Mittwoch, November 01, 2006

Eine Fahrt mit der 3rd Ave El

Kapitel 36

In diesem Kapitel unternehmen wir ein Fahrt mit der 3rd Ave El (elevated Railway=Hochbahn) vom Süden Manhattans in Richtung Norden entlang der Dritten Avenue und reisen zugleich über 100 Jahre zurück in die Vergangenheit.

1. Zuerst ein Bild unbekannten Alters. Nach dem Verlassen von South Ferry fuhren die Züge zwei Blocks entlang der Front Street und schwangen dann in einer S-Kurve in eine breite Straße mit dem Namen "Coenties Slip", welche 2 Blocks später in die Pearl Street überging. KARTE
Im Hintergrund kann man mehrere Segelschiffe erkennen, wobei nicht klar ist, ob sie in einem Hafenbecken liegen oder sich an Land befinden.

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2. Der erste Halt auf der Strecke war am "Hanover Square". Auf dem Foto wird deutlich, dass der Bahnsteig neben dem Stationsgebäude und den Treppen sehr knapp bemessen war. Später wurde die Station verlängert, damit Züge mit 5 Wagen abgefertigt werden konnten. KARTE



Die Pearl Street auf der anderen Seite des Platzes war extrem eng und hatte gerade eben Platz für die beiden Gleise. Das Bild wurde vermutlich 1878 aufgenommen.

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3. Eine Aufnahme der Canal Street Station, vermutlich aus dem Jahr 1895. In der Bowery herrschte lebhafter Verkehr mit zwei großen Pferdekutschenlinien und zahlreichen kleinen Geschäften und Handwerksbetrieben in der Umgebung. KARTE

In einiger Entfernung kann man die Grand Street Station zwischen den Gleisen erkennen. Die Station danach, Houston Street, war genause wie die Canal Street Station außerhalb der Gleise errichtet.

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4. Ein Blick von der Grand Street Station, der vermutlich in den 1880er-Jahren aufgenommen wurde. Rechts fährt ein Zug die Stadt hinauf (uptown train), während der Lookführer zurück zum Fotographen blickt. Das innere Gleis durfte nur von der First Railway befahren werden, die zwischen New York und Harlem verkehrte. KARTE
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5. Die getrennte Schienenführung wurde an der Kreuzung der 3rd Ave / 4th Street zusammengeführt. Ein kleines Stück eines dritten Gleises wurde hier 1879 ergänzt, um Züge umdrehen zu können. KARTE
Auf der linken Seite sieht man das Cooper Union Gebäude. Das Alter des Bildes ist nicht bekannt.
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6. Dieses Bild aus den 1890ern zeigt erneut den Übergang von der Bowery zur 3rd Ave, aber aus einer anderen Perspektive. Die Straße ist mittlerweile besser befestigt und Cable Cars haben die Pferdekutschen ersetzt.

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7. Die Ninth Street Station, früh im Jahr 1879 aufgenommen, mit dem Ende des inneren Gleises. Das Bild zeigt noch die ursprünglichen spartanischen Bedingungen auf den Stationen. Überdachungen für die Bahnsteige wurden erst im Sommer 1879 errichtet. KARTE

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8. Ein Blick die 42nd Street hinunter. Die Linie endet an der Grand Central Station. Das Foto wurde 1879 aufgenommen. KARTE


Das Ende der Linie von Westen aus gesehen auf einem Foto von 1878.


Link zum Quellenmaterial:
://www.columbia.edu/~brennan/beach/chapter17.html



Straßenecke in New York 1901

Kapitel 35

Diese bewegten Bilder wurden am 21. August 1901 an der Straßenecke an der 23rd Street / 6th Avenue in New York für die Edison Company aufgenommen.
(The corner of 23rd Street and 6th Avenue was renowned for its gusty breezes that might allow a man to catch a glimpse of a woman's stockings. In this staged scene we see Alfred Abadie, an Edison cameraman, and Florence Georgie strolling along when Georgie has a Marilyn Monroe type moment. This film was restored by the Library of Congress and was copied at 16fps from 35mm. Filmed by: Alfred Abadie)


What Happened on 23rd Street, New York City - 1901
Hochgeladen von Channel_Zero

Die gleiche Kreuzung über die Straßenansicht von Google-Maps heute. Ob allerdings die Blickrichtung übereinstimmt, vermag ich nicht mit Sicherheit zu sagen. Die Filmaufnahmen sind schließlich schon fast 107 Jahre alt.


Größere Kartenansicht

Manhattan vor fast 200 Jahren

Kapitel 34
Dieses Bild wurde 1816 erstellt. Es zeigt eine Ansicht der Insel Manhattan von Fort Columbus auf Governors Island aus. Die Zeit der Hochhäuser liegt noch 70 Jahre in der Zukunft. KARTE

Quelle:
http://digitalgallery.nypl.org/

Inhaltsverzeichnis November 2006


Kap 34
Manhattan vor fast 200 Jahren
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/manhattan-vor-fast-200-jahren.html


Kap 35 VIDEO
Straßenecke in New York 1901
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/straenecke-in-new-york-1901.html


Kap 36
Eine Fahrt mit der 3rd Ave El
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/eine-fahrt-mit-der-3rd-ave-el.html


Kap 37
Neuschwanstein in Greenwich Village
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/neuschwanstein-in-greenwich-village.html


Kap 38 VIDEO
Die Hindenburg über Manhattan
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/die-hindenburg-ber-manhattan.html


Kap 39
Wer kennt dieses Schiff?
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/wer-kennt-dieses-schiff.html


Kap 40 VIDEO
Taxi Driver
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/taxi-driver.html


Kap 41
Subway Crash
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/subway-crash.html


Kap 42
Liquor Store
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/liquor-store.html


Kap 43 VIDEO
Femme Fatale
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/femme-fatale.html


Kap 44
Times Square früher
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/times-square-frher.html


Kap 45
Ein ehemaliges Theater am Columbus Circle

http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/ein-ehemaliges-theater-am-columbus.html


Kap 46 VIDEO
Pan-American Exposition by Night

http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/pan-american-exposition-by-night.html


Kap 47
Madison Square Garden(s)
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/madison-square-gardens.html


Kap 48
Blackout in Manhattan
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/blackout-in-manhattan.html


Kap 49 VIDEO
Coney Island 1940
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/coney-island-1940.html


Kap 50
Zu Besuch auf North Brother Island

http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/zu-besuch-auf-north-brother-island.html


Kap 51
Hat factory explosion in Brooklyn
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/hat-factory-explosion-in-brooklyn.html


Kap 52 VIDEO
Jack Dempsey vs. Bill Brennan
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/jack-dempsey-vs-bill-brennan.html


Kap 53
Terrible Fire in a tenement house
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/terrible-fire-in-tenement-house.html


Kap 54
Rossville Boatyard
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/rossville-boatyard.html


Kap 55
Luna Park in der Nacht
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/luna-park-in-der-nacht.html


Kap 56 VIDEO
WABC 11PM Eyewitness News 1977
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/wabc-11pm-eyewitness-news-1977.html


Kap 57
Ein gefallener Engel
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/ein-gefallener-engel.html


Kap 58 VIDEO
Three American Beauties
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/three-american-beauties.html


Kap 59
Hudson Terminal
http://nygeschichte.blogspot.com/2006/11/hudson-terminal.html

Der Untergang der General Slocum

Kapitel 33
In den vergangenen 100 Jahren haben sich einige spektakuläre Schiffsunglücke ereignet wie z.B. der Untergang der Titanic 1912 (1.504 Opfer), die Torpedierung der Lusitania 1915 (1.198 Opfer), 1945 die Torpedierungen der Wilhelm Gustloff ( ca. 8800-9300 Opfer), der Goya (ca. 7.000 Opfer) und der Steuben (ca. 3.700 Opfer) oder auch in jüngerer Vergangenheit der Untergang der "Herald of Free Enterprise" 1987 (193 Opfer), der Untergang der Estonia 1994 ( 852 Opfer) und zuletzt im Februar 2006 der Untergang der ägyptischen Autofähre Al-Salam Boccaccio 98 (1.027 Opfer).

Nahezu unbekannt dagegen ist mittlerweile der Untergang der General Slocum in den Gewässern des East Rivers bei New York im Jahr 1904. Während dieses Unglücks kamen 1.021 Menschen ums Leben, viele davon deutscher Abstimmung. Im Anschluss ein Text der Website "Spiegel Online", der anschaulich das Ereignis schildert:

Little Germanys Untergang von Edward T. O'Donnell

Es war die größte zivile Schiffskatastrophe in den USA: Als der Schaufelraddampfer "General Slocum" 1904 in New York sank, starben mehr als tausend deutschstämmige Einwanderer. Das Unglück besiegelte den Untergang der deutschen Gemeinde auf der Lower East Side.




Die Tragödie beginnt 1904 in dem geschäftigen Viertel namens "Kleindeutschland" oder "Little Germany". Seit der ersten Einwanderungswelle in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist die Lower East Side Heimat der New Yorker Deutschen. Mehr als 60.000 von ihnen leben dort um 1870 und machen dem Namen des Viertels alle Ehre. Überall gibt es deutsche Vereine, Sportclubs, Theater, Buchhandlungen, Restaurants und Biergärten, auch Synagogen und Kirchen.

Eine dieser Kirchen, die lutherische Markuskirche in der East 6th Street, veranstaltet alljährlich zum Ende des Sonntagsschuljahres einen Picknickausflug. Meist wird ein Dampfer gechartert, der die Ausflügler zu einem nahe gelegenen Park bringt, wo dann gebadet, gespielt und gegessen wird.

Am 15. Juni 1904 gehen mehr als 1300 Menschen an Bord der "General Slocum", die sie zum Locust Grove am Long Island Sound schippern soll. Der Schaufelraddampfer ist komplett aus Holz gebaut, 76 Meter lang und zugelassen für 3000 Passagiere. Er wurde nach einem General benannt, der auf Seiten der Nordstaaten kämpfte.


Kurz nach 9.30 Uhr macht die Crew die Leinen los, und das Schiff lässt die Pier hinter sich. Es dampft nach Norden, den East River hinauf, und nimmt langsam Fahrt auf. Hunderte Kinder drängen sich auf dem Oberdeck, um nichts zu verpassen. Wie an jedem Morgen herrscht dichter Verkehr auf dem Fluss - Schuten, Leichter, Tender, Schlepper. Die Erwachsenen unterhalten sich, und eine Kapelle spielt deutsche Gassenhauer.


Dann nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Als das Schiff die East 90th Street passiert, quillt plötzlich Rauch aus einem der vorderen Laderäume. Ein Funke, vielleicht nur ein achtlos weggeworfenes Streichholz, hat einen Strohballen entzündet. Die Crew versucht, das Feuer zu löschen, aber keiner hat je an einer Feuer- oder Notfallübung teilgenommen. Zudem platzen die Feuerlöschschläuche des Schiffes, sowie das Wasser aufgedreht wird; sie sind völlig porös.
Als man endlich Kapitän William Van Schaick Meldung von dem Notfall macht - erst zehn Minuten nach Ausbruch des Feuers - sind die Flammen schon außer Kontrolle. Der Kapitän erwägt, das Schiff auf dem kürzesten Weg zu einer der Piers am East River zu steuern. Aber dort stehen gewaltige Öltanks, kein guter Nothafen für ein brennendes Schiff. Am Ufer brüllen Menschen, er soll seinen Dampfer schnell an Land bringen, aber Van Schaick entscheidet sich, mit voller Kraft zur Insel North Brother zu dampfen, eine Meile weiter.

Zahlreiche kleine Boote folgen dem schwimmenden Inferno auf seiner wilden Jagd flussaufwärts. Vielleicht hat der Kapitän ein größeres Desaster verhindert, aber um die Überlebenschancen seiner Passagiere steht es schlecht. Je schneller die "General Slocum" fährt, desto stärker werden die Flammen angefacht. In Panik rennen die Menschen über die Decks, Mütter schreien nach ihren Kindern, Männer nach ihren Frauen.

Das Schiff hat gerade einen frischen Anstrich bekommen, eine hochentzündliche Farbe offenbar, denn die Flammen haben im Nu den gesamten Dampfer erfasst. Die ersten Passagiere springen über Bord. Manche versuchen noch, sich außen an der Reling festzuklammern, aber lange halten sie das nicht durch, auch sie stürzen in den East River. Die Boote im Kielwasser der "General Slocum" können einige noch rechtzeitig aus dem Wasser fischen, aber die meisten können nicht schwimmen. Unter Schock, strampeln sie um ihr Leben und ertrinken dennoch.


Die Mannschaft ist unerfahren und so hilflos, dass sie anderen kaum helfen kann. Die 3000 Schwimmwesten an Bord tun es auch nicht. Morsch sind sie und mit zerbröselndem Kork gefüllt; sie geben keinen Auftrieb. Die Rettungsboote sind sämtlich mit Draht festgezurrt und lassen sich nicht bewegen. Doch selbst wenn - man könnte sie bei voller Fahrt kaum sicher zu Wasser lassen.


Als die "General Slocum" endlich vor North Brother Island auf Grund kracht, lodern die Flammen überall, das Schiff ist verloren. Wer es wagt, springt ins Wasser, doch viele hat die Angst gelähmt, sie drängen sich an den wenigen Stellen, an denen noch nicht die Flammen hochschlagen. Auf der Insel steht ein Krankenhaus für Infektionskrankheiten; Schwestern und sogar Patienten kommen angelaufen, um zu helfen. Sie zerren Leitern heran, wuchten sie zum Dampfer hinüber, um die Eingeschlossenen aus den brennenden Decks zu holen, und fangen Kinder auf, die von verzweifelten Passagieren über die Reling geworfen werden.




.............................................................................Die "General Slocum" zieht eine Spur des Grauens durch den East River: überall verkohlte Trümmer und Schwimmwesten, Menschen, die um ihr Leben schreien und kämpfen, Retter, die tote Kinder aus Kleindeutschland bergen. Mehr als 1300 Menschen sind an Bord gegangen, fast jeder in Little Germany kennt jemanden auf dem Schiff. Die Nachricht von der Katastrophe löst in dem Stadtteil der Einwanderer Panik aus. Niemand weiß, wohin man sich wenden soll. Tausende versammeln sich vor der Saint Mark's Church und warten auf Nachricht. Andere laufen nach Norden zur Pier an der East 23rd Street, wo ein provisorisches Leichenschauhaus eingerichtet worden ist. Hoffnung treibt die Angehörigen an, aber wer seine Familie bis zum Nachmittag nicht gefunden hat, der weiß, dass er Frau oder Kind nicht wiedersehen wird. Dutzende verlieren ihre Familien bei dem Unglück. Insgesamt kommen 1021 Menschen um ihr Leben.

Die Geschichte der "General Slocum" sorgt im ganzen Land und überall auf der Welt für Schlagzeilen. Staatsmänner und europäische Monarchen, darunter der deutsche Kaiser, schicken Bürgermeister George B. McClellan und der Pfarrei von Saint Mark's Beileidsbriefe und Geld. Von überallher gehen Spenden ein, von Privatleuten wie von Wohlfahrtsvereinen, aus Rhode Island und Kalifornien.

Die empörte Öffentlichkeit verlangte Aufklärung darüber, wie es zu einer solchen Tragödie kommen konnte, nur wenige hundert Meter vom Ufer entfernt, in der fortschrittlichsten Stadt der Welt. Sofort begann die Suche nach den Schuldigen, und nur wenige Wochen nach der Katastrophe wurde Anklage erhoben gegen Kapitän Van Schaick, gegen die Manager der Knickerbocker Steamboat Company sowie gegen jenen Inspektor, der die "General Slocum" nur einen Monat vor dem Brand als sicher eingestuft hatte.


Da die Unternehmenshaftung im Jahr 1904 noch ein vor Gericht kaum erprobtes Konzept war, führten die Prozesse zu einer einzigen Verurteilung. Der Kapitän der "General Slocum" war der Sündenbock, er wurde wegen grober Fahrlässigkeit und Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt. Frank A. Barnaby, der Präsident der Knickerbocker Steamboat Company, die den unsicheren Dampfer betrieben hatte, ebenso wie die übrigen Angeklagten gingen straffrei aus.

Die Tragödie der "General Slocum" hinterließ nachhaltige Spuren in New York. Ihre dramatischste und offensichtlichste Auswirkung war, dass sie die ethnische Landkarte der Stadt veränderte und die Auflösung der deutschen Gemeinde bewirkte. Dieser Trend war zwar schon vor 1904 zu spüren, doch das Drama beschleunigte ihn rapide, zumal Überlebende und Verwandte der Opfer nicht länger in einem Viertel wohnen wollten, das sie an das Unglück erinnerte. Bei der Volkszählung von 1910 war nur noch eine Hand voll deutscher Familien geblieben.


Nach dem Kriegsbeginn im Sommer 1914 stellten die Zeitungen ihre Berichterstattung über die alljährlichen Gedenkgottesdienste ein. Schließlich wirkte gegen das Gedenken auch noch die gnadenlose Jagd auf alles Neue, wofür diese Metropole berühmt und berüchtigt ist. "In New York ist die Gegenwart so mächtig", schrieb der Autor John Jay Chapman zur Zeit des Feuers, "dass uns die Vergangenheit verloren gegangen ist." Keine Geschichte, so bedeutend sie auch sein mag, hält sich lange im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Für die New Yorker ist das Verdrängen eine Lebenshaltung.

Nur selten wurde die "General Slocum" in den Medien noch einmal aufgegriffen, zumeist als Maßstab, wenn sich ähnlich Furchtbares zugetragen hatte, wie etwa der Untergang der "Titanic" im April 1912. Einen Hauch von Unsterblichkeit erlangte sie 1922, als James Joyce ihr eine halbe Seite seines Monumentalwerks "Ulysses" widmete (der Roman spielt an einem einzigen Tag, dem 16. Juni 1904, dem Tag nach dem Schiffsunglück). Und 1934 begann der Film "Manhattan Melodrama" mit einer eindrucksvollen Inszenierung des Feuers.

Sonst tauchte der Brand nur sporadisch in den Zeitungen auf - an Gedenktagen wie zuletzt dem 100. Jahrestag, zum Start des Films "Titanic" im Jahr 1997 oder nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001, die nach einem Maßstab des Grauens verlangten, um das Leid erfassbar zu machen. Am Ende überdauern die Erinnerungen an solche traumatischen Ereignisse nur in den Gedanken jener, die sie erlebt haben. Erinnerungen, die trotz aller Bemühungen von Überlebenden und Nachkommen, das Andenken zu bewahren, kaum in nachfolgende Generationen übertragbar sind. Die letzte Überlebende der "General Slocum", Adella Liebenow Wotherspoon aus Watchung in New Jersey, starb 2004 im Alter von 100 Jahren.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophen_der_Seefahrt
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,410073,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/General_Slocum
http://www.failuremag.com/arch_history_general_slocum.html
http://www.general-slocum.com/index.htm

Donnerstag, Oktober 26, 2006

Deleted scene aus "Warriors"

Kapitel 32

Gegen Ende der 70er-Jahre drehte der Regisseur Walter Hill den Film "The Warriors", der 1979 in die Kinos kam und wegen zahlreicher Gewaltszenen Aufmerksamkeit erregte. Inhaltlich geht es um die Auseinandersetzungen zwischen New Yorker Gangs.

Manche Szenen dieses Films spielen auch auf Coney Island. So zum Beispiel die dieses Mal als Video eingestellte "Deleted Scene" aus dem Film, die ursprünglich die Eröffnungsszene sein sollte. Sie bietet einen interessanten Blick auf ein so nicht mehr vorhandenes Coney Island vor ca. 30 Jahren. Bei der Achterbahn, die im Hintergrund zu sehen ist, handelt es sich nicht um die "Cyclone", sondern um die "Thunderbolt", die im Jahr 2000 demontiert wurde.

Leider ist das Video zwischenzeitlich nicht mehr verfügbar. Ersatzweise habe ich daher den Trailer zum Film eingestellt. (12/07/08)



Link:
http://www.evolver.at/site/review.php?id=11503

Das Ende der St. Nicholas-Kirche

Kapitel 31

Ziemlich unbekannt ist, dass am 11.09.2001 beim Einsturz der Twin Towers auch eine Kirche unter den herabstürzenden Gebäuden begraben wurde: die griechisch-orthodoxe Kirche "St. Nicholas", die in unmittelbarer Nähe der Türme an der Cedar Street stand.

Das kleine Kirchengebäude wurde etwa 1832 gebaut und war ursprünglich mal ein Wohnhaus, später dann eine Taverne, bis es schließlich von den Gründern der Kirchengemeinde erworben wurde. 22 Fuß Frontbreite, 20 Fuß und 11 Inches Breite auf der Rückseite, 56 Fuß Länge und 35 Fuß Höhe waren die Maße. Zuletzt war die Kirche auf drei Seiten von einem Parkplatz umgeben.

Griechische Immigranten richteten die St. Nicholas Kirche 1916 ein, nachdem sie das Gebäude für 25.000 Dollar erworben hatten. Sie war eine von zwei Gemeinden der Erzdiozese, die sich nach dem Alten Kalender orientierten, bis sie 1993 zum Gregorianischen Kalender wechselte. Einzigartig war die Kirche aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer Ikonen, einem Geschenk vom letzten Zar Russlands, Nikolaus II.

Die neue St. Nicholas-Kirche ist zugleich auch wieder das kleinste Gebäude, welches bei der Neugestaltung des Ground Zero - Geländes eingeplant wird.




Links:
http://www.saintnicholas.org/stnicholas-ny.htm
http://www.nyc-architecture.com/GON/GON002.htm
http://www.wirednewyork.com/churches/st_nicholas/