstöckigen, später zweistöckigen Zaun umgeben war, der intensiv als Werbemittel genutzt wurde. 

Columbus Circle, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York


Brown Brothers, Columbus Circle, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York


New York Edison Company, Columbus Circle at night, 1913, from the collections of the museum of the city of New York


Dieses hat sich vermutlich etwa 1914 / 1915 geändert. Die nachfolgende Photographie soll am 29. Januar 1915 aufgenommen worden sein und zeigt ein zweistöckiges Gebäude, das auf dem zuletzt ungenutzten Grundstück errichtet wird:

Wurts Bros, Columbus Circle, Jan 29 1915, from the collections of the museum of the city of New York


Man beachte auch die U-Bahn-Station-Zugänge auf dem Mittelstreifen des Broadways, im Englischen "subway kiosk" genannt. 

Auf diesem Photo, das ca. 1919 entstanden ist, sehen wir einen Teil des fertiggestellten Gebäudes am Broadway aus der Bürgersteigperspektive:

Arthur Vitos, Procession of Cars on Broadway Advertising the Use of Kerosene for Fuel, ca 1919, from the collections of the museum of the city of New York


Bei dem Gebäude handelt es sich wohl um ein sogenanntes "Taxpayer Building", ein Gebäude, das geschaffen wurde, um die laufenden Grundstückskosten des Besitzers zu decken und die Zeit zu überbrücken, bis dort ein ernsthaftes Bauvorhaben realisiert wird. 





Auf der Karte von 1916 trägt dieses Gebäude den schlichten Namen "Circle Building". 

https://digitalcollections.nypl.org/items/510d47e2-0946-a3d9-e040-e00a18064a99


Die Karte verrät auch, dass das Hotel Jermyn später wohl "Pasadena(s)" hieß und dass das Gebäude mit der überdimensionalen Leucht-Reklame auf dem Dach hinter dem Circle Building vermutlich nur ein Parkhaus war (Garage).



Zur gleichen Zeit wie das vorausgegangene Foto wird auch das nächste undatierte entstanden sein, das möglicherweise die gleiche Szene von einem etwas südlicher gelegenen Standort aus zu zeigen scheint:

from the collections of the museum of the city of New York


Bevor wir zur nächsten Veränderung weiterwandern, ein kurzer Einschub, der einem Restaurant in der 59th Street nahe dem Columbus Circle gewidmet ist. Das befand sich an der Nordseite der 59th Street in dem "Rieser Building" an der Adresse 311 West 59th Street. 



Dabei handelt es sich um ein Lokal mit dem schönen Namen "Faust Restaurant", das zu einem Faust Hotel an der Adresse 1823 Broadway gehört, in einem Gebäude, das im rechten Winkel zum Rieser Building stand und nur ein kleines Stück überlappte:

Souvenir Post Card Co, Faust Restaurant Annex, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York

The Faust Hotel and Garden, 1823 Broadway, Menu for Friday April 24, ca 1914, from the collections of the museum of the city of New York


Kommen wir zur nächsten Veränderung. Nein, noch nicht direkt. Zunächst ist da noch ein ungeklärtes Photo aus der vergangenen Woche aufzugreifen:



Das war in der Quelle auf 1905 datiert, was aber falsch ist. Bewiesen unter anderem durch den Umstand, dass die SUNDAY AMERICAN-Reklame auf dem ehemaligen Virginia Hotel zwischen Broadway (links) und 8th Avenue (rechts) erst gegen Ende der 1900er oder Anfang der 1910er am Gebäude angebracht wurde.




Interessant ist aber auch noch der linke Teil vom Bild, weil er den Teil des Broadways zeigt, auf dem es gleich weitergeht. 

Jenes Gebäude, das etwas im Hintergrund an der Ecke 57th Street und Broadway steht und die Reklame "GOODRICH TIRES - RUBBER GOODS" trägt, bekommt 1911 einen größeren direkt nördlich gelegenen Nachbarn, weshalb die Firma nicht lange was von ihrer großen Leuchtreklame hatte. 

Das schmale Gebäude von Goodrich Tires wurde nämlich erst 1909 fertiggestellt, was auf jeden Fall beweist, dass die Datierung 1905 nicht stimmen kann. 




Der rechte Teil des Photos schließlich zeigt schließlich die Ostseite der 8th Avenue, bevor sie auf den Columbus Circle stößt. 



So, jetzt zu der angekündigten Veränderung: nicht direkt am Columbus Circle gelegen, aber dennoch nahe genug, um sein Aussehen nachhaltig mit zu verändern ist jener Bau, der an der Ecke Broadway / 58th Street ab 1911 hochgezogen wurde:

Wurts Bros, Construction of 5 Columbus Circle - 1790 Broadway, ca 1911, from the collections of the museum of the city of New York




An der Hausnummer 1790 Broadway entstand das "U.S. Rubber Company Building", das 1912 fertiggestellt wurde und 20 Stockwerke bzw. 87 Meter hoch ist und bis heute dort steht. 


Columbus Circle, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York



Wurts Bros, Broadway and West 59th Street, United States Rubber Co Building, ca 1915, from the collections of the museum of the city of New York


Ob die Firma Goodrich Tires ab 1911 nach dem Baubeginn des U.S. Rubber Company Buildings ihre Leuchreklame um 180 Grad gedreht und zumindest in südliche Richtung hat leuchten lassen, habe ich jetzt mal so vermutet und sehe es in der nächsten Aufnahme auch bestätigt:

Irving Underhill, Columbus Circle South, ca 1918, from the collections of the museum of the city of New York


Klasse oder? Hier gibt es eine Menge zu entdecken. Da wäre zum Beispiel das Circle Building zwischen Broadway und Central Park West im Vordergrund mit dem Maine Monument dahinter. 



Dann wäre da das namenlose Gebäude an der Ecke 59th Street und Broadway, das genauso wie das Circle Building ein Taxpayer Building sein müsste: 


Dann fällt auf, dass die SUNDAY AMERICAN-Leuchtreklame auf dem ehemaligen Virginia Hotel nicht mehr vorhanden ist: 



Und zuletzt haben wir noch das U.S. Rubber Company Building und das Goodrich Tire Company Building, die Rücken an Rücken zwischen 58th und 57th Street am Broadway stehen und beide ihre Leuchreklamen in die Nacht von Midtown Manhattan strahlen lassen, der eine höher, der andere niedriger:



In dieser Folge wird die Zeit zwischen 1910 und 1919 beschrieben. Da hinein fällt zwangläufig auch die Zeit des Ersten Weltkriegs, an dem die Vereinigten Staaten in der Zeit von 1917 bis 1918 teilnahmen, also vom heutigen Standpunkt aus vor genau 100 Jahren. 

Der patriotische Schmuck, der hier am Columbus Circle zu sehen ist, dürfte im Zusammenhang mit dem Kriegseintritt der USA Anfang April 1917 angebracht worden sein:

Wurts Bros, Columbus Circle, 5 1 1917, from the collections of the museum of the city of New York


Wurts Bros, Columbus Circle, 6 1 1917, from the collections of the museum of the city of New York


Wurts Bros, 59th Street and Broadway, Columbus Circle, 6-1-17, from the collections of the museum of the city of New York



Dann haben wir hier eine Aufnahme der Bühne des vermutlich vorrübergehend errichteten "Universal Liberty Loan Theatre" am Columbus Circle, auf der für Liberty Loans, gleichbedeutend mit Liberty Bonds, also Kriegsanleihen geworben wurde. Auf der Bühne erkennt man die Uniformen und Helme von amerikanischen Soldaten zur Zeit des Ersten Weltkriegs:

Street Scenes, Showing Displays of Liberty Loan Posters during World War I, Universal Liberty Loan Theatre, 
1914-1918, from the collections of the museum of the city of New York


Die Liberty Loans begegnen uns auch hier auf dem Photo, das vom Eingangsbereich der Gotham National Bank aufgenommen wurde: 

Showing Displays of Liberty Loan Posters during World Wor I, Liberty Loan posters at Gotham Bank in Columbus Circle, 
1914-1918, from the collections of the museum of the city of New York

Mit SMASH THE HUN - Buy Liberty Bonds sind unsere Vorfahren angesprochen. Während des Ersten Weltkrieg waren im englischsprachigen Raum die deutschen Soldaten unter Kaiser Wilhelm II gemeint, wenn von den Hunnen die Rede war. 

Ich vermute, dass sich die Gotham National Bank damals neben dem Circle Theater zwischen 59th und 60th Street an der Westseite des Broadways befand, etwa dort, wo der Broadway auf zwei getrennten Spuren wieder den Columbus Circle verlässt. Dafür spricht auch die Adressangabe über dem Eingang der Bank im Photo: 1819-21 Broadway. 



Und da kommen wir zu einer letzten Veränderung am Columbus Circle, die wohl noch in den 1910ern ihren Anfang hatte, aber erst in den 1920ern endete. Nämlich der Neubau der "Gotham National Bank", quasi hinter ihrer alten Niederlassung dort, wo 1916 noch eine Garage und eine Freifläche in der Karte zu sehen waren. 



Baubeginn dieses zweiten markanten Wolkenkratzers am Columbus Circle dürfte noch 1919 gewesen sein, die nachfolgende Aufnahme von der Bauphase ist auf den 26. November 1920 datiert. 



Dieses Photo ist auch deshalb interessant, weil es uns die alte Gotham National Bank nicht vorenthält, sondern nebenbei gleich mit serviert: 



Die kleine Bank im Vordergrund rechts scheint also gut gewirtschaftet zu haben, wenn sie sich einen derart überdimensionierten Neubau leisten kann. 

Diese Aufnahme vom fertiggestellten Neubau war zwar auf ca. 1919 datiert, dürfte aber wohl eher 1921 entstanden sein: 

1819 Broadway, Former Gotham National Bank, ca 1919,from the collections of the museum of the city of New York


Dieses Hochhaus hat es nicht bis in die Gegenwart geschafft, heute befindet sich dort bekanntermaßen das Time Warner Center, zuvor war dieser Ort aber auch noch ab dem 1950ern vom New York Coliseum in Beschlag genommen, so dass das Gotham National Bank Building es nur etwa 30 Jahre am Columbus Circle ausgehalten hat, wie es scheint. Aber das werden wir ja in den nächsten Episoden noch genauer verfolgen können. 

Damit soll für heute erstmal Schluss sein, beim nächsten Mal machen wir dann in den 1920ern weiter. Danke für die Aufmerksamkeit. 

- FORTSETZUNG FOLGT -