Montag, August 06, 2012

Austria, Arctic, Pacific, Lyonnais and Tempest



Nachdem ich in den letzten Beiträgen verstärkt auf die Gegenwart von New York City geblickt habe, ist jetzt mal wieder die Vergangenheit dran. Wobei New York hier nur eine Nebenrolle spielt. Wir reisen zurück in die 1850er und blicken exemplarisch auf einige Schiffsunglücke, die sich in diesem Jahrzehnt auf der Fahrt zwischen dem Alten Europa und der neuen Welt ereignet haben.

Auch wenn Überseereisende Mitte des 19. Jahrhunderts schon mit dampfgetriebenen Passagierschiffen den Ozean überqueren konnten, so war eine Atlantiküberfahrt damals noch eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit. Das eine oder andere Schiff geriet in Seenot sank während schwerer Stürme oder nach einer Kollision. Andere Schiffe verließen auch einfach nur den Hafen und kamen niemals am Ziel an, sondern verschwanden unterwegs spurlos.

Austria (Juni 1857-September 1858)




Die Austria wurde 1857 in Schottland gebaut und zunächst als Truppentransporter eingesetzt. Im Mai 1858 wurde das Schiff durch die deutsche HAPAG übernommen und für Überseefahrten auf der Strecke Hamburg - New York eingesetzt. Auf einer Fahrt von Hamburg nach New York, die vom 01.09.1858 bis zum 18.09.1858 dauern sollte, ereignete sich am 13.09.1858 ein schweres Unglück. Beim vorschriftsmäßigen Desinfizieren / Ausräuchern der unteren Decks mit einem Bottich Teer und einer rotglühenden Kette geriet das Schiff versehentlich in Brand. Bei dem Unglück starben 456 Passagiere und Besatzungsmitglieder, nur 85 Menschen konnten gerettet werden.

Einzelheiten über das Ende der "Austria" kann man hier nachlesen:

Die nachfolgenden Bilder des Unglücks und das zu Beginn des Beitrags gezeigte Gemälde wurden mit der Google Bildersuche aufgespürt:






Die "Collins Line"




1847 gründete der amerikanische Geschäftsmann Edward Knight Collins eine Reederei, die die Monopolstellung der englischen "Cunard Line" auf der Transatlantikroute von England nach New York beenden sollte. Die "Collins Line" verfügte über vier Segeldampfer, die 1849 und 1850 gebaut worden waren: die "Atlantic", die "Pacific", die "Baltic" und die "Arctic". 1857 wurde die Flotte noch um ein fünftes Schiff, die "Adriatic" ergänzt. Bauen ließ Collins seine Schiffe in der Werft von William Brown und Jacob Bell in New York. Sein großer Verdienst lag darin, dass er erstmalig die Passagierschiffe nicht wie Frachtschiffe, sondern wie eine Art Hotel gestaltete, um die Reise nach Übersee so komfortabel wie möglich zu gestalten. Die Geschichte der Collins Line endete bereits in den Jahren 1857 / 1858.


Arctic (Oktober 1850 - September 1854)



In Auftrag gegeben wurde die Arctic 1849 durch die "New York & Liverpool United States Mail Steamship Company", alternativ "Collins Line" genannt. Sie lief im Januar 1850 vom Stapel und wurde im Oktober 1850 in Betrieb genommen. Sie verkehrte zwischen New York und Liverpool. Mit der schnellsten Überfahrt in 9 Tagen, 17 Stunden und 15 Minuten gewann sie im Februar 1852 das blaue Band für die schnellste Überfahrt zwischen Nordamerika und Europa mit Ostkurs und konnte diesen Rekord 4 Jahre halten.

Am 21. September 1854 legte die Arctic in Liverpool zu einer erneuten Überfahrt ab und stieß am 27. September vor der Küste Neufundlands im dichten Nebel mit dem französischen Dampfschiff "Vesta" zusammen. Obwohl die Arctic das bedeutend größere Schiff der beiden war, bedingte die Bauweise überwiegend auf Holzbasis, dass der Segeldampfer die größeren Schäden bei der Kollision davontrug, die schließlich zum Untergang des Schiffes führten. Ungefähr 350 Besatzungsmitglieder und Passagiere kamen bei dem Unglück ums Leben, nur 32 Menschen konnten gerettet werden, darunter der Kapitän.

Die New York Times vom 12. Oktober 1854 berichtete sehr ausführlich über "The Loss of the Arctic":





Pacific (Mai 1850 bis Januar 1856)


Der Stapellauf der Pacific fand bereits im Februar 1849 statt, die Jungfernfahrt von New York nach Liverpool aber erst im Mai 1850. Im September 1850 errang die Pacific das "Blaue Band" auf der Strecke von Liverpool nach New York.

Nach gut fünf Jahren in Betrieb und einem Werftaufenthalt 1854, um sie nach dem Untergang des Schwesternschiffs Arctic sicherer zu machen, endete die Geschichte Anfang 1856. Auf einer Fahrt von Liverpool nach New York ab dem 23.01.1856 verschwand die Pacific, wahrscheinlich, ohne noch eine weitere Spur zu hinterlassen. An Bord waren zwischen 200 und 240 Menschen. Als Ursachen werden ein Feuer, eine Explosion, vielleicht aber auch eine Kollision mit Eisbergen vermutet, die 1856 zahlreiche Schiffsuntergänge verursachten.



Die deutsche Wikipedia über die Pacific:

Die New York Times vom 21.03.1856 über "The Search for the Pacific"


Doch die Pacific ist nicht das einzige Schiff, dass in den 1850ern auf der Transatlantikroute spurlos verschwindet. Ein ähnliches Schicksal ereilte die "City of Glasgow" 1854 auf dem Weg von Liverpool nach Philadelphia oder die


Tempest (April 1855 bis Februar 1857)




Die Tempest war für die Anchor Line zunächst noch als Segelschiff gebaut worden und wurde 1856 zum Dampfschiff umgerüstet. Sie unternahm zwischen Oktober 1856 und Februar 1857 insgesamt drei Reisen zwischen Glasgow und New York. Zweimal fuhr sie von erfolgreich von Glasgow nach New York und einmal erfolgreich zurück. Am 13. Februar 1857 (vielleicht auch 26. Februar 1857) legte die Tempest zu ihrer vierten Überfahrt in New York ab und ward nicht mehr wiedergesehen. An Bord waren etwa 150 Menschen. Möglicherweise ging das Schiff in einem schweren Atlantiksturm unter.



Lyonnais (1856 - November 1856)




Das letzte Schiff, auf das wir in diesem Beitrag blicken, ist der französische Dreimaster mit dem Namen "Lyonnais", der im Jahr 1856 in Betrieb genommen wurde und die Route zwischen Le Havre und New York befuhr. Am Samstag, dem 01. November 1856 legte die Lyonnais in New York mit 146 Menschen an Bord zur Rückfahrt nach Frankreich ab.

In der Nähe der Insel Nantucket vor der Küste von Massachusetts kollidierte die Lyonnais am 02. November mit der amerikanischen Bark "Adriatic". Trotz eines verzweifelten gemeinsamen Kampfes von Besatzung und Passagieren gelang es nicht, den Untergang des Schiffes zu verhindern, das am 03. November schließlich sank. Obwohl alle Menschen das Schiff noch mit Rettungsbooten und einem Floß verließen, überlebten nur 16 den Untergang, das Floß ging unter und die Boote der übrigen wurden nie gefunden.


Die New York Times berichtete am 15. November 1856 und am 24. Dezember 1856 über das Unglück:
http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?res=9807E3DB1039E134BC4D52DFB767838D649FDE

http://query.nytimes.com/mem/archive-free/pdf?_r=1&res=9503E0D81039E134BC4C51DFB467838D649FDE




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