Donnerstag, Juni 07, 2012

Lower Manhattan - A journey through time and space - Part 13




Seit Januar 2012 sind wir schon mehrmals in die Tiefen der Geschichte von Südmanhattan abgetaucht. Mit beteiligt waren bei der Themensuche auch die Leser Arnie, Michal Juroska und Andy Frieder. Inzwischen hat sich wieder einiges an Material und Themenvorschlägen angesammelt, daher ist es an der Zeit, einen neuen Beitrag daraus zu schmieden.
Hier kannst Du die bisherigen offiziellen und inoffiziellen Folgen der Reihe abrufen.
http://nygeschichterucksack.blogspot.com/2012/02/lower-manhattan-journey-through-time.html



1. Church Street 1908


Sehr dankbar bin ich immer wieder aufs Neue für Aufnahmen, die jenes Gebiet in der Vergangenheit zeigen, das in den letzten zehn Jahre hauptsächlich unter "Ground Zero" bekannt war, jetzt aber glücklicherweise so langsam wieder auf den Begriff "World Trade Center" umschwenkt. Die folgende Aufnahme habe ich gestern bei Shorpy entdeckt, die war mir bisher entgangen, obwohl sie schon seit 2007 dort greifbar ist. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, folgt bitte auch dem Link und schaut Euch die Aufnahme in Originalgröße an.



Eine faszinierende Aufnahme oder? Also fangen wir mal an. Wir schauen vom Norden her in südliche Richtung die Insel Manhattan hinunter. Zunächst zur Orientierung die Straßen. Unten im Vordergrund führt die Fulton Street vorbei und kreuzt in der Mitte der Vordergrunds die Church Street, die von links oben herannaht. Die rechte Bildhälfte wird bestimmt durch den riesigen Gebäudekomplex namens Hudson Terminal, der einst an der Ostseite des heutigen WTC-Geländes stand, also da, wo heute der Tourist der Gegenwart auf den großen Bauzaun trifft. Ich kann mit dem Google Street View zwar nicht in die Höhe, aber ich setze mich jetzt mal nördlich der Kreuzung Fulton Street / Church Street auf der Church Street ab, dann habt Ihr eine Vorstellung, wo wir hier sind:




Im Vordergrund links ist mir ein Detail auf der 1908er-Aufnahme aufgefallen, der mir bisher nicht bekannt oder bewusst war. Ich habe bisher immer gedacht, dass der Kirchhof bzw. der Friedhof der St. Paul's Chapel schon immer wie in der Gegenwart direkt an die Church Street grenzte.


Wenn ich jetzt mal auf den Vordergrund des 1908er-Fotos schaue, sehe ich dort, dass zwischen Kirchhof und Church Street offenbar noch eine schmale Häuserreihe stand, die heute nicht mehr vorhanden ist.


Und siehe da: auch einschlägiges Kartenwerk wie der Bromley Stadtatlas von 1909 bestätigen diesen Eindruck. Der Karte nach handelt es sich bei dem Gebäude um das "Vestry Office Trinity Church", auf deutsch das Sakristeibüro der Trinity Church.
http://www.communityheritagemaps.com/newyork1909v1/newyork1909v1_o/003.html


(oben Vesey Street, links Church Street, unten Fulton Street, rechts Broadway)


Dahinter blicken wir links auf den Straßenblock zwischen Fulton Street und Dey Street, prominentestes Gebäude auf diesem Block dürfte das Western Union Building gewesen sein, das hier aber jenseits des linken Bildrands zu suchen wäre.




Der Karte nach sind die Gebäude in der Bildmitte Mietshäuser, das höhere Haus rechts dürfte die N.Y. Law School sein.



Ich gehe nochmal etwas näher an die Church Street heran, wo sich noch ein interessantes Detail verbirgt:



Es hat den Anschein, als ob hier Gleis(erweiterungs)arbeiten stattfinden, vielleicht, um zusätzliche Express Tracks einzufügen für Schnellzüge, die nicht an jeder Milchkanne halten, so was findet man in der New Yorker U-Bahn ja auch.


Weiter südlich sehen wir den nächsten Straßenblock, derjenige, der zwischen Dey Street und Cortland Street zu finden ist. Die abgebildeten Gebäude dürften lt. Karte (oben) das "Havemeyer Building" sein, das direkt an die Church Street grenzt sowie das "New York Telephone Building" sein, das man weiter innen im Block findet. Das hier abgebildete Havemeyer Building ist aber nicht identisch mit dem namensgleichen Gebäude, welches man heute noch am Broadway findet.



Dann erreichen wir einen altbekannten Block, denjenigen zwischen Cortlandt Street und Liberty Street, den wir hier in der Serie schon das eine oder andere Mal genauer unter die Lupe genommen haben. Ein schöner Blick auf die Nordseite des City Investing Towers, links außen noch ein Teil des Singer Towers.



Hat jemand eine Ahnung, welches Gebäude jenes im Hintergrund in der Mitte sein könnte? Ich habe zwar schon ein wenig die Karten studiert, aber scheinbar geht der U-förmige Grundriss nicht hinunter bis auf Erdgeschossniveau.
http://www.communityheritagemaps.com/newyork1909v1/newyork1909v1_o/002.html


Hier ist jetzt nochmal die Ecke Church Street / Vesey Street in der Gegenwart.



In der Vergangenheit sah dieser Ort so aus, wie auf dem Ausgangsfoto unten rechts zu sehen:


Auch dieser Block, der ohne große Namen auskommen musste, ist Teil des World Trade Center-Gebiets geworden und in der zuvor sichtbaren Form schon lange nicht mehr existent.



In der Zusammenfassung habe ich das Gefühl, dass von den hier sichtbaren Objekten nur der Kirchhof der St. Paul's Chapel links im Vordergrund sich über die 104 Jahre seit der Aufnahme bis in die Gegenwart halten konnte, alles andere, was man hier sieht, ist nicht mehr vorhanden, einschließlich der Hochbahntrasse über der Church Street und der Straßenbahngleise entlang der Fulton Street. Nicht der einzige Kahlschlag, den Manhattan im Laufe seiner Geschichte hinnehmen musste.



2. Bankers Trust under construction?


Eine kleine Denksportaufgabe hat mir Michal Juroska gestern abend geschickt. Und zwar geht es um das folgende Foto und um die Frage, ob das das Bankers Trust Building sein könnte, das hier links zu sehen ist, also da, wo noch gebaut wird.




Ich habe erstmal verneint und zwar aus folgendem Grund. In der Bildmitte sieht man den Turm des Singer Buildings (zwischen Cortland Street und Liberty Street). Das Bankers Trust Building findet man südlich davon an der Ecke Wall Street / Nassau Street, zum Broadway versetzt um einen Block nach Osten. Das Singer Building ist 1908 gebaut worden, das Bankers Trust Building 1910 / 1911, als Nachfolger des Gillender Buildings. Wenn sich also rechts vor dem Bankers Trust Building befindet und in nordwestliche Richtung zum Singer Building schauen möchte, dann müsste das Hanover Bank Building im Weg sein, dass sich unmittelbar rechts neben dem Bankers Trust Building befindet. Deshalb nein.



Eigentlich stimmt diese Theorie auch, allerdings ist dabei nicht die dritte Dimension berücksichtigt worden, die Höhe. Und das ist mir aufgefallen, als ich mir zusätzlich zur Karte noch ein paar Aufnahmen vom Bankers Trust Building zusammen mit dem Hannover Bank Building angesehen habe.
http://www.gutenberg.org/files/22657/22657-h/plates/plate316.html



Da sind mir dann doch Zweifel gekommen, ob ich das Nein so halten kann. Michal hat noch ein ähnliches Foto von 1912 mit besserer Auflösung gefunden.



Da ziehe ich jetzt mal einen Ausschnitt von dem entscheidenden Bildsektor und dann wird verglichen:




Also, mit Blick auf die Ornamente, die sich da unter den Säulen an der Mauerecke befinden, aber auch nach dem Vergleich der Anordnung der Stockwerke und der Fensteroptik unter den Säulen muss ich meine erste Antwort (Nein) wohl zurückziehen und stattdessen ein JA abgeben. Ja, das Gebäude links im Bild ist das Bankers Trust Building während der Bauphase.


Heute habe ich noch ein weiteres Foto von Michal erhalten, das sich zeitmäßig recht gut anschließt. 1914 entstand diese Aufnahme vom Bankers Trust Building aus leicht veränderter Perspektive, jetzt schaut die Kamera von Süd-Südwest nach Norden.



Man Beachte die unauffällige Präsenz eines meiner Lieblinge (ebenso Michals), des Manhattan Life Insurance Buildings, das sich direkt zweimal ins Bild gemogelt hat. Einmal sieht man direkt vorne am mittleren Bildrand die obere Abdeckung der Krone auf der seit 1904 erweiterten Kuppel des Gebäudes, zum anderen fällt ihr Schatten links daneben auf das Bankers Trust Building und sein Nachbargebäude. Hier nochmal der obere Teil des MLIB zur Erinnerung:




3. German American Insurance Building


Noch ein weiteres Fundstück von Michal Juroska: Leider ist dieses markante dreieckige Gebäude am Treffpunkt von William Street, Liberty Street und Maiden Lane nur selten auf Bildern zu entdecken.
http://nygeschichte.blogspot.de/2009/01/german-american-building.html




Ich habe mal probeweise gegoogelt und bei Ebay noch die folgende Postkarte von 1912 entdeckt, die auf der linken Seite das GAIB zeigt, eine Abbildung, die mir bisher ebenfalls noch nicht bekannt war:



Jetzt aber lange genug um den heißen Brei geschrieben, jetzt gehen wir direkt zu Michals Foto hinüber und springen dabei von 1912 nach 1972, also 60 Jahre in die Zukunft (oder von heute 40 Jahre in die Vergangenheit). Ein bisschen versteckt, aber dennoch gut wiederzuerkennen ist das GAIB im Bildabschnitt rechts unten. Interessant auch die relative Nähe zum East River.



Dazu nochmal den Stadtatlas von Bromley aus dem Jahr 1909.





Naja, wie gesagt, relativ nah beim East River, vier Straßenblocks sind es dann doch noch bis zur Uferlinie.



4. Whyte's Restaurant


Auf den letzten Haltepunkt in dieser Folge hat mich Arnie aufmerksam gemacht. Zunächst müssen wir nochmal zurück zur Fulton Street, wo wir uns ja schon am Anfang aufgehalten haben.


Ausgangspunkt ist wieder die Church Street, rechts Ground Zero hinter dem Bauzaun, links mündet die Fulton Street, wir schauen nach Süden und drehen uns jetzt um 90 Grad, dann liegt die Fulton Street vor uns und die St. Paul's Chapel sieht man auf der linken Seite.



Die Fulton Street entlang nach Osten bis zum Broadway, der wird im Anschluss überquert.




Hier befinden wir uns auch am Standort der legendären Fulton Bridge, die einst seit den späten 1860ern an dieser Stelle den Fußgängern den Weg über den vielbefahrenen Broadway erleichterte.




Aber auch ohne Brücke gehts über den Broadway und weiter die Fulton Street nach Osten hinunter und an der Baustelle rechts vorbei, wo scheinbar gerade das "Fulton Street Transit Center" gebaut wird.




Augen auf! Links erscheint jetzt langsam aber sicher ein Gebäude, das von seiner Optik her für New Yorker Verhältnisse eher ungewöhnlich wirkt.




Auf den ersten Blick sieht man dem Haus nicht seine Vergangenheit an, die kommerzielle Nutzung verrät nicht, was das hier einst mal war.




Ein letzter Blick von Osten her zurück, das Gebäude ist jetzt rechts und im Hintergrund sehen wir das neue One World Trade Center im Bau.




Auch der 1909er-Stadtatlas von Bromley, den ich in dieser Folge sehr häufig gewälzt habe, kennt das Gebäude, das als "Whytes" beschriftet wurde, an der Hausnummer 147 Fulton Street.




Wer hätte gedacht, dass dieses 1909 gebaute Haus schon seit mehr als 100 Jahren die Nordseite der Fulton Street schmückt?



Ausgedacht wurde Whyte's Restaurant von den Architekten "Clinton and Russel", die unter anderem für das Hotel Astor am Times Square oder das Hudson Terminal an der Church Street verantwortlich zeichneten. Die Beschreibung auf der Wiki-Seite lautet wie folgt:
http://en.wikipedia.org/wiki/Clinton_and_Russell#cite_note-New_York_1900.2C_Robert_A.M._Stern-4

Whyte's Restaurant, Fulton Street, designed as a "half-timbered English village inn", 1910


Vor Beginn des ersten Weltkriegs sah das Gebäude dann so aus:



Von innen war es recht geräumig, denn wie man der Karte oben entnehmen kann, erstreckte es sich flächenmäßig vermutlich über die ganze Länge des Blocks bis zur Ann Street als nördliche Grenze.





Der Blick ins Innere zeigt, dass es sich bei dem Whyte's durchaus um ein Restaurant der gehobeneren Klasse handelte. Eine sehr ausführliche Beschreibung über die Geschichte des Restaurants findet man bei "Daytonian in Manhattan", wo ich auch die historischen Aufnahmen entdeckt habe.
http://daytoninmanhattan.blogspot.de/2012/05/barely-recognizable-shell-of-whytes.html

Die folgende Farbaufnahme (besser gesagt colorierte Schwarzweißaufnahme) habe ich noch hier auftreiben können:
http://www.worthpoint.com/worthopedia/whytes-restaurant-fulton-st-nyc-early-chrome




Ergänzend möchte ich auch noch den Beitrag von Christopher Gray aus der New York Times erwähnen, dessen Link Arnie mir geschickt hatte, um mich auf das Restaurant aufmerksam zu machen. Der Abschnitt, der sich mit dem Whyte's befasst, befindet sich in der zweiten Hälfte des Beitrags, also nicht wundern, wenn es erstmal mit dem Dakota losgeht.
http://www.nytimes.com/2012/06/03/realestate/the-dakotas-back-40.html?_r=1


Eine Anekdote aus der Geschichte des Restaurants noch zum Schluss, Arnie meinte, die würde die deutschen Leser dieses Blogs hier sicherlich auch interessieren. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs bekam der Betreiber des "Whyte's" empfindlich eins auf den Sack, nachdem er gegen die kriegsbedingten Lebensmittelrationierungsvorschriften verstoßen hatte, als dort Weizenmehl zu feinem Backwerk verarbeitet worden war. Nachzulesen in diesem Artikel aus der New York Times vom 08. Juni 1918:
http://query.nytimes.com/search/sitesearch/#/whyte's+restaurant/






Damit endet die dreizehnte Folge, ich hoffe, es hat wieder Spass gemacht. Die übrigen bisher veröffentlichten Folgen der Lower Manhattan Saga und artverwandte Beiträge findest Du, wenn Du diesen Link hier anklickst:
http://nygeschichterucksack.blogspot.de/2012/02/lower-manhattan-journey-through-time.html




South Ferry von Brooklyn nach Manhattan (1838)

Dorothy Catherine Draper




Gelegentlich muss man auch mal einen Beitrag riskieren, der vielleicht doch nicht den erhofften New York-Bezug hat. In diesem Fall werde ich das mal in Kauf nehmen, da ich einfach nicht an diesem Portrait vorbei kann, das ich vorhin auf tumblr entdeckt habe.
http://www.iphotocentral.net/search/detail.php/32/double%20exposure/30/11687/3

Auf den ersten Blick verrät das Bild oben nicht seine Besonderheit. Aber es handelt sich hier wohl um das erste gelungene photographische Portrait eines Menschen, entstanden 1839 oder 1840, angeblich im Juni 1840, als Daguerreotypie, einem frühen Verfahren für die Herstellung von Photographien. Der Chemiker und Daguerreotypist Dr. John William Draper fertigte diese Aufnahme von seiner Schwester, Dorothy Catherine Draper.

Wo ist jetzt die mögliche Verbindung zu New York City? Die kann durch Dr. Draper hergestellt werden. Der 1811 in England geborene Wissenschaftler war nach dem Tod des Vaters im Juli 1831 zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Virginia ausgewandert. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Medizinstudiums an der Universität von Pennsylvania nahm er 1837 ein Angebot der New York University an und lehrte dort zunächst in den Fächern Chemie und der Botanik, ab 1840 kam die Medizin hinzu. Er lebte in Hastings-on-Hudson, einem Vorort von New York City und wurde 1882 in Brooklyn beerdigt.
http://en.wikipedia.org/wiki/John_William_Draper



Hier ist eine andere Version der Aufnahme von Dorothy Catherine Draper, die 1807 in England zur Welt kam und 1901 in den Vereinigten Staaten starb. Die Wikipediaseite über ihren Bruder enthält noch einen alternativen Link zu einer Version des Portraits, die eingangs bereits gezeigt wurde, dieses Mal aber noch mit erläuterndem Text versehen und der stellt sogar für diese Aufnahme einen New-York-Bezug her:



Wenn ich das richtig entziffert habe, steht dort in etwa: Photographic copy of the first Daguerreotype of the human face in existence. Taken by John Draper on the roof (???) of the New York University in 1839.


Dem Text in diesem Beitrag nach war Dorothy Draper als Künstlerin tätig, unterstützte aber auch ihren jüngeren Bruder und dessen Ehefrau bei ihren Ambitionen.
http://www.uh.edu/engines/epi2604.htm


Hier habe ich noch eine weitere Version des Fotos entdeckt, dieses Mal eingebettet in eine Art Etui:
http://click.si.edu/Story.aspx?story=226




Das mit dem Dach der New York University als Entstehungsort könnte stimmen, wenn diese Beschreibung zutrifft, denn hier ist die Rede von der frühesten Sonnenlicht-Aufnahme eines menschlichen Gesichts:
http://www.picturehistory.com/product/id/17828

Dr. John William Draper took this photo of his sister, Dorothy, the "earliest sunlight picture of a human face." It was the first known photographic portrait in the United States.



Hier sehen wir Ms. Draper nochmal auf einer deutlich später entstandenen Aufnahme, vermutlich aus dem Jahr 1890:
http://www.iphotocentral.com/search/detail.php/256/John+William++Draper/0/11687/3




Zum Abschluss noch ein Beitrag über das Grab von Dorothy Catherine Draper, die ebenfalls in Hastings-on-Hudson bei New York verstorben ist. Auch im Tod besteht noch eine enge Bindung an den Bruder und die Schwägerin, denn sie teilen sich ein gemeinsames Grab.
http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=79159833



Mittwoch, Juni 06, 2012

Assassins Creed 3





Als Kind der 1980er, der mit den Computerspielen auf einem Commodore 64 großgeworden ist, bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert und erstaunt darüber, was heutzutage grafikmäßig und in Bezug auf die Komplexität einzelner Spiele und der darin begehbaren künstlichen Welten möglich ist.

Assassins Creed hat den Spieler in den ersten zwei Teilen und Zusatzmissionen zu verschiedenen Schauplätzen im Nahen Osten (Jerusalem, Damaskus, Istanbul) und in Italien (Florenz, Venedig, Rom) geführt. Im für den Herbst angekündigten dritten Teil geht es wohl in die Neue Welt.


Zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden bin ich darauf in der Online-Ausgabe des Sterns, der über neue Videospiele berichtet hat, darunter auch Assassins Creed 3. Allerdings befindet sich der Stern meines Erachtens im Irrtum, was den Schauplatz und das Zeitfenster angeht. Dort wird nämlich davon berichtet, dass es den Spieler in die Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs verschlägt (1861-1864).


Nachdem ich mir jetzt aber mal den Trailer zum Spiel angesehen habe, möchte ich doch mit Blick auf die Uniformen der Soldaten meinen, dass das nicht die Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs ist, in der das Spiel stattfindet, sondern der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der ungefähr 90 Jahre vorher stattfand (1775-1783).


Der Grund, warum ich dieses Spiel an dieser Stelle hier erwähne, liegt - denke ich - auf der Hand: einer der Schauplätze, in denen die Spielhandlung dieses Mal stattfindet, ist die Stadt New York. Hier ist das, was ich bisher über New York als Schauplatz (neben Boston) herausfinden konnte:



Das Zeitfenster ist hier wohl das Große Feuer von 1776, ein verheerender Großbrand, der Teile der alten Stadt New York in Schutt und Asche legte (nicht zu verwechseln mit dem Großen Feuer von 1835, das war ein anderes Ereignis und fand später statt). Wenn ich das richtig verstehe, spielt die Handlung sowohl vor dem Feuer, während des Feuers und auch nach dem Feuer


This image shows the aftermath of the Great Fire of New York, a catastrophic event in 1776 that left around a quarter of the city in ruins. To this day, it remains unclear whether the fire was accidental or if it was purposeful arson to hamper the occupying British forces within the city. In previous installments of Assassin’s Creed, the history enthusiast could delight in visiting particular places. In Assassin’s Creed III, the focus has been shifted to experiencing particular events, like the fire. You’ll see a location before a major event, during, and after it has occurred. When you’re done, you’ll understand why we remember events like the New York fire in the historical record.


Das komplette Zeitfenster des Spiels, so habe ich im gleichen Artikel gelesen, erstreckt sich über die Jahre 1753 - 1783. Es gibt mehr Bildmaterial aus dem Spiel, aber ich habe den Eindruck, dass die anderen Schnappschüsse in der virtuellen Stadt Boston entstanden sind, nicht in New York, weshalb ich darauf verzichtet habe, die hier hinzuzufügen. Stattdessen gibt es noch etwas bewegtes Bildmaterial. Das scheint durchaus auch ein Spiel zu sein, auf das man später nochmal ein Augenmerk richten sollte, wenn mehr Material von New York verfügbar ist.



Montag, Juni 04, 2012

Landship on Union Square 1917



Ungewöhnliche Bauwerke in einem der Stadtparks von Manhattan. Wir schreiben das Jahr 1917 und der erste Weltkrieg ist schon seit einigen Jahren in Europa Realität. 1917 hatten sich dann auch die Vereinigten Staaten dem Kreis der kriegführenden Nationen angeschlossen. Und in diesem Kontext ist das zu sehen, was hier an einem beliebten Erholungsort gerade zusammengezimmert wird: ein Rekrutierungsbüro in der Optik eines Kriegsschiffs.

Bei Shorpy, wo ich die Aufnahme entdeckt habe, wurde das Bild so beschrieben:

New York, 1917. "Landship Recruit on Union Square." The U.S.S. Recruit, a wooden battleship erected by the Navy, served as a World War I recruiting station at Union Square from 1917 to 1920, when it "set sail" for Coney Island. This is the first in a series of photographs depicting life around and aboard the landlocked boat. 5x7 glass negative, George Grantham Bain Collection.


Wir blicken hier von südlicher Richtung auf den Union Square, dieses verrät schon allein der Metropolitan Life Tower im Hintergrund, der etwas weiter nördlich an der nächsten Schnittstelle des Broadways mit einer Avenue zu finden ist, nämlich am Madison Square.




Jetzt nochmal eine Totale auf das hölzerne Kriegsschiff, dass hier vor den Augen der vorbeikommenden Passanten zusammengezimmert wird.




Einer der Besucher von Shorpy hat daraufhin einen Wikipediabeitrag in englischer Sprache gefertigt, da die Informationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vor vier Jahren arg spärlich waren:


Den Shorpy-Macher scheint dieses faszinierende Bauwerk, das im Prinzip auch in die Reihe der Gone Buildings von New York gehört (1917-1920), ebenfalls nicht losgelassen. Kurze Zeit später gab es einen weiteren Beitrag zum hölzernen Schlachtschiff:




New York, 1917. "Washday on landship Recruit." Sailors doing their laundry on the Navy's pretend battleship moored at Union Square, used for recruiting during World War I. In back is the Automatic Vaudeville penny arcade, two of whose backers -- Marcus Loew and Adolph Zukor -- went on to found Metro-Goldwyn- Mayer and Paramount Pictures after a few years in the nickelodeon business. 5x7 glass negative, George Grantham Bain Collection.


Heute nach vier Jahren hat sich schon mehr Bildmaterial im weltweiten Netz gefangen, wie zum Beispiel hier:







Oder hier:




oder hier:





oder hier, wo direkt eine ganze Sammlung von Postkarten zu finden ist:










oder schließlich hier:







Ich finde, dieses Bauwerk hat aufgrund seines ungewohnten Aussehens durchaus einen Platz in der Reihe mit dem Hotel Elephant verdient.
http://nygeschichte.blogspot.de/2006/10/hotel-elephant.html

Sonntag, Juni 03, 2012

Paramount Observatory


Beim Aufräumen meiner Posteingänge habe ich festgestellt, dass ein kurzer Austausch mit einem der Blogleser vor kurzem quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Anfang des Jahres hatten wir uns hier mit den vielen verschiedenen Aussichtsplattformen beschäftigt, die es in New York City einmal gegeben hat, die größtenteils aber nicht mehr öffentlich zugänglich sind. Eine davon fand / findet man auf dem Paramount Building, das seit 1928 an der Südwestseite des Broadways steht, Ecke 43rd Street / Broadway.

Wer den Originalbeitrag nochmal aufsuchen möchte, kann ihn hier wiederfinden:

Picture source / Quelle Bilder: Google Picture Search

Das Paramount Building an der Hausnummer 1501 Broadway entstand in den Jahren 1926-1927.





Und hier das fertiggestellte Gebäude, im Hintergrund weiter die 43rd Street hinunter die damals aktuelle und langjährige Niederlassung der "New York Times", die das bekannte und namensgebende Gebäude direkt am Südende des Times Squares schon relativ schnell wieder verlassen hatte. Was hier im direkten Vergleich auffällt ist der Dachglobus auf dem ersten Bild, der sich von dem auf dem zweiten Bild unterscheidet. Wenn ich mir das restliche Bildmaterial ansehe, stellt sich ganz massiv die Frage, ob der echt war oder ob das hier hinzugefügt wurde. Auf allen anderen Bildern ist das Erscheinungsbild nämlich so wie auf dem zweiten Bild.





Bei Nacht macht sich das auch ganz gut, finde ich:




Bis dann in den 1940ern die bösen Deutschen kamen und mit allen Streit anfingen, danach mussten unter anderem auch die Lichter am Times Square aus.

With the advent of World War II and the accompanying “black-out” orders, both the clock and the globe were painted black in 1944. They would remain that way until their restoration in 1996.

So, jetzt nochmal zurück zum eigentlich Thema, der Aussichtplattform des Paramout Buildings. Stammleser ub hatte damals bereits folgende Informationen über die Plattform des Paramount Buildings mit dem Rest geteilt:

"in November of 1927, glass-enclosed observation decks were added to the north and south sides of the topmost setback; these have since been removed."
Und siehe da: Wenn man sich alte Fotos des Paramount Buildings anschaut, sieht man tatsächlich zwei Glaskästen links und rechts von der großen Uhr in der Mitte.




Ich dachte, mir wäre es gelungen, noch eine zweite Aufnahme von dem Treibhaus auf der Spitze des Paramount Buildings aufzutreiben, aber mit Blick auf die Uhren stelle ich fest, dass es wohl nur ein anderer Abzug von dem gleichen Foto ist, zumindest aber einer, der das ganze Gebäude zeigt.



Da muss es doch noch mehr Bildmaterial von den Aussichtsplattformen geben, so unbeliebt war das Paramount ja auch nicht als Motiv und einstmals spektakuläres Gebäude am Times Square. Hier haben wir zumindest noch einen guten Blick auf den Glaskasten im Süden.




Bei Wired New York waren noch ein paar großformatige Aufnahmen zu bekommen:





Hmmm - hier ist wohl nichts mehr auf den Terrassen, aber da ist auch das andere Gebäude vor, so dass man das nicht genau herausfinden kann.




Aber hier, hier haben wir nochmal ein Treibhaus dokumentiert.





Dafür ist dann in dieser Werbebroschüre aus der Anfangszeit wieder nichts zu sehen.





Hier jetzt noch der kurze Dialog, der vor einigen Wochen mit dem Leser Marlon B. im Kommentarfeld des Aussichtsplattformen-Beitrags stattgefunden hat und der auf eine weitere bisher noch nicht erwähnte mögliche Attraktion auf der Spitze des Paramount Buildings hinweist:

Marlon B.: beim paramount building war das ja sogar geplant ein stern observatorium hineinzusetzen und dieses dann für besucher zugänglich zu machen.
Schaedel: vielen Dank für die ergänzende Info, hat die Kugel auf dem Dach etwas damit zu tun?

Marlon B.: ja eben diese kuppel sollte ursprünglich einen globus darstellen und war auch für besucher zugänglich. Hier ein auszug aus "new york von oben": Das Gebäude hatte ein Observatorium in 137 Metern Höhe. es hieß man könne die ganze Stadt und den Hafen sehen. In den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, als Konkurrenten wie das Empire State Building, das RCA und das Chrysler Building hinzukamen wurde es aufgegeben". wenn man unter die Kuppel schaut, kann man die Plattform erkennen, die gläskästen gibt es heute nicht mehr, siehe hier:




Naja, ob die Kugel tatsächlich ein Stern-Observatorium werden sollte, da bin ich noch nicht ganz überzeugt von, zumal Observatory im Englischen auch für Aussichtsplattform im Allgemeinen zu stehen scheint. Aber diesen kleinen Rundgang unter der Kugel, der war mir bisher noch nicht aufgefallen. Der war in der Anfangszeit des Gebäudes, also so um die Jahre 1927 - 1930 sicherlich  sehr attraktiv, als die höchsten Gebäude New Yorks zu dieser Zeit noch einige Kilometer entfernt an der Südspitze Manhattans standen.

Wer noch mehr über die Bedeutung des Globus auf dem Paramount Building oder über die Glaskästen weiss, ist gerne eingeladen, sein Wissen zu teilen. Dass das Gebäude als Vorbild für den Daily Planet bei Superman diente, wissen wir allerdings schon.

Hier noch ein frühere Beitrag zum Paramount Building und seinem Vorgänger, dem Putnam Building:

Jetzt hätte ich fast noch vergessen, einen Paramount Technicolor Filmvorspann zu zeigen, der aus der Anfangszeit des Gebäudes stammt, nämlich aus dem Jahr 1928. Farbe? Ja, ab der zweiten Hälfte der 1920er wurden vereinzelt schon Sequenzen in Zwei-Farben-Technicolor in Spielfilme eingefügt. Ton? Ja, auch, 1928 wurden an der Grenze vom Stumm- zum Tonfilm gelegentlich schon Musik und Geräusche als Teil des Filmes übermittelt.