Samstag, Dezember 09, 2017

Lola Montez



Beim Surfen durch die Geschichten noch vorhandener oder bereits verschwundener europäischer Königshäuser bin ich vor einigen Wochen auf die Geschichte von Lola Montez gestoßen, die ich bis dato noch nicht kannte, die hier im Blog aber eine kurze Erwähnung verdient hat. Kurz deshalb, weil die ausführlichere Geschichte an anderer Stelle bereits niedergeschrieben ist. 

Der Name lässt es nicht unmittelbar vermuten, aber Lola Montez wurde im Jahr 1821 als Tochter einer irischen Mutter und eines schottischen Vaters im Nordwesten von Irland geboren. Andere Quellen nennen bereits das Jahr 1818 als Geburtsjahr. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen im 19. Jahrhundert kam sie während ihres Lebens  ziemlich weit in der Welt herum und betrat dabei vier von fünf Kontinenten.

Die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte sie, die damals noch Elisabeth Rosanna Gilbert hieß, in Kalkutta in Indien. Danach kehrte sie zunächst für einige Jahre zu den britischen Inseln zurück, um 1838 mit ihrem ersten Ehemann, einem englischen Offizier, wieder nach Indien zu gehen. Die Ehe hielt nicht lange und bereits 1842 erfolgte die Rückkehr nach London. Dort erlernte sie die spanische Sprache und spanische Tänze, unternahm eine Reise nach Spanien und kehrte 1843 als spanische Tänzerin "Lola Montez" aus Sevilla nach London zurück. 




Nachdem sie als Hochstaplerin entlarvt worden war, verlies Lola Montez England und war offenbar in den Folgejahren so eine Art "Adels-Groupie", die wiederholt vor europäischen Herrschern tanzte, darunter der König von Preußen und der Zar von Russland. Und mit Tanzen war es oft wohl nicht getan und Lola musste immer wieder mal ihren aktuellen Aufenthaltsort verlassen. 

Wir erinnern uns: in den 1840ern gab es noch nicht das geeinte Deutsche Reich, das im 20. Jahrhundert an zwei Weltkriegen maßgeblich beteiligt war, sondern zahlreiche Königshäuser und Fürstentümer prägten die Landkarte, die zu jener Zeit wie ein Flickenteppich aussah. Auch die Franzosen waren vor der wilden Irin offenbar nicht sicher, 1844 verschlug es die Tänzerin nach Paris und auch dort war ihr die Aufmerksamkeit sicher. 



Nach zwei Jahren in Paris führte der Weg weiter nach München und dort traf dort im Oktober 1846 auf den amtierenden bayrischen König Ludwig I, den Großvater des berühmten "Märchenkönigs" Ludwig II. 



Der Umstand, dass der 60jährige König mit der 25jährigen Tänzerin eine Liebesbeziehung einging, und sie zur Gräfin ernannte, stieß bei den Untertanen des Königs und den Münchenern auf wenig Gegenliebe. Bereits Anfang des Jahres 1848 musste Lola - wie schon so oft in ihrem Leben - mal wieder aus einer Stadt fliehen, dieses Mal München. 

Tumult an Lolas Wohnhaus in München, 1848,


Und ihre heimliche Rückkehr im März und die besondere Stimmung in der Stadt und im Land während des Revolutionsjahres 1848 führten schließlich dazu, dass der Monarch am 20. März 1848 abdankte und das Zepter an seinen Sohn weiterreichte, der als Maximilian II den bayrischen Königsthron besetzte. 

Lola lebte in den Folgejahren zunächst mit Unterstützung Ludwigs in der Schweiz und hielt zunächst auch weiterhin Kontakt. Nach Aufenthalten in England, am Mittelmeer, in Paris und Belgien reiste sie im Jahr 1851 in die Vereinigten Staaten.







In New York City trat sie 1852 in der Theaterrevue "Lola Montez in Bavaria" am Broadway auf, einer Show, bei der ihre eigene Geschichte im Mittelpunkt stand. Zunächst tourte Lola an der Ostküste, später führte sie der Weg auch in den Westen der USA bis nach San Francisco und in die kalifornische Goldgräberstädt Grass Valley. 


Die Aufnahme oben zeigt sie in Grass Valley auf dem Pferdefuhrwerk, die Photographie unten das Haus, in dem sie in Grass Valley wohnte. 





In den Jahren 1855 und 1856 führte sie eine weite Reise tief hinunter in den Süden, quasi bis an das Ende der Welt nach Australien, wo es ebenfalls eine lebendige Goldgräberszene wie in Kalifornien gab. 




1857 kehrte Lola Montez schließlich nach New York City zurück und verdiente ihren Lebensunterhalt zuletzt mit Schriftstellerei und Lesungen. 






zusammen mit einem amerikanischen Ureinwohner namens Alights-on-a-cloud




Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den amerikanischen Nord- und Südstaaten könnte Elisabeth Rosanna Gilbert vielleicht noch erlebt haben, den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs aber wohl nicht mehr, denn nach einer Lungenentzündung um Weihnachten 1860 starb sie nur kurze Zeit später am 17. Januar 1861 einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag in New York City. Darüber hinaus soll sie Schlaganfallsymptome und ggf. auch Anzeichen einer Syphilis-Erkrankung gezeigt haben.

Das Grab kann man auf dem Green-Wood Cemetary im heutigen New Yorker Stadtteil Brooklyn finden. 



Wer gerne noch mehr, insbesondere über die Zeit mit dem bayrischen Monarchen erfahren möchte, kann sich hier schon mal ein kleines bisschen Zusatzwissen anlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lola_Montez
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._(Bayern)
https://en.wikipedia.org/wiki/Lola_Montez







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