Dienstag, Mai 16, 2017

Zwischennachricht

Am letzten Wochenende war leider keine Zeit für neue Beiträge, da die wenigen Stunden bereits mit vielen anderen Aktivitäten zugestopft gewesen sind. 

Dies wird sich auch am kommenden Wochenende nicht ändern. Neues Material ist deshalb erst Ende Mai wieder zu erwarten. 

Sorry! Gruß vom Schaedel

Sonntag, Mai 07, 2017

The Great Horse Manure Crisis of 1894



Dieser Beitrag ist ebenfalls durch einen Leserbrief ausgelöst und er dreht sich um "Horse Manure". Ich will mal gar nicht um den heißen Brei herumreden, es geht hier um Pferdescheiße

Ich fand die Fragestellung einfach sehr interessant. So lange gibt es ja die Automobile mit den Verbrennungsmotoren noch nicht. In einer Metropole wie New York City wurde noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein großer Teil des öffentlichen Verkehrs mit von Pferden gezogenen Fahrzeugen bewältigt, egal ob Warentransport mit Pferdefuhrwerken oder Personentransfer mit Kutschen und Pferdeomnibussen. 



Nun funktionieren die Verbrennungsmotoren der Pferde ja bekanntermaßen durch das Füttern mit Heu, Hafer, Äpfeln und Möhren und als Produkt des Stoffwechsels kommen dann nach Abschluss eben Pferdeäpfel aus den Huftieren. Und wenn man heute so auf die Straßen von New York schaut, wie viele Autos da unterwegs sind, dann kann man sich durchaus vorstellen, dass dort vor 120 Jahren auch eine ganz schön große Menge an Pferden unterwegs war, die eine ganz schön große Menge "Horse Manure" auf die Straßen von Manhattan und Umgebung haben fallen lassen. 

Und aus dem Grund kam die Frage auf, wie die Straßen von New York damals ausgesehen haben mögen und vor allem, wie es damals dort gerochen haben mag. Ich befüchte, nach unseren heutigen Riechgewohnheiten wahrscheinlich ziemlich heftig. An verschiedenen Stellen im Netz werden Zahlen genannt, was da einst so an Färdepfäkalien auf dem Kopfsteinpflaster von New York City landete, ob die so stimmen oder nur wüst geschätzt sind, weiß ich nicht, ganz unrealistisch werden sie aber wohl nicht sein. 



Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollen sich auf dem Stadtgebiet von New York City permanent mehr als 150.000 Pferde aufgehalten haben. Diese 150.000 Pferde sollen pro Tag über 3.000.000 Pfund feste Ausscheidungen abgeworfen haben und dazu noch 40.000 Gallonen flüssiger Stoffwechselprodukte. Man kann davon ausgehen, dass die davon ausgehenden Gerüche nicht nur in der Nase gekitzelt, sondern auch der Zunge gebritzelt haben. Denn wenn es draußen länger nicht geregnet hatte, sind die Pferdeäpfel getrocknet und haben herrlich auf den Straßen herumgestaubt. Na denn Mahlzeit!

Offenbar kamen die Erfinder der Verbrennungsmotoren und Selbstfahrer mit ihren Kreationen genau zur richtigen Zeit, denn in den 1890ern prognostizierte man für New York City, dass - falls sich nichts ändern würde - in den 1930ern die Scheiße in den Straßen bis zu den Fenstern im dritten Stock der Häuser reichen würde. 

Deswegen war es damals nicht ungewöhnlich, dass in Konferenzen, die sich mit städtebaulichen Fragen beschäftigten, das Thema Pferdemist auf den Tagesordnungen ganz oben stand, weil es damals omnipräsent war. 

Interessant finde ich, dass es zu dem Thema im englischen Sprachraum eine Reihe von einschlägigen Seiten gibt. Ob die alle ernst gemeint sind, konnte ich jetzt mal so auf die Schnelle nicht bewerten.





Interessant finde ich auch, dass das Thema sich bisher noch nicht aufgedrängt hat, obwohl wir in den vergangenen 10 Jahren hier schon eine große Menge an historischen Fotos betrachtet haben, auf denen auch zahlreiche Pferdefuhrwerke abgebildet waren. Aber was ist mit den Pferdeäpfeln? Haben wir die einfach nur übersehen oder haben die Photographen ihre Geräte immer dann am Straßenrand aufgestellt, wenn gerade gefegt worden war?





Frisch gereinigt? Naja, und das hier aus der Mulberry Street ist ja weltbekannt, aber da stehen soviel Zweibeiner auf der Straße herum, dass man die Hinterlassenschaften der Vierbeiner gar nicht mehr ausmachen kann:




Aber vielleicht muss man einfach auch nur den richtigen Moment erwischen und entschlossen sein, ALLES zu fotografieren. 





Na, das ist doch schon mal ein Anfang. Oder hier - lecker !





Aber man braucht gar nicht unbedingt Shorpy mit seinen hochauflösenden Bilddokumenten. Auch hier kann ich was in der Bildmitte unten erkennen. 





Wahrscheinlich muss man einfach nur richtig hinsehen. Das zeigt mir auch ein Besuch bei meiner gerne genutzten Bildquelle, dem MCNY:

Horse Ambulance, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York


Horse and wagon, ca 1870, from the collection of the museum of the city of New York


Horse Show 1899 Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York


Horse drawn water Tower, 1915, from the collection of the museum of the city of New York


Horses, Durlands, 1891, from the collection of the museum of the city of New York


Robert Bracklow, Street scene with pedestrians on the corner and horse and buggy, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York


Robert Bracklow, Street scene with refuse dump and horse cart, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York




Horse drawn fire truck, ca 1910, from the collection of the museum of the city of New York


Ist schon interessant, wie schnell sich der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit verlagern kann, wenn man ein Randthema anschneidet. 

Aber nun möchte ich auch Schluss machen, bevor sich noch jemand von mir veräppelt fühlt. Dann doch lieber eine Pferdedusche. 


Free shower baths for horses only, ca. 1913, from the collection of the museum of the city of New York



Erste Amerika-Fahrt Deutscher Konditoren 1929



Im März habe ich einen netten Leserbrief von einem "Kollegen" erhalten, der ebenfalls über die Vergangenheit im Internet schreibt. Dabei handelt es sich um einen Blog mit dem Titel "Erste Amerika-Fahrt Deutscher Konditoren 1929", auf den ich hier gerne einmal aufmerksam machen möchte. 



Der Großvater des dortigen Blogschreibers hatte 1929 an der 1. Amerikafahrt Deutscher Konditoren teilgenommen, die u.a. nach New York City führte und an die er sich später gerne erinnert und von ihr erzählt hat. Aus dem Nachlass des Großvaters sind ein Fotoalbum und ein Reisebericht erhalten geblieben sowie die 1926er-Ausgabe von King's Views of New York City, die die inhaltliche Grundlage für den Blog bildeten. 

Ich will auch gar nicht mehr lange herumerzählen und Euch aufhalten, springt einfach mal rüber zu dem Blog und schaut Euch dort um, das ist alles mit viel Liebe zusammengetragen und es gibt einiges zu lesen da drüben. VIEL SPASS!!!






Deutsches Auswandererhaus in Bremerhaven



Vor einigen Wochen habe ich hier im Blog schon über Stübenhöft berichtet, den einstigen Amerika-Pier im Hafen von Cuxhaven. Cuxhaven ist als Auswandererhaven außerhalb von Norddeutschland aber eher unbekannt und was das Ablegen von Auswandererschiffen aus Kontinentaleuropa angeht, kennt man neben Rotterdam vor allem eine andere norddeutsche Stadt: Bremerhaven

Vor etwa zwei bis drei Jahren erhielt ich durch Thomas R. aus der Stammtischrunde, an der ich jeden Sonntagmorgen teilnehme, das erste Mal einen Hinweis auf das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. So nach dem Motto: "Du schreibst doch ständig über New York. Kennst Du eigentlich das Deutsche Auswandererhaus? Das musst Du Dir unbedingt mal ansehen, wenn Du mal nach da oben kommst, das passt total gut zu dem, was Du immer so veröffentlichst."

Später habe ich den Tipp noch ein paar Mal bekommen, und zuletzt hat mir auch Dirk Stichweh das Auswandererhaus nochmals wärmstens ans Herz gelegt. 



Also habe ich die räumliche Nähe während meines Urlaubs in Cuxhaven genutzt und dem Deutschen Auswandererhaus tatsächlich einen Besuch abgestattet. Und die Besuchsempfehlung kann ich ohne Bedenken weitergeben an alle, die sich hier im Blog gerne mit der Vergangenheit von New York beschäftigen, denn in diesem Museum in Bremerhaven wird durchaus etwas präsentiert, was auch mehr oder weniger eng mit der Stadtgeschichte von New York City verknüpft ist. Und die auf deutschem Boden erleben zu können, ist für eine Anhänger der New Yorker Stadtgeschichte ja durchaus praktisch. 



Man hat sich einige Mühe gegeben, um für den Museumsbesucher die historischen Bedingungen einer Auswandererfahrt von Europa nach Amerika nachvollziehbar zu machen. Neben den museumsüblichen Schaukästen und -tafeln gibt es deshalb auch immer wieder Geschichte in Lebensgröße zu erleben. 

Zum Beispiel das Betreten des Passagierdampfers zu später Abendstunde...





... oder die harten Bedingungen für die Auswanderer während der mehrwöchigen Überfahrt mit einem Segelschiff in den 1850ern.




Der Fußboden der Ausstellung ist auch nicht ganz wasserwagengerecht, so dass man sich als Museumsbesucher ähnlich wie die Landratte auf hoher See fühlt.



Neben der Segelschiffüberfahrt gibt es auch noch die Bedingungen der Überfahrt mit einem Schnelldampfer etwa um das Jahr 1880...



https://www.bremerhaven.de/de/tourismus/museen-erlebniswelten/deutsches-auswandererhaus-bremerhaven.16123.html


... und mit einem Passagierdampfer 1929 (3. Klasse) anzusehen.


Von Jürgen Howaldt - Eigenes Werk (selbst erstelltes Foto), CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=738714


Das Erleben setzt sich auch nach Ankunft in der neuen Welt fort, als weitere Stationen durchläuft man Ellis Island und die Befragung durch einen Einwanderungsbeamten vor Ort...



...bis schließlich in einem Nachbau der Grand Central Station die simulierte Auswanderung und Einreise endet, dem Tor zum kontinentalen Nordamerika. 



Auch wenn der Schwerpunkt der Informationen bei der Ausreise nach Nordamerika gesetzt wurde, erfährt man auch einiges Interessantes über anderer Auswandererziele wie zum Beispiel Südamerika oder Australien. Desweiteren gibt es in einem Anbau noch eine weitere Ausstellung, die sich anhand der Geschichten von Angehörigen verschiedener Nationen mit der Einwanderung nach Deutschland befasst. Die Lösung, dieses über eine nachgebaute Einkaufspassage der frühen 1970er aufzubereiten, halte ich aber nicht für so gelungen wie die Präsentation der Auswandererthematik. 

Wer sich über den Beitrag hinaus noch weiter informieren möchte, kann das hier tun: 


Zum Abschluss habe ich noch einen schönen Kurzfilm gefunden, der das alles noch einmal zusammenfasst:




BONUSTRACK:

http://melusines-welt.blogspot.de/2016/01/deutsches-auswandererhaus-bremerhaven.html


Eine Verbindung zur eigenen Familiengeschichte kann man im Raum für Familienrecherche herstellen. Über die Terminals hat man Zugriff auf zwei große Datenbanken und kann beispielsweise die Daten derjenigen, die über Bremerhaven Europa verlassen haben auf Personen mit dem gleichen Nachnamen abklopfen oder auf solche, die aus dem gleichen Ort stammen wie man selbst. 

Mir ist es nach zwei Anläufen gelungen, die Daten derjenigen aus dem Computer zu kitzeln, die den nordamerikanischen Ast meiner Familie begründet haben. Im September 1933 ist nämlich eine Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits zusammen mit ihrem belgischen Ehemann auf der "Bremen" über Bremerhaven nach New York City ausgewandert. Dieser war gelernter Orgelbauer, ein in Nordamerika sehr nachgefragter Beruf, was eine gute Ausgangsposition für den Neustart in den Vereinigten Staaten bedeutete. Nach der Ankunft in der neuen Welt ließen sich die zwei in Waynesboro, einer Kleinstadt im Staat Virginia nieder und gründeten dort eine Familie, die sich im Laufe der Jahre zunächst auf sechs Köpfe vergrößerte. Einer der Cousins meiner Mutter studierte Mitte der 1960er an der Universität in Darmstadt Physik und war bei der Hochzeit meiner Eltern 1966 als Trauzeuge eingespannt. Heute bewegt sich die Zahl der Köpfe dank einiger Ehepartner, Enkel und Urenkel schon lange im zweistelligen Bereich, dafür ist aber die Generation der Auswanderer von 1933 nicht mehr unter den Lebenden. Der bekannteste Spross der dortigen Familie ist John Wetzel, auch ein Cousin meiner Mutter: https://en.wikipedia.org/wiki/John_Wetzel