Sonntag, April 18, 2010

Wall Street Bombing 1920

Kapitel 242



81 Jahre vor Nine Eleven war Lower Manhattan bereits einmal Schauplatz eines terroristischen Anschlags. Quelle ist die englischsprachige Wikipedia-Seite.

Das Bombenattentat in der Wall Street ereignete sich am 16. September 1920 um 12:01 Uhr mittags im Financial District von New York City. Die Explosion tötete 38 Menschen und verletzte 143 Menschen schwer. Es starben mehr Menschen als beim Bombenattentat auf die Los Angeles Times 1910 und es blieb das schlimmste Attentat auf eine US-Einrichtung bis zum Bath School Bombing in Michigan sieben Jahre später.


Das Attentat:
Gegen Mittag passierte ein Pferdewagen die Menschenmengen, die sich zur Mittagszeit in der Wall Street in New York City aufhielten und hielt gegenüber vom Hauptquartier von J.P. Morgans Bank an der Adresse 23 Wall Street an, der unruhigsten Ecke im Financial District. Im Wagen befanden sich 45 kg Dynamit zusammen mit 230 kg an schwerem gußeisernem Schrott. Ein Zeitzünder löste die Explosion aus, die den Gußeisenschrott in alle Richtungen auseinanderfliegen ließ. Das Pferd und der Wagen wurden dabei in Stücke gerissen.


Die 38 Todesopfer, von denen die meisten unmittelbar nach der Explosion starben, waren vorwiegend jung und arbeiten als Laufburschen, Stenographen, Verkäufer und Broker. Das Unglück verursachte einen Schaden von mehr als 2 Millionen Dollar am Eigentum und zerstörte den größten Teil der Inneneinrichtung im Morgan Building.


Die Reaktionen:
Es war für die ermittelnde Behörde (Justice Department's Bureau of Investigation - BOI) nicht sofort offensichtlich, dass es sich bei der Explosion um einen terroristischen Akt handelte. Die Anzahl an unschuldigen Menschen, die bei dem Anschlag getötet worden waren und das Fehlen eines erkennbaren Ziels außer den Gebäuden, die zwar einen oberflächlichen, aber keinen strukturellen Schaden erlitten hatten, gab den Ermittlern Rätsel auf. Die Polizei erforschte die Möglichkeit eines Unfalls und nahm Kontakt mit Händlern auf, die Explosivstoffe verkauften und transportierten.


Gegen halb vier am Nachmittag traf sich die Leitung der New Yorker Börse und entschied, am nächsten Tag wieder für den Handel zu öffnen. Die Umgebung wurde während der Nacht gesäubert, so dass sich am nächsten Tag wieder der Anschein der Normalität ergab. Dabei wurden allerdings auch alle Spuren zerstört, die den Polizeiermittlern vielleicht hätten helfen können, das Verbrechen aufzuklären. Am nächsten Tag präsentierten die Zeitungen die Reaktion des stellvertretenden Bezirksstationsanwalts, der die Zeitwahl und den Ort des Geschehens als zu auffällig einstufte, als das die Explosion hätte ein Unfall sein können. Er benannte auch schon einige, die er als Urheber verdächtigte:
"Bolschewiken", "Anarchisten", "Kommunisten", "Sozialisten".


Die "Söhne der Amerikanischen Revolution" (The Sons of the American Revolution) planten am 17. September eine Kundgebung im selben Bereich, bei der der Gründungstag der Vereinigung gefeiert werden sollte. Tausende besuchten die patriotische Veranstaltung und mißachteten dabei den terroristischen Anschlag am Vortag.

Am gleichen Tag veröffentlichte das BOI einige Flugzettel, die in einem Briefkasten an der Wall Street kurz vor der Explosion entdeckt worden waren. Gedruckt mit roter Tinte auf weißem Papier unter Verwendung von Gummistempeln anstelle von Buchstaben aus dem Setzkasten, verkündeten die einzelnen Kopien, die leicht untereinander variierten: "Erinnert Euch, wir werden nicht es nicht länger hinnehmen. Lasst die politischen Gefangenen frei oder es bedeutet den sicheren Tod für Euch alle." Die Unterschrift lautete: "American Anarchist Fighters" (Anarchistische Kämpfer Amerikas). Das BOI entschied schnell, dass die Flugzettel jegliche Möglichkeit eleminierten, wonach die Explosion auf einen Unfall zurückgeführt werden konnte. William J. Flynn, der Leiter des BOI, dachte, dass die Flugzettel an jene erinnerten, die bei den anarchistischen Bombenanschlägen im vorausgegangenen Juni gefunden worden waren.


Der Bombenanschlag in der Wall Street am 16. September 1920 tötete 38 Menschen, das schlimmste Desaster in der Stadt seit dem Brand der Triangle Hemdenfabrik 1911. Bezirksstaatsanwalt A. Mitchell Palmer sagte, dass er, falls die Aktion tatsächlich beabsichtigt war, eine Änderung der öffentlichen Meinung dahingehend erwarte, dass drastischere Reaktionen und die Ausweisung der kriminellen Anarchisten gefordert werden, eine Vorgehensweise, die er seit einem Jahr ohne großen Erfolg favorisiert habe. Die Reaktionen der Presse waren zwar zustimmend, allerdings endete die Zustimmung bei der Unterstützung von landesweiten Maßnahmen. Auch konservative Publikationen gingen davon aus, dass der Bombenanschlag ein Verbrechen wäre, dass wie jedes andere aufzudecken wäre.


Die New York Times empfahl in ihrer Titelgeschichte "To Put Down Terrorists" Realismus und Ruhe: "Die Details des Ablaufes werden möglicherweise niemals aufgedeckt. Die für das Verbrechen Verantwortlichen bleiben vielleicht von der Justiz unbestraft...die vernünftigste Theorie für die Explosion ist jene, die von einer terroristischen Demonstration ausgeht. Es ist nicht die erste und auch sicher nicht die letzte...Die Gemeinschaft muss zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lässt...dadurch, dass wir Ruhe und Stärke bewahren, beginnt ihre Niederlage...sie werden bis in ihre Löcher hinein gejagt wie wilde Tiere." Die Vermehrung der Ressourcen und der Macht der Justizbehöre blieb unerwähnt.

Die Ermittlungen:
Die Ermittlungen waren schnell zum Stillstand gekommen, nachdem feststand, dass keines der Opfer der Fahrer des Wagens gewesen war. Obwohl das Pferd neu geschlagen worden war, konnte nicht festgestellt werden, welcher Stall für diese Arbeit verantwortlich gewesen war. Als der Hufschmied im Oktober endlich gefunden war, konnte er der Polizei nur noch wenig Informationen liefern. Das BOI und die Polizei vor Ort ermittelten drei Jahre lang, ohne einen Erfolg zu verzeichnen. Gelegentliche Festnahmen brachten das Ereignis zwar wieder in die Schlagzeilen, aber jedes Mal stellte sich innerhalb weniger Tage heraus, dass man falschen Hoffnungen aufgesessen war.


Ein Großteil der Ermittlungsarbeit konzentrierte sich auf das Netzwerk des italienischen Anarchistischen Luigi Galleani, das nach Bombenanschlägen im Jahr 1919 im Mittelpunkt von Strafverfolgungsmaßnahmen stand und auf die Anarchisten Sacco und Vanzetti.


Später verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf die Sowjets als mögliche Hintermänner des Wall Street Bombenanschlags und dann auf die Kommunistische Partei der USA. 1944 schloss das FBI als Nachfolger des BOI die Ermittlungen ab mit dem Ergebnis, dass seine Agenten die Verwicklungen zahlreicher radikaler Gruppen erforscht hätte, "solche wie die Union der Russischen Arbeiter, das I.W.W., die Kommunisten, usw. ... und beim derzeitigen Stand der Ermittlungen scheint festzustehen, dass keine der vorgenannten Organisationen ihre Hände im Spiel hatte und das die Explosion das Werk einiger weniger italienischer Anarchisten oder italienischer Terroristen war."


1991 behauptete der Historiker Paul Avrich, dass Mario Buda (1884-1963), einer der Gefolgsleute des italienischen Anarchisten Luigi Galleani, das Bombenattentat geplant habe, um die Anklage gegen die Galleanisten Sacco und Vanzetti zu rächen. Buda hielt sich zum Zeitpunkt des Bombenanschlags in New York City auf und kannte sich im Umgang mit Dynamit und anderen Explosivstoffen aus. Außerdem soll er mehrere größere Bomben für die Galleanisten gebaut haben. Auf der anderen Seite gab es, auch nachdem Buda in sein Heimatland Italien zurückgekehrt war, ähnliche Bombenanschläge wie zum Beispiel jener im Jahr 1932. Abschließend aufgeklärt ist der Anschlag bis heute nicht.

Auch in der Gegenwart kann man noch in der Wall Street die Spuren des Bombenattentats von 1920, das sich im September zum 90. Mal jährt, finden.



Durch diese Quelle bin ich auf das Wall Street Bombing aufmerksam geworden:
http://www.shorpy.com/node/4951

weitere Quellen:
http://www.crimemagazine.com/06/wallstreetbomb,0115-6.htm
http://passingstrangeness.wordpress.com/2009/07/08/murder-on-wall-street/
http://scheong.wordpress.com/2010/02/
http://www.nycop.com/Mar_00/Terrorism_in_NY/body_terrorism_in_ny.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Luigi_Galleani
http://en.wikipedia.org/wiki/Sacco_and_Vanzetti


Kommentare:

  1. Komisch, dass auf dem ersten Bild das umgekippte Auto ein Kennzeichen hat, auf dem zweiten Bild ist es dann weg ...

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  2. Hallo Anonym - scharf beobachtet, dieses Detail ist mir bisher nicht aufgefallen. An einem Perspektivenwechsel liegt es nicht, beide Bilder sind vom Osten in Richtung Westen (Trinity Church) aufgenommen und es gibt ja auch Bilder aus der anderen Richtung. Bei dem Bild, bei dem das Nummernschild (wenn es denn eins ist) nicht mehr vorhanden ist, meine ich, dass man die Halterung erkennen kann, an dem es befestigt war. Ich vermute mal, dass das Bild mit Nummernschild vor dem ohne entstanden ist und das Schild irgendwann in der Zwischenzeit entfernt wurde, vielleicht um in den umliegenden Gebäuden den Halter des Fahrzeugs zu ermitteln ("gehört jemandem das Fahrzeug mit diesem Nummernschild?"), vielleicht auch aus anderen Gründen. Aber auf jeden Fall eine interessante Beobachtung.

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