Freitag, Oktober 13, 2006

Yellow Submarine of Coney Island Creek

Kapitel 16

Ein unbekanntes Kapitel aus der Vergangenheit New Yorks ist die Geschichte zur "Yellow Submarine of Coney Island Creek". Gestoßen bin ich auf diese Geschichte durch die Website
Forgotten-NY.

Coney Island war ursprünglich eine Insel, wie man dem Namen entnehmen kann. Heute ist es nur noch eine Halbinsel, nachdem in den 30er- und Anfang der 60er-Jahre Landanfüllungen vorgenommen wurden.



Dabei wurde das Gewässer zwischen Insel und Festland, der Coney Island Creek, teilweise zugeschüttet und es bildeten sich blinde Flussarme. Der hier abgebildete Teil nennt sich Gravesand Bay.

Auf der westlichen Seite der Gravesand Bay gibt es gleich hinter der Mündung einen größeren Schiffsfriedhof, an dem zahlreiche Schiffswracks unterschiedlichen Alters aus dem Wasser ragen.

In diesem Coney Island Creek liegt seit fast 36 Jahren das Wrack eines gelben U-Boots.



Doch wie kam das Gelbe U-Boot in den Coney Island Creek? Die Geschichte beginnt im Prinzip 1951, als der Stolz der italienischen Ozeanriesen-Flotte, die "SS Andrea Doria" ihren Stapellauf hatte. Der Andrea Doria waren im Gegensatz zu einem anderen bekannten Schiff zwar einige Jahre auf See beschieden, aber auch ihre Zeit als Kreuzfahrschiff endete sicherlich vor dem geplanten Zeitpunkt. Am 25.07.1956 kollidierte sie auf dem Weg nach New York in schwerem Nebel mit einem schwedischen Liner namens "SS Stockholm".

46 Passagiere der Andrea Doria und 10 Besatzungsmitglieder der Stockholm starben bei dem Unglück, die Andrea Doria versank im Atlantischen Ozean.

1963 setzte sich ein Schiffbauer aus Brooklyn namens Jerry Bianco in den Kopf, die zahlreichen Schätze der Andrea Doria mit Hilfe eines selbstgebauten U-Boots zu bergen. Während seiner 25-jährigen Tätigkeit bei der Brooklyn Navy Yard hatte er an zahlreichen Projekten mitgearbeitet, so dass er meinte, über notwendigen Kenntnisse für den Bau des Unterseebootes zu verfügen. Über die an Bord vermuteten / vorhandenen Werte gibt folgender Text Auskunft:

The Andrea Doria was known to be bountifully loaded with such diverse items as a $250,000 solid silver statue of a mermaid; thousands of cases of liquor; tons of provolone cheese; 200,000 pieces of mail that the federal government would pay 26 cents a piece for; the ship’s bronze propellers, worth $30,000 each, paintings locked in air-tight vaults; industrial diamonds; the ship’s $6 million metal scrap value; passengers’ personal property left in several vaults and more.

Im Jahr 1966 begannen Jerry Bianco und seine beiden Söhne mit dem Bau des U-Bootes. Zur Finanzierung wurden Nachbarn, Bekannten sowie lokalen Feuerwehrleuten und Polizisten und für geringes Geld Anteile am U-Boot verkauft, die später auch eine Beteiligung am Gewinn der gehobenen Schätze beinhalten sollten.

Nach 4 Jahren harter Arbeit stellte Bianco 1970 sein 43 Fuß langes und 80 Tonnen schweres U-Boot am Rande des Coney Island Creeks fertig. Die "Quester I", so der offizielle Name des Tauchbootes", erhielt von seinem Erbauer einen Anstrich aus gelbem Zinkoxid. Der Beatlessong hätte keinen Einfluss auf die Gestaltung des Bootes gehabt. Stattdessen wäre dieses einfach nur der "ökonomischste" Anstrich für das Schiff gewesen.

Zur Ausstattung des Bootes und zu den entstandenen Kosten äußerte sich der Erbauer wie folgt: "Bianco says the vessel passed coast guard inspection with flying colors and a $5,000 examination by the Navy rated the sub as capable of withstanding pressures at depths of 600 feet. When the boat was completed, the stock soared to $4.75 a share. At the time of launching, Deep Sea Techniques had $300,000 invested in the 5/8-inch steel-alloy plated Yellow Submarine. Another $600,000 would be needed for a mother ship to which the sub would be tethered for air, electricity, communications and supplies.“For the sake of simplicity, my sub was like a stripped down economy car with no extras.” Also, flotation, the thousands of dunnage bags that were designed to cushion shifting freight on ships and trains, would be a major expense."

Der große Tag für Erbauer und Boot kam am 19.10.1970. Nachdem Tochter Patricia der Tradition folgend eine Flasche Champagner an der Außenwand zerbrechen lassen hatte, wurde die Quester I mit einem Kran zu Wasser gelassen.

Damit endete aber auch der glückliche Teil der Geschichte. Der Kranführer missachtete nämlich die Anweisung Biancos, das Boot zunächst nur teilweise ins Wasser hinab zu lassen. Stattdessen ließ es direkt komplett eintauchen. Da Bianco aber auf einer Seite des Bootes den Balasttank entfernt hatte, um zunächst Geld zu sparen, rollte die Quester I mangels Trimmung auf die Backbordseite und sank. Für Bianco ein Desaster, für das zahlreich anwesende Publikum und die Presse ein großer Spass.

Später brachte er den fehlenden Balasttank wieder am Schiff an und pendelte es aus. Zu diesem Zeitpunkt war aber der Enthusiasmus seiner finanziellen Beistände bereits verschwunden. Um seine Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen und seine Methode zu demonstrieren, barg Bianco eine gesunkene 44 Fuß lange Jacht. Trotz zahlreicher Bemühungen gelang es ihm jedoch nicht, die Finanziers erneut zu überzeugen, so dass er nie wieder zu seinem eigentlichen Projekt, der Bergung von Schätzen aus der Andrea Doria, zurückkehren konnte.

In den Folgejahren lag das Boot an seinem Ankerplatz, Bianco war aber nicht in der Lage, es ständig zu beaufsichtigen. Unbekannte stohlen Teile des Bootes, darunter eine Luke und Teile der Innenausstattung. 1981 wurde die Quester I von einem Sturm fortgespült und zunächst dachte man, sie wäre dabei verloren gegangen. Stattdessen tauchte sie bei Niedrigwasser an dem Ort wieder auf, an dem man sie heute noch besichtigen kann.

Die letzten Worte gehören Herrn Bianco: “Building that boat was one of the happiest times in my life,” said Bianco, as he momentarily looked towards the sub’s old launching site. “I still think my idea would’ve worked. I could’ve been on easy street. I think it would work even today.”

Der Autor von Forgotten-NY besuchte das Wrack des Bootes im Sommer 2006 zweimal, nachdem er in einem Artikel der New York Times, "The Ghost Ships of Coney Island Creek", auf den Schiffsfriedhof aufmerksam geworden war.


Links:

Nachtrag: Auf Anregung von Joergen hier endlich der vollständige Link zur Seite mit dem Originaltext:

  • http://www.forgotten-ny.com/YOU

    http://rsmercury.com/pages/articledetailsarch.asp?cat=34&art=3054&iss=85

  • Zuletzt noch einen Blick auf den Coney Island Creek über die Straßenansicht von Google-Maps. Der Standort ist allerdings auf der Coney Island-Seite, nicht auf der Brooklyn-Seite, daher ist von dem U-Boot nichts zu erkennen. Leider gibt es bisher noch keine Ansichten, die näher an der Stelle liegen und gleichzeitig einen freien Blick zulassen. Das Wetter hätte ruhig auch besser sein können :-) .


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    Kommentare:

    1. joergen geerds2:45 nachm.

      der originalartikel ist unter http://www.forgotten-ny.com/YOU'D%20NEVER%20BELIEVE/yellowsub/yellowsub.html zu finden.

      leider hattest du vergessen die photografen und autoren zu erwaehnen:
      ich denke Kevin Walsh hat die geschichte geschrieben und die fotos sind von Marie Lorenz und Mike Olshan.

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    2. Schaedel1:00 vorm.

      Nein, vergessen habe ich die Autoren nicht. Es war für mich entscheidend, dass die Seite nachvollziehbar ist, von der ich die Informationen gezogen habe. Danach ist jeder Leser hoffe ich selbst in der Lage, Autoren und Fotographen ausfindig zu machen.

      Leider ist es so, dass der vollständige Link bis zur Yellow Submarine nicht stehen bleibt, wenn man den Post zwischenspeichert. Übrig bleibt - warum auch immer - nur ein verstümmelter Rest des Links. Weil es mir nicht gelungen ist, den kompletten Link zur Quelle einzustellen, so wie bei den meisten anderen Kapiteln, deshalb habe ich nur die Startseite forgotten-ny angegeben.

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    3. Das Problem mit dem Link hat mich nicht losgelassen. Ich habe jetzt einen anderen Weg über "html" genommen, um den Link doch noch einzubringen, denn mittlerweile ist der Artikel auch von der Startseite bei forgotten-ny verschwunden. Ein entsprechender Nachtrag ist im Artikel eingefügt.
      Danke noch mal für den Hinweis.

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