Donnerstag, April 07, 2011

The Charles Scribner & Co Building


Wir werfen heute mal einen Blick auf einen tradionsreichen Buchladen in New York City. Und auf ein Gebäude, das bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist. Quelle ist ein Beitrag aus dem Daytonian Blog:
http://daytoninmanhattan.blogspot.com/2011/04/charles-scribner-co-building-no-597-5th.html


Es gab einemal eine Zeit, lange vor dem Durchbruch der elektronischen Medien, da verbrachte man ruhige Abende mit dem Studium von gebundenen Büchern. Besuche von Bücherläden waren wie ein Abenteuer und die Größe eines Geistes maß man auch an der Tiefe seiner persönlichen Bibliothek.


1846 gründeten Charles Scribner und Isaac D. Baker den Verlag "Baker & Scribner", der nach Bakers Tod in "Charles Scribner Company" umbenannt wurde. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Firma einige sehr beliebte Druckwerke im Programm, darunter das Century Magazine, das St. Nicholas Magazine für Kinder und das Scribner's Magazine.

19 Jahre lang befand sich das Buchgeschäft der Scribner-Familie von 1875 bis 1894 in einem Gebäude am Broadway, Hausnummer 743-745).





Die höchst erfolgreiche Firma beauftragte Ernest Flagg (den späteren Architekten des Singer Buildings) damit, ein neues Hauptquartier an der Ecke 5th Avenue und 21th Street zu bauen, das 1893 fertiggestellt wurde.



Flagg (der gelegentlich fälschlicherweise als Scribners Schwager genannt wird), war einer der Hauptvertreter des Beaux Art Styles. Er war an der Spitze derjenigen Architekten, die sich für Licht und Luft in angemessenem Umfang, für ordentliche sanitäre Bedingungen und für Zoning Laws einsetzte, also Regelwerke, die Einfluss auf die Höhe und Verjüngungen von Gebäuden nahmen.

Hier ist der zweite Buchladen der Scribner-Familie, der von 1893 bis 1913 in Betrieb war:





Das Gebäude ist übrigens noch bis in die Gegenwart erhalten geblieben:


Zwei Jahrzehnte später wurde Flagg erneut mit dem Design eines neuen Gebäudes auf dem Grundstück mit der Hausnummer 597 an der 5th Avenue beauftragt. Der Architekt schrieb am 10. März 1912 in sein Tagebuch: "Wenn man mir freie Hand lässt, bin ich sicher, dass ich das Gebäude meines Lebens bauen kann." Man gab ihm offenbar freie Hand.


Flagg schuf auf Straßenniveau eine eindrucksvolle Fassade aus Glass und Eisen, zwei Stockwerke hoch, die den Bücherladen mit Scribners Publikationen in Szene setzte. Auf Höhe des vierten Stocks ist ein steinerner Balkon angebracht, an dem sich Büsten von berühmten Druckern befinden: William Caxton, Alsu Manutius, Johann Gutenberg und Benjamin Franklin.


Anlässlich der Eröffnung 1913 schrieb die New York Times: "Nützlichkeit war ebenso Absicht des Architekten wie Schönheit. Fenster prägen die gesamte vordere Front und die Rückseite eines jeden Stockwerkes, so dass die Räume der verschiedenen Büros im Haus mit Tageslicht geflutet werden, ein Effekt, der durch weiße Gipsdecken und Wände und die hellen Betonböden noch verstärkt wird."


Das Buchgeschäft war erdacht, um zu beeindrucken. In einigen Bereichen lag die Decke 30 Fuß hoch. Geschmückte Eisengeländer erstreckten sich an den Seiten eine großen Marmortreppe und entlang der Balkone voller Bücher. "Die gewölbte Decke aus hellem Stein wird von Pfeilern aus dem gleichen Material unterstützt." schrieb die Times, "die Wände, unterbrochen von einer Gallerie, werden versteckt hinter Reihen schöner gebundener Bücher auf Glasböden."



1974 verglich der Kunstkritiker Henry Russel Hitchcock das Innere des Bücherladens mit dem Grand Central Terminal, nannte sie "der großartigste Innenraum, der in New York geschaffen wurde."

Burgunderfarbene Teppiche, Kristallleuchter und Parkettböden waren nur Teil der Verlockung. Autoren wie Ernest Hemingway, Harper Lee und Truman Capote sah man regelmäßig dort. Es ist überliefert, dass Hemingway, nachdem Verleger Max Eastman unschöne Berichte über die Männlichkeit des Autors veröffentlicht hatte, in dessen Büro stürmte und ihn niederschlug.


Die First Lady der Philippinen, Imelda Marcos, betrat einst den Laden, umgeben von Leibwächtern und bestellte eine Kopie eines jeden ledergebundenen Buches im Laden. Egal, ob es der gleiche Titel in drei verschiedenfarbigen Einbänden war, sie wollte alle verfügbaren Lederbücher. Und sie bekam sie.



Aber 1988 änderten sich die Zeiten. Rizzoli International, nun Besitzer des Ladens, stellten fest, dass finanziell keinen Sinn mehr machte, den Buchladen weiter zu betreiben. Charles Scribner III teilte dem New York Magazine traurig mit, dass er lieber sehen würde, wenn der Laden niedergerissen würde, als dass man ihn in einen dieser Billig-Elektronik-Läden umwandeln würde.

Die Hoffnung für die wunderbare Einrichtung war gering. Während die Fassade 1982 unter Denkmalschutz gestellt worden war, galt dieses nicht für die Einrichtung. Und als die Denkmalschutzkommission den Laden besuchte, konnte selbst der Denkmalschutz nicht sein Überleben als Buchladen garantieren. Der Denkmalschutz für die Einrichtung kam schließlich um fünf vor zwölf.


1996 übernahm Benneton die gesamten Raum für ihren Flagship Store. Die Architekten der Philips Janson Group übernahmen die Renovierungen für 4 Millionen Dollars beauftragt. Die große Treppe aus Carrara-Marmor wurde restauriert, ebenso zwei Wendeltreppen auf der Rückseite, eine davon musste komplett erneuert werden, die Jahrzehnte zuvor entfernt worden waren. Eine Lichtkuppel an der Decke, die während der Verdunklungen im zweiten Weltkrieg mit Teer und Farbe bedeckt worden war, konnte ebenso wieder in Betrieb genommen werden wie ein Boden aus Glasbausteinen, der zu 20 Prozent schwer beschädigt war, strahlt nun wieder wie neu.




2006 schließlich wurde das Gebäude für 79,1 Millionen Dollars an die "A & A Acquisitions" verkauft. Flaggs wundervolle Kreation, von der er hoffte, dass sie das Gebäude seines Lebens werden würde, hat als ein wichtigsten Gebäude an der 5th Avenue überlebt.





Quellen: Google, NY-Architecture und
Quelle für diesen Beitrag:
http://daytoninmanhattan.blogspot.com/2011/04/charles-scribner-co-building-no-597-5th.html
eine weitere Quelle, vor allem für Bilder:
http://library.princeton.edu/libraries/firestone/rbsc/aids/scribner/

über den Architekten Ernest Flagg:
http://en.wikipedia.org/wiki/Ernest_Flagg
 
über das Gebäude:
http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Scribner%27s_Sons_Building
 
über das erste Scribner Building:
http://en.wikipedia.org/wiki/Scribner_Building

Manhattan in the 1930s

Zeit für ein Update. Wir drehen die Uhr zurück bis in die 1930er, geschätzte erste Hälfte. Los gehts!


Tropical Drinks - Five Cent (1932). Auch vor 80 Jahren wusste man schon, was gut war.


Im Jahr 1933 besichtigen Verantwortliche der New Yorker U-Bahn einen neuen Wagen mit eingebauter Klimaanlage. Eine Revolution - Kühlung bei geschlossenen Fenstern. Wer in New York schon mal U-Bahn gefahren ist, kann sich sicherlich erinnern, wie brüllwarm es dort auf den Bahnsteigen ist - und wie lausigkalt in den Zügen. U-Bahn-Fahren hat auch immer was von Springen zwischen zwei Extremen.


Der Columbus-Circle 1933 - die Südwestecke des Central Parks, dort wo heute allesüberragend die Türme von Time Warner und Trump International alles einnehmen.


Einen schönes Luftbild von Manhattan aus dem Jahr 1933, das ich schon mal eine ganze Zeitlang als Desktop-Hintergrund verwendet habe.


Das Empire State Building 1934, mit der Spitze im alten Erscheinungsbild. Zur Orientierung: Links am Rand sieht man Macy's, dort ist Westen.


Oak Street und New Chambers Street im Süden Manhattans. Festbeleuchtung im Jahr 1935 aus unbekanntem Grund und im Hintergrund das Municipal Building, das Gebäude der New Yorker Stadtverwaltung unweit des City Hall Parks.


Diese Momentaufnahme aus der Bowery habe ich vor einiger Zeit schon präsentiert im Kontext eines Damals - Heute - Vergleichs. Oben Restaurant - unten Barbier.


Die Henry Street mit dem Woolworth und dem Municipal Building im Hintergrund


Das Neuschwanstein von Greenwich Village: in den 1930ern noch ein Gerichtsgebäude (Jefferson Market Courthouse) heute eine öffentliche Bibliothek.



Das Murray Hill Hotel (rechts, ob das wirklich Feuertreppen vor den Fenstern sind?).


Zum Abschluss der Cities Service Tower und im Vordergrund sehen wir noch einen Wagen, der von einem Pferd gezogen wird. Das gehörte noch bis in die 1960er zum New Yorker Straßenbild.

Freitag, April 01, 2011

Times Square 1904


Eine frühe Aufnahme des Times Squares, der zu diesem  Zeitpunkt möglicherweise noch Longacre Square hieß, sehen wir oben. Im Zentrum des Bildes das fast fertiggestellte Times Building, die damals nagelneue Unterbringung der New York Times, die kurz davor war, die Newspaper Row am City Hall Park zu verlassen und bis heute nicht dorthin zurückgekehrt ist.

Ansonsten ist noch nicht viel von dem Trubel, dem Spektakel, der Lichterorgie zu sehen, die bald zum Markenzeichen dieses speziellen Platzes in Manhattan werden sollte. Danke an Michal Juroska, der mal wieder seine Sammlung geöffnet hat.

Dienstag, März 29, 2011

Feininger-Ausstellung

Ein interesssanter Hinweis von Stammleser ub:

"Apropos Fotos, hier noch ein Ausflugstipp: Im Stadtmuseum Münster gibts noch bis zum 10. April die Sonderausstellung "Andreas Feininger - That´s Photography" mit vielen New York Fotos aus den 40ern. Ich war heute da und obwohl ich die meisten Fotos schon aus dem Internet kannte, ist es doch was anderes die mal in groß und gerahmt an der Wand zu sehen. Zudem kostet die Ausstellung, wie auch das übrige Museum, keinen Eintritt."
http://nygeschichte.blogspot.com/2011/02/andreas-feininger.html

Before the tunnels and bridges came (1900)


Ich liebe dieses alte Foto aus dem Jahr 1900, das noch einmal die Art und Weise demonstiert, wie man vor 110 Jahren üblicherweise die Insel Manhattan erreichte: nämlich per Fähre. Danke an Michal Juroska.

The Commercial Cable Building


Ich denke, es ist an der Zeit, mal wieder zu den Gone Buildings zurückzukehren. Ich möchte dieses Mal ein Gebäude genauer beleuchten, das jeder Leser dieses Blogs schon mal irgendwann gesehen hat, aber nicht unbedingt auch wahrgenommen haben muss. Das stets in der zweiten Reihe steht neben der ganzen A- und B-Prominenz unter den Gone Buildings. Aber warum nicht auch mal einem unbekannteren Wolkenkratzer der ersten Stunde eine Plattform bieten? Deshalb: Ladies und Gentleman, bitte begrüßen Sie herzlich unseren heutigen Gast: Das Commercial Cable Building aus New York City! Auf die Idee haben mich übrigens Andy Frieder und Michal Juroska gebracht, die beide unabhängig von einander Bilder dieses Gebäudes geschickt haben.


Das Commercial Cable Building wurde 1897 unter der Leitung der Architekturbüros "George Edward Harding & Gooch" fertiggestellt, die Abbildung oben entstand kurz nach der Fertigstellung.


Es befand sich schräg hinter dem Manhattan Life Insurance Building auf dem nächsten Straßenblock in östlicher Richtung. 


Mit dem Westende grenzte das schmale Gebäude an die New Street, mit dem Ostende an die Broad Street und der direkte nördliche Nachbar war die New Yorker Börse (Stock Exchange). Das Commercial Cable Building wurde vermutlich 1954 abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. 1905 erhielt es an der New Street noch einen 16stöckingen Anbau.


Möglicherweise hat es zuvor bereits ein Vorläufergebäude am Broadway gegeben, denn es ist eine Aufnahme aus dem Jahr 1894 erhalten geblieben, die den Broadway-Eingang des Commercial Cable Buildings zeigen soll. Möglicherweise irrt sich hier aber auch der Autor der Seite, die das Foto veröffentlicht hat, denn das Commercial Cable Building war nicht das einzige "Cable Building" im damaligen New York. Hier soll übrigens das wohlbekannte Architekturbüro "McKim, Mead & White" für den Entwurf verantwortlich sein.
http://www.booktown.com/stcroixprints/plan.php?id=4501
 
 
In der Broad Street sah es 1893, also vor dem Bau des Commercial Cable Buildings, so aus:
 

Ein Cable Building gab es aber auch dort damals schon, so wie es aussieht, eine Niederlassung der Western Union. Im Hintergrund sieht man rechts die Federal Hall und links das Vorläufergebäude des Gillender Buildings an der Ecke Wall Street / Nassau Street.


Die Aufnahme oben stammt vermutlich vom 11. Dezember 1897 und zeigt den jungen Wolkenkratzer mit der Hausnummer 20 Broad Street in voller Pracht.


Das 21stöckige CCB wies eine interessante Besonderheit auf. Es war auf ein schmales Grundstück gepackt worden und endete mit den Längseiten jeweils an eine Straße. Dort befanden sich auch zwei markante und identische Kuppeln, die die jeweilige Straßenfront nach oben hin abschlossen.


Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1903 stellen wir fest, dass das CCB langsam aber sicher seine optische Dominanz in der Broad Street verliert, ein Schicksal, das es mit vielen Wolkenkratzern der ersten Generation gemein hatte. Links wird ein mindestens gleichhoher Bau an das CCB geschmiegt. Was wird bei der hautengen Bauweise eigentlich aus den ganzen schönen Fenstern an der Südseite?

Die nächsten Aufnahmen stammen vom Fußgängerniveau und zeigen die Straßenansicht des CCB.




Die nächsten drei Bilder zeigen die Broad Street 1915, 1922 und 1926.




Das folgende Bild hat schon fast etwas von eiinem Suchbild. Wo ist das CCB?


Wir erreichen die späten Jahre und greifen auf den großen MLIB-Fundus zu, um ein paar späte Ansichten des CCB zu erspäen. Zunächst einmal eine bekannte Aufnahme von einem benachbarten Wolkenkratzer herunter, die sehr schön noch einmal die zwei verkuppelten Türme zeigt.


Auf den Aufnahmen von 1938 und 1942 schließlich ist noch jeweils ein Turm des Gebäudes zu erkennen.



Danke an Andy und Michal für die Inspiration und die Unterstützung.

Quellen: Google und

Crysis 2

Utopischen Ansichten von New York, die in der Vergangenheit entstanden sind, haben wir ja schon einige Male in Augenschein genommen, vor allem solche, die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatten Hier möchte ich mal eine andere Variante zeigen. Eine utopische Vision von New York, die in dem relativ aktuellen Computerspiel "Crysis 2" zu sehen ist und von einem deutschen/ türkischen Softwareunternehmen stammt. Dort haben Außerirdische im Jahr 2023 die Stadt eingenommen und ein unerschrockener Held in einem ganz besonderen Kampfanzug nimmt die Herausforderung an, den Eindringlingen das Fürchten zu lehren. Nicht ganz in der Geschichte New Yorks verhaftet, aber mit ordentlichen Schauwerten und interessanten Neubearbeitungen des alten Sinatra-Klassikers in den Trailern.