Sonntag, Januar 15, 2012

Pan Am Helicopter Accident


In den Nachschlägen zum Kapitel über die vergangenen und gegenwärtigen Aussichtsplattformen von New York City habe ich bereits angekündigt, dass Dirk Stichweh noch einen weiteren Vorschlag für eine Aussichtsplattform hatte, die etwas aus der Reihe tanzt und mit einem tragischen Ereignis verbunden ist. Dirk hat für diesen Beitrag schon einiges an Recherche durchgeführt und mir zur Verfügung gestellt, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte, weil ich nur noch ein paar Lücken füllen musste.

Zuerst schlage ich vor, dass wir einen gemeinsamen Blick auf den Schauplatz werfen und schauen, wo in Manhattan wir uns eigentlich befinden. Zu diesem Zweck denke ich, ist das nachfolgende Foto sehr gut geeignet, da man hier einige Orientierungspunkte geboten bekommt. Wichtig ist vielleicht zu wissen, dass das PanAm Building seit 1993 MetLife Building heißt. Namensgeber war der Käufer, die Metropolitan Life Insurance Company. Die Geschichte führt uns allerdings weiter zurück in das Jahr 1977, als die Pan American World Airways noch das Sagen in dem Wolkenkratzer hatte.


Links sehen wir das Chrysler Building, das zum Zeitpunkt der Aufnahme offenbar eine Lichterkette trug. Mir ist allerdings nicht klar, ob das eine Art Weihnachtsschmuck sein soll oder ob dieses Ornament andere Hintergründe hatte. Im Quadranten rechts oben ist das Chanin Building sehr gut erkennbar, das der Photograph von Dirk Stichweh vom Chrysler Building aus auf sehr beeindruckende Weise fotografiert hat. Im Vordergrund rechts dann das damalige PanAm Building mit der Plattform, die als Hubschrauberlandeplatz diente.




Schauplatz ist die Gegen zwischen der 45th und 42nd Street im Norden und Süden, sowie zwischen Vanderbilt Avenue und Lexington Avenue im Westen und Osten. Nein, eigentlich markiert die Madison Avenue  die westliche Grenze.


Das PanAm Building war - passend zum Namensgeber, der dort seine Verwaltung untergebracht hatte - mit einem Hubschrauberlandeplatz ausgestattet, der nicht nur sporadisch genutzt wurde, sondern ursprünglich Start- bzw. Landepunkt für einen festen und regelmäßigen Personentransfer zwischen Manhattan und dem JFK Airport in Queens war.



Wer sich schon mal in Manhattan aufgehalten hat, weiss, dass Helikopter dort zum permanenten "Straßenbild" gehören. Kleine Hubschrauber sind ständig unterwegs, sei es, um Personen von A nach B zu transportieren, sei es, um zahlungskräftigeren Touristen unvergessliche Aussichten auf die Straßenschluchten zu ermöglichen, sei es aus sonstigen Gründen wie zum Beispiel der Gefahrenabwehr. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass ich jemals solche schweren Pötte über New York gesehen habe wie jene, die damals zwischen JFK und dem PanAm Building unterwegs waren:





Der Helikoptertransfer zwischen Flughafen und Stadt wurde in der Zeit zwischen Dezember 1965 und Februar 1968 fest angeboten. Im April 1966 zum Beispiel waren 23 Flüge pro Tag zwischen JFK und Pan Am Building im Angebot, Dauer zwischen 7 und 10 Minuten. Flugpassagiere konnten bereits im Pan Am Building einchecken, so dass diese Prozedur am Flughafen selbst nicht mehr erforderlich war. Laut New York Times endete der Service 1968, weil er wohl nicht mehr profitabel war.

 Einen weiteren Landeplatz gab es Downtown auf Höhe der Wall Street. Von dort aus flogen die Helikopter zum Flughafen in Newark, New Jersey, und zum La Guardia Airport in Nord-Queens mit Verlängerung zum JFK.
http://en.wikipedia.org/wiki/New_York_Airways


Auf der deutschen Wikipedia-Seite des MetLife Buildings findet man den Hinweis, dass in dem Spielfilm "Coogan's Bluff" mit Clint Eastwood aus dem Jahr 1968 ein Helicoptertransfer zwischen John F. Kennedy und dem Pan Am Building enthalten ist. Tatsächlich kann im nachfolgenden Trailer direkt zu Beginn einen guten Eindruck von der damals angebotenen Dienstleistung bekommen:



Am ersten Februar 1977 wurde der Transfer-Service zwischen JFK und dem PanAm Building nach 9 Jahren wieder aufgenommen, dieses Mal aber mit einem etwas anderen Hubschraubermuster:


Ob sich die Dienstleistung dieses Mal länger als gut zwei Jahre hätte halten können, kann man nur vermuten. Denn mit einem tragischen Unfall endete die zweite Phase des Personentransfers schon dreieinhalb Monate nach ihrer Wiederaufnahme unvermittelt und bislang endgültig.
http://www.findingdulcinea.com/news/on-this-day/May-June-08/On-this-day--Helicopter-Accident-Kills-Five-Atop-Pan-Am-Building-.html
http://theboweryboys.blogspot.com/2008/09/podcast-pan-am-building.html
http://wirednewyork.com/forum/showthread.php?t=13814


Am Freitag, dem 16. Mai 1977 starben bei einem Hubschrauber-Unfall auf dem Pan Am Building fünf Menschen, weitere 13 wurden verletzt.

Die Fluggäste hatten 25 Dollar für einen Flug mit dem über 30 Sitzplätze verfügenden Sikorsky S-61 Hubschrauber von Midtown Manhattan zum Kennedy Internatiol Airport bezahlt. Der Flug sollte 10 Minuten dauern.

Einige Passagiere befanden sich bereits an Bord und ein Dutzend standen noch davor und warteten, als die Befestigung des Fahrwerks versagte. Der Hubschrauber kippte daraufhin mit laufenden Rotorblättern um und diese trafen einige der in der Warteschlange stehenden Passagiere. Vier Menschen, die dort standen, wurden getötet. Teile der Hubschrauberrotoren prallten vom Dach des Gebäudes ab und flogen nahezu zwei Blöcke weit, wo sie einen Fußgänger an der Ecke der 43rd Street / Madison Avenue tödlich trafen.


Weitere 13 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, davon 7 Personen schwer. Ein Augenzeuge beschrieb die schrecklichen Szenen in einem Artikel der New York Times: "Es gab nur noch Geschrei und herumfliegendes Metall und Glas". Ein anderer Zuschauer berichtete, "dass sich alle auf den Boden warfen und überall und auf jedem Blut war."


Auch die New York Times hat in ihrer Ausgabe vom 17. Mai 1977 natürlich ausführlich über das Unglück berichtet. Wer Interesse hat, findet den Artikel als pdf-Anhang am ersten Beitrag in diesem Forum-Thread:
http://wirednewyork.com/forum/showthread.php?t=13814

Viele hinterfragten nach dem Unglück natürlich die Sicherheit von Hubschrauberlandeplätzen auf Wolkenkratzern in New York. Das Pan Am Building hatte die Benutzung der Plattform 1968 wegen Unprofitabilität eingestellt, aber den Betrieb erst gerade am 1. Februar 1977 wieder aufgenommen, nur dreieinhalb Monate vor dem Unglück.

Das Time Magazine berichtete, dass der Unfall durch Materialermüdung am Fahrwerk des Luftfahrzeugs verursacht worden war. Auf Veranlassung von Bürgermeister Abraham Beame stellte die Fluggesellschaft den Service nach dem Unfall ein. Bürgermeister Beame sagte dazu, "Ich habe den Verkehrsverantwortlichen einbestellt, um die Genehmigung zu widerrufen, bis die Bundesluftfahrtverwaltung ermittelt und das Notwendige festgestellt hat.

Bekanntermaßen ist die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Hubschrauber-Personentransports bis heute nicht wieder erteilt worden.

Zum Abschluss lohnt es noch, einen Blick auf diesen Herrn hier namens Michael Findlay zu werfen. Er produzierte seit Mitte der 1960er Filme, die nicht für das Mainstreamkino bestimmt waren, sondern eher für jene Häuser, die in Deutschland Bahnhofskino genannt wurden. Sexploitation, Grindhouse, das sind die Schubladen, in denen man die Filmkunst von Michael Findlay suchen muss. Was würde sich ein Regisseur, der auf gewalttätige und sexlastige Schmuddelfilme spezialisiert war, wohl selbst für ein Ende für sich wünschen. Schwer zu sagen. Michael Findlay hat ein Ende gefunden, das sicherlich mit dem Inhalt seiner Filme kompatibel gewesen wäre. Er war einer derjenigen wartenden Passagiere, die bei dem Unfall auf dem Pan Am Building von den Rotorblättern des umstürzenden Helikopters getroffen wurde. Sicherlich auch gefördert durch die spezielle Art seiner Filmkunst kann man je nach Quelle erfahren, dass er von den Rotorblättern geköpft  oder in Scheiben geschnitten wurde. Es gibt aber auch Berichte, wonach die Rotorblätter "nur" tiefe Wunden hinterließen. Egal, was letztendlich passierte. Der Trashfilmer starb am 16. Mai 1977 im Alter von 39 Jahren zusammen mit zwei anderen Passagieren noch auf dem Dach des Pan Am Buildings.
Bilderquelle soweit nicht genannt / picture source if not named: Google Picture Search

1 Kommentar:

  1. Sehr schön geschrieben, danke für die Recherche.

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