Dienstag, Mai 04, 2010

Nellie Bly at the Women's Lunatic Asylum 1887

Kapitel 245



Dieses Kapitel erinnert an eine Frau, die in der Übergangszeit vom 19. in das 20. Jahrhundert unter anderem in NYC lebte und die einige Berührungspunkte mit den Schwerpunktthemen der letzten Zeit aufweist: Nellie Bly, bürgerlich: Elizabeth Jane Cochran (1865 - 1922).

Sie war zunächst in ihrer Heimat Pittsburgh als Journalistin tätig und fiel auch als aktive Frauenrechtlerin auf. 1887 wechselte Nellie, die ihren journalistischen Decknamen von dem damals populären Song "Nelly Bly" entliehen hatte, nach New York. Dort nahm sie im September 1887 einen Undercover-Auftrag von Joseph Pulitzers Zeitung "The New York World" an, bei dem sie die grauenhaften Zustände in einer Nervenklinik für Frauen auf Blackwell Island (heute Rooesevelt Island) durch Erleben am eigenen Leib auskundschaftete. Der nachfolgende Text ist der englischsprachigen Wikipedia entnommen:


"Nach einer Nacht, in der sie passende Gesichtsausdrücke vor dem Spiegel geübt hatte, bemühte Nellie sich erfolgreich um die Aufnahme in einer Pension für Arbeiter. Dort weigerte sie sich aber, ins Bett zu gehen und teilte den Leitern der Unterkunft mit, dass sie sich vor ihnen fürchte, weil  sie geisteskrank aussehen würden. Schnell stellten man fest, dass Nellie wohl verückt war und am nächsten Morgen wurde sie der Polizei übergeben. Vor Gericht gab sie an, unter Gedächtnisverlust zu leiden. Der Richter vermutete, dass sie unter Drogeneinfluss stand.


Sie wurde von mehreren Ärzten untersucht, die sie alle als wahnsinnig einstuften. "Verrückt", sagte einer, "ich gehe von einem hoffnungslosen Fall aus. Sie muss an einen Ort gebracht werden, wo man sich um sie kümmert". Der Chefarzt in der Abteilung für Nervenkrankheiten am Bellevue Hospital diagnostizierte sie als "zweifellos wahnsinnig". Der Fall des hübschen verrückten Mädchens zog die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. "Wer ist dieses wahnsinnige Mädchen?" fragte die New York Sun. Die New York Times berichtete von einer mysteriösen Frau mit einem wilden, gehetzten Ausdruck in den Augen und von ihren verzweifelten Schreien "Ich kann mich nicht erinnern, ich kann mich nicht erinnern!". Es folgte die Überweisung in die Nervenklinik "Women's Lunatic Asylum" auf Blackwell's Island.


Dort angekomen, erfuhr Bly die extremen Bedingungen in einer damaligen Nervenklinik, aus erste Hand. Das Essen bestand aus Haferschleimsuppe, verdorbenem Rindfleisch, Brot, das wenig mehr war als getrockneter Teig und schmutzigem, untrinkbarem Wasser. Gefährliche Insassen wurden mit Seilen fixiert. Die übrigen Insassen verbrachten einen Großteil jedes Tags damit, auf harten Bänken mit wenig Schutz vor der Kälte zu sitzen.


Abfälle lagen überall in der Nähe der Eßstätten. Ratten bevölkerten das gesamte Hospital. Das Badewasser war eiskalt und es wurde eimerweise über die Köpfe der Patienten geschüttet. Der Ton der Pflegerinnen war anstößig und beleidigend, sie wiesen die Patientinnen an, still zu sein, ansonsten setzte es Schläge. Nach Gesprächen mit anderen Insassen kam Bly zu dem Ergebnis, dass einige von ihnen genauso gesund waren wie sie selbst.


Über ihre Erfahrungen schrieb sie folgendes: "Was, mit Ausnahme von Folter, könnte Wahnsinn schneller entstehen lassen als diese Behandlung? Hier ist eine Gruppe von Frauen, die eigentlich hierhin geschickt wurde, um geheilt zu werden. Ich würde jene Fachärzte, die mich jetzt für mein Handeln verurteilen, das ihre Fähigkeiten in Frage gestellt hat, gerne bitten, eine körperlich und geistig vollständig gesunde Frau zu nehmen, sie zum Schweigen zu zwingen, sie von sechs Uhr morgens bis 8 Uhr abends auf einer harten Bank sitzen zu lassen ohne die Erlaubnis, während dieser Stunden zu sprechen oder sich zu bewegen, ohne die Möglichkeit zu lesen, ohne Informationen aus der Außenwelt, ihr schlechtes Essen vorzusetzen und sie einer harten Behandlung auszusetzen und dann zu beobachten, wie lange es wohl dauert, bis sie wahnsinnig wird. Zwei Monate in diesen Umständen werden ausreichen, um sie zu einem geistigen und körperlichen Wrack zu machen." "Meine Zähne klapperten und meine Glieder waren...taub von der Kälte. Plötzlich bekam ich drei Eimer voll mit eiskaltem Wasser verpasst...einen in Augen, Nase und Mund".



Nach zehn Tagen wurde Bly aus dem Woman's Lunatic Asylum entlassen, nachdem die New York World Einfluss genommen hatte. Ihr Bericht, der später als Buch unter dem Titel "Ten Days in a Mad-House" veröffentlicht wurde, war eine Sensation und brachte ihr anhaltende Bekanntheit. Während die betoffenen Ärzte und das Pflegepersonal noch Schwierigekeiten hatten bei der Erklärung, wie so viele professionell im Pflegeberuf Tätige von der Journalistin getäuscht werden konnten, befasste sich bereits ein Untersuchungsausschuss mit der Angelegenheit, der Ermittlungen über die Zustände im Asylum anstellte und Bly einlud, zu helfen. Die Jury empfahl Änderungen, die sie vorgeschlagen hatte und das Budget im Bereich der psychiatrischen Einrichtungen wurden um 850.000 Dollar erhöht. Es wurde auch sichergestellt, dass die Untersuchungen durch die Fachärzte zukünftig genauer von Statten gingen, damit nur noch tatsächlich Geisteskranke in das Asylum überwiesen wurden. "


Der vollständige Text von "Ten Days in a Madhouse"
http://digital.library.upenn.edu/women/bly/madhouse/madhouse.html

Ein weiterer Artikel über das Lunatic Asylum in einer Ausgabe des "Harpers Weekly Magazine", veröffentlicht im Jahr 1866:
http://www.nyc10044.com/timeln/asylum/lunatic.html

Weitere Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nellie_Bly
http://en.wikipedia.org/wiki/Nellie_Bly
http://www.nelliebly.org/

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