Sonntag, Januar 13, 2013

Taxi (Sitcom)




In den späten 1970ern entstand diese Comedy-Serie, die in den Vereinigten Staaten sehr erfolgreich lief und zahlreiche Preise erhielt. Ich war erstaunt, in der Besetzung zwei bekannte Gesichter aus "Einer flog über das Kuckucksnest" wiederzusehen. In dem Ausschnitt, den ich angehängt habe, gibt es aber noch mehr bekannte Gesichter zu entdecken.



Die Wikipedia zur Serie Taxi:
http://de.wikipedia.org/wiki/Taxi_(Fernsehserie)
http://en.wikipedia.org/wiki/Taxi_(TV_series)


Die Brücke, die im Intro von Manhattan aus in Richtung Brooklyn überquert wird, ist die Queensboro Bridge, man kann für einen kurzen Moment auch Roosevelt Island unterhalb der Brücke erkennen.





Einen interessantes Cross Over der Yellow Cabs mit den Broadway-Musicals kann man hier erleben. Die Taxi-Akteure präsentieren eine etwas eigene Version von  "Lullaby of Broadway" aus dem Musical "42nd Street":



Freitag, Januar 11, 2013

Gravity Pleasure Switch Back Railway



Datei:Thompsons Switchback Railway 1884.jpg

In der deutschsprachigen Wikipedia habe ich einen kurzen interessanten Beitrag über eine sehr frühe Achterbahn entdeckt, die 1884 auf Coney Island errichtet und in Betrieb genommen wurde:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gravity_Pleasure_Switch_Back_Railway

"Gravity Pleasure Switch Back Railway in Coney Island (Brooklyn, New York, USA) war die erste Achterbahn in Amerika. Sie wurde von LaMarcus Adna Thompson 1881 entworfen und 1884 errichtet. Vorbild dieser Anlage war der „Mauch Chunk Switchback Railway“, eine zur Vergnügung zweckentfremdete Kohleminenbahn im heutigen Jim Thorpe (Pennsylvania), welche Thompson einige Jahre zuvor gefahren war. Die Fahrt in den gerade mal rund 11 km/h schnellen Fahrzeug kostete die Fahrgäste fünf Cent. Thompson ließ seine Erfindung kurz darauf patentieren und baute aufgrund des Erfolges später weitere Bahnen dieses Typs an mehreren Orten der USA.

Die Abläufe der Bahn waren noch nicht automatisiert und so wurden die Fahrzeuge zum Start angeschoben und am Ende von Mitarbeitern wieder auf die Starthöhe geschoben und für die Rückfahrt gedreht. Die spätere Entwicklung des per Dampf angetriebenen Kettenlifts, der von Charles Alcokes patentiert wurde, besiegelte das Ende dieser manuell betriebenen Bahnen. Thompson baute allerdings weiterhin viele Achterbahnen, wie kurze Zeit später die ersten Scenic Railways, den Coney Island Cyclone und bald sogar komplette Freizeitparks. Wie viele andere dieser frühzeitlichen Achterbahnen wurde auch die Switchback Railway, durch die technische Entwicklung schnell überholt, abgebaut und vermutlich durch größere Anlagen ersetzt."

Zum Abschluss noch ein kurzer historischer Film aus dem Jahr 1898, der den Betrieb einer "Switch Back Railway" für die Nachwelt festgehalten hat, vermutlich aber nicht jene, die in Coney Island stand:





Dr. Francis Tumblety


tumblety.jpg_thumb

Wer dem Blog schon etwas länger folgt, weiss, dass ich gerne auch mal Themen aufnehme, die mit New York nur am Rande zu tun habe. Eines davon ist die Geschichte des berühmten Serienmörders mit dem Spitznamen "Jack the Ripper", der im Londoner Eastend anno 1888 mehrere äußerst brutale und blutige Morde an Prostituierten verübte.

Wer sich noch nicht mit den Rippermorden näher befasst hat oder auch nur seine Erinnerung auf Stand bringen möchte, kann dieses bei der Wikipedia in Schnellverfahren und bei jacktheripper.de in der ausführlichen Form tun:

Als ich mich vor einigen Tagen nach längerer Zeit mal wieder auf jacktheripper.de herumgetrieben habe, ist mir aufgefallen, dass es bei einem der Tatverdächtigen einen kleinen New York-Bezug gibt, nämlich bei Francis Tumblety, der vermutlich um das Jahr 1833 in Kanada auf die Welt kam und 1903 in St. Louis in den USA starb.

A Few Passages in the Life of Dr. Francis Tumblety, Including his Experience in the Old Capitol Prison, to which he

Auch ohne den Umstand, einer der Verdächtigen für die Rippermorde zu sein, ist das Leben von Francis Tumblety schon sehr turbulent verlaufen und meines Erachtens auf jeden Fall lesenswert. Seinen Lebensunterhalt hat er hauptsächlich als "Quacksalber" bestritten, also mit einer zweifelhaften Mischung aus Tätigkeiten als Mediziner, Apotheker und Wundermedizinverkäufer. Manchmal brachte er die ehrenhaften Mediziner vorort nur durch seine Anwesenheit gegen sich auf, machmal wurde aber auch der Boden unter seinen Füßen heiß, weil seine Heilmethoden mit dem Tod des Patienten geendet waren, auf jeden Fall musste "Dr. Tumblety" öfter mal vor der Strafverfolgung flüchten, meistens über Staatsgrenzen innerhalb der USA hinweg, manchmal auch zwischen Kanada und den USA. Aber wohl auch  Reisen in die alte Welt, vielleicht auch deshalb, weil mal wieder Gras über eine Sache wachsen musste.

Princeofquacks

Im Juni 1888 traf Francis Tumblety erneut in Europa ein und hielt sich während der Zeit, in der die offiziell anerkannten und zugeordneten Rippermorde stattfanden, in London auf. Allerdings ist mit Blick auf die letzten Mord an Mary Jane Kelly (09.11.1888) ungeklärt, ob er sich zu diesem Zeitpunkt noch in Polizeigewahrsam befand, in den er wegen des Vorwurfs homosexueller Handlungen am 07.11.1888 geraten war, damals ein Straftatbestand. Am 12.11.1888 wurde er erneut festgenommen, dieses Mal als Tatverdächter in Bezug auf die Ripper-Morde. Nach Zahlung einer Kaution von 300 Pfund (heute 25.000 Pfund) verlies Tumblety am 20.11.1888 unter einem falschen Namen das Königreich Großbrittanien in Richtung Frankreich und floh bereits am 24.11.1888 auf dem Seeweg nach Nordamerika. Bei dieser Reise und auch nach seiner Ankunft in New York wurde der Verdächtige eine Zeitlang durch einen englischen Polizeioffizier verfolgt und beschattet.

Und da sind wir nun angekommen bei der Schnittstelle mit der Stadt New York. Der Ripper-Verdächtige Francis Tumblety ging am 03. Dezember 1888 in New York an Land und hielt sich in den folgenden Wochen auch in New York City auf. Knapp zwei Monate nach seiner Ankunft gab er dann einer damals großen New Yorker Tageszeitung, der "New York World" ein Interview! Dieses wurde am 29. Januar 1889 veröffentlicht.



Schauen wir kurz auf die zeitgenössischen Gebäude: der erste echte Wolkenkratzer mit Stahlgerüstbauweise in New York, das Tower Building, wurde von Juni 1888 - September 1889 gebaut, in diese Zeit fallen auch die anerkannten Rippermorde und die Flucht von Tumblety aus England. Wo genau das Interview der New York World mit Tumblety stattgefunden hat, weiss ich nicht, es muss aber noch in der Interimsunterbringung der New York World gewesen sein. Das alte Gebäude war 1882 abgebrannt und das neue bekannte World Building oder Pulitzer Building wurde erst 1890 fertiggestellt.



Die Unterkunft bei einer Mrs. McNamara befand sich in der 79 East 10th Street, grob beschrieben etwa in der Mitte zwischen Union Square und Washington Square, bei der Kreuzung Lafayette Street / 10th Street.

Jetzt empfehle ich aber, mal rüber zu jacktheripper.de zu wechseln und den Beitrag über das Leben von Francis Tumblety und sein Interview mit der New York World genauer zu studieren. Ergänzend gibt es noch weitere Beiträge zu Francis Tumblety in englischer Sprache:

http://www.casebook.org/ripper_media/rps.tumblety.1889_book.html


Sketch of the head and shoulders of a man with hair parted neatly to the side and an enormous moustache. He wears a dolman-style jacket and five medals.


Auch im Archiv der altehrwürdigen New York Times hat Dr. Tumblety ein paar Spuren hinterlassen:

Dort können wir zum Beispiel in der Ausgabe vom 04. Dezember 1864 nachlesen, dass ein Dr. Francis Tumblety mit dem Dampfschiff "George Cromwell" New York in Richtung New Orleans verlassen hat.

Ob das hier aus der Ausgabe vom 07. Mai 1865 auch unseren Dr. Tumbelty betrifft, kann ich nicht genau bestimmen:

Am 29. Juni 1881 berichtet die NY Times über ein Gerichtsverfahren gegen Dr. Francis Tumbelty in New Orleans, wo er offenbar wegen Taschendiebstahl unangenehm aufgefallen war.

In der Ausgabe vom 04. Dezember 1888 berichtet sie über die Ankunft von Dr. Tumblety in New York mit der "Bretagne", über Chief Inspector Byrnes, der zu seiner Überwachung mitgereist war und über die mögliche Verwicklung des Doktors in die Whitechapel-Morde.

Am 26. Juni 1903 vermeldet die NY Times den Tod von Dr. Francis Tumblety:





Montag, Dezember 31, 2012

12 Angry Men




Dirk Stichweh hat mich vor einigen Tagen mit einer Meldung über den Tod von Jack Klugman auf die Idee gebracht. Bisher hatte ich ja nur vermutet, dass der Film "12 Angry Men", in Deutschland bekannt unter "Die zwölf Geschworenen", in New York spielen würde, aber beim Ansehen gestern habe ich nochmal genauer aufgepasst.

Und irgendwann unterhielten sich zwei der Geschworenen am Fenster und der einer der beiden fragte sinngemäß: "Ist das dahinten das Woolworth Building?". Eine große Ansammlung von Gerichtsgebäuden findet man im Süden Manhattans nur wenige Blocks oberhalb des Rathauses (City Hall), teilweise in dem Gebiet, in dem einst das berüchtigte Viertel "Five Points" lag. Und von dort aus müsste es ohne weiteres möglich sein, im Hochhäusergewirr das Woolworth Building zu sehen.



Jack Klugman, auf dem Foto oben in der Bildmitte mit dunklem Anzug, war der letzte überlebende Schauspieler aus der 1957er-Version, er verstarb dieses Jahr am Heiligabend.

Mehr Wissenswertes über den Film erfährt man hier:

Eigentlich handelt es sich ja weniger um einen typischen Spielfilm, sondern mehr um eine Art verfilmtes Theaterstück oder Kammerspiel. Aber das Thema ist irgendwie zeitlos. New Yorker Hochbahnen spielen auch eine Rolle, was mich als alten Hochbahnfan natürlich freut.

Und 1997 gab es nochmal eine Neuauflage des Klassikeres. Hier spielt Jack Lemmon die Rolle von Henry Fonda als Geschworener Nummer 8. Wer mal einen Blick riskieren möchte, kann das hier tun:
http://www.myvideo.de/watch/8128946/Die_12_Geschworenen_1_11




Wer noch ein wenig mehr Zeit mitgebracht hat, kann sich hier das Original ansehen, in der deutschsprachigen Synchronfassung:



Samstag, Dezember 29, 2012

Dead whale at Breezy Point




Diese Geschichte ist erst wenige Tage alt, verlief dramatisch und hatte kein Happy End. Am Mittwochmorgen war ein 18 Meter langer Finnwal an der Küste vor New York gestrandet. Ort des Geschehens: Breezing Point im Stadtteil Queens.


google maps


Zunächst war der Wal noch lebendig und Helfer hatten stundenlang Eimer und Schläuche eingesetzt, um den riesigen Meeressäuger weiter am Leben zu halten.



Doch Experten war bereits früh aufgefallen, dass das Tier stark abgemagert und für Finnwal-Verhältnisse untergewichtig war. Am Donnerstag stellten Biologen dann den Tod des Wales fest.




Wer noch mehr über den Fall erfahren will, kann hier den Pfad zu meiner Informations- und Bilderquelle nehmen, der Online-Ausgabe der Rheinischen Post:




2009 besuchte dieser Wal den Hafen von New York und konnte im Anschluss wieder lebendig ins offene Meer zurückkehren:



Und hier schaut 2007 ein Zwergwal in Brooklyn vorbei:



Mittwoch, Dezember 26, 2012

The Vanishing El




Melde mich zurück mit einem sehr interessanten zehnminütigen Kurzfilm, der einen Weg bahnt in die frühen 1950er. Bevor die 3rd Avenue El, die Hochbahn über der 3rd Avenue, 1955 abgerissen wurde, nahm ein Kamerateam diese Bilder von der 80 Jahre lang in Betrieb befindlichen Hochbahn auf. Nicht nur die Bahn selbst, auch die Umgebung war es wert, für die Nachwelt festgehalten zu werden.



Sonntag, Dezember 09, 2012

Lower Manhattan - A journey through time and space - Part 19



Seit Januar 2012 sind wir schon zahlreiche Male in die Tiefen der Geschichte von Südmanhattan abgetaucht. Mit beteiligt durch Material und Themenvorschläge sind auch die Leser Arnie, Michal Juroska, Andy Frieder und JPJ. Hier kannst Du die bisherigen offiziellen und inoffiziellen Folgen der Reihe abrufen.
http://nygeschichterucksack.blogspot.com/2012/02/lower-manhattan-journey-through-time.html


1. Cincinnati, ca. 1900


Wie war das damals, wenn man mit Zügen über das amerikanische Festland nach New York fuhr und es schließlich nicht mehr weiterging, weil ein breiter Strom namens Hudson River (oder North River) die Weiterfahrt verhinderte. Tunnel unter dem Flußbett gab es lange Zeit nicht, folglich wurde das Hindernis über das Wasser hinweg überbrückt: mit Fähren. Wie zum Beispiel der "Cincinnati", die für die Pennsylvania Railroad Company Passagiere über das Wasser beförderte.




Eigentlich war ich ja auf das Foto oben bei Knickerbocker Village gestoßen, habe dann aber festgestellt, dass der Weg noch weiterführt bis nach Shorpy, wo glücklicherweise einmal mehr eine hochauflösende Aufnahme zur Verfügung steht.
http://www.shorpy.com/node/7394?size=_original#caption



Die Zahl der Rettungsboote war in der Vor-Titanic-Zeit noch sichtbar knauserig bemessen, wenn diese nicht einmal übermäßig befüllte Fähre havariert wäre, hätte es wohl ganz schön Balgerei um die wenigen Plätze für Nichtschwimmer gegeben:




Auf dem Fahrzeugdeck unten sieht man alt und neu nebeneinander. Das Teil rechts müsste ein Pferdefuhrwerk sein, das steht für das gerade geendete 19. Jahrhundert, links daneben ein Automobil, eines der wesentlichen technischen Entwicklungen für das gerade begonnene 20. Jahrhundert.




Werfen wir jetzt noch einen Blick auf die Skyline, um nachzusehen, ob die Datumsangabe "ca. 1900" in etwa bestätigt werden kann. Hilfreich ist hier sicherlich Michal Juroskas Identifizierungsarbeit an der Manhattan Skyline von 1902. Ich fange mal links oben an:




Diesen Abschnitt sieht man auch auf dem nachfolgenden Bildausschnitt der 1902er-Skyline, wobei an der Position des Gebäudes 4 auf der Fährenaufnahme noch weniger Gebäude standen.
http://nygeschichte.blogspot.de/2012/04/lower-manhattan-journey-through-time_14.html




Weitestgehend von den Aufbauten der Fähre verdeckt ist der Teil auf Höhe des City Hall Parks, aber der Dom des World Buildings und die Doppeltürme des damals höchsten Gebäudes in Manhattan, des Park Row Buildings von 1899, sind dennoch zu erkennen.






Schön zu vergleichen ist dagegen der nächste Abschnitt, der sich ungefähr vom Washington Life Building (20) bis zum Manhattan Life Insurance Building (30) erstreckt. Der Bauzustand des MLIB in seiner Urversion mit der noch nicht gestreckten Kuppel auf dem Dach verrät, dass die Aufnahme zumindest vor 1903 entstanden ist.

Faszinierend finde ich das Gebäude mit der hellen Rückfront links neben dem Washington Life Building, bei Michal zwischen den Gebäuden Nummer 19 und 20. Ich frage mich, ob man hier auf die Rückseite des alten Singer Buildings blickt, das damals "nur" sechsstöckig war und deshalb noch nicht so sehr aus der Skyline herausragte wie später nach dem Neubau.

Apropos 19, auf dem Fährenbild ist die Nummer 19, das Broadway-Maiden Lane Building noch nicht errichtet. Laut Emporis sind die Bauarbeiten 1902 aufgenommen worden, also könnte die Datumsangabe "ca. 1900" beim Fährenbild tatsächlich passen.
http://www.emporis.com/building/broadwaymaidenlanebuilding-newyorkcity-ny-usa






Für die Datumsangabe spricht auch, dass man das Hanover National Bank Building (25 bei Michal) auf dem Fährenbild ebenfalls noch nicht sieht, und das ist zwischen 1901 und 1903 gebaut worden.
http://www.nyc-architecture.com/GON/GON014.htm


Werfen wir noch einen Blick auf den letzten Abschnitt, der fast den gesamten Süden von Manhattan und vom Broadway zeigt.





2. Western Union Time Ball (1877)


Die Idee zu diesem Beitrag habe ich von Arnie Merriam erhalten, der mir den Link geschickt hat, dafür ein großes Dankeschön. Dieser Link bringt nun endlich etwas Licht in eine Geschichte, die sicherlich jeder, der sich mal mit dem Western Union Building (1875-1890) befasst hat, schon irgendwann einmal gelesen hat.



Das 1875 errichtete, zehnstöckige Gebäude war zu seiner Zeit das höchste Gebäude in New York und in den Vereinigten Staaten (Gebäude, nicht Bauwerk). Ab September 1877 verwendete man die Plattform auf der Spitze des Türmchens an der Broadway-Front für ein Schauspiel, das täglich zur Mittagszeit viele tausend Augen aus der Umgebung auf das meilenweit sichtbare, weil besonders hohe Gebäude zog: der Ball Drop.

Das Gebäude an der Adresse 195 Broadway stand mittels Telegraph mit dem Nationalen Observatorium in Washington in Verbindung und von dort aus kam jeden Tag aufs Neue die Bestätigung, wann genau Mittag war. Dann wurde ein weithin sichtbarer "Ball" an einem Mast herabgelassen, der den Zuschauern in der Umgebung ermöglichte, die eigenen Uhren möglichst genau auf 12:00 Uhr Mittag einzustellen. In heutigen Zeiten mit Funkweckern und Atomuhren sicherlich ein steinzeitlich anmutendes Verfahren, vor 135 Jahren aber hochmodern und hochpräzise.




Von weitem sah es wohl so aus, als ob es sich bei dem Teil, was dort am Mast auf- und abbewegt wurde, um einen massiven Ball handeln würde. Tatsächlich bestand dieser aber aus einer Reihe von kugelförmig angeordneten Kupferblechen, um den Windwiderstand an diesem exponierten und mitunter auch sehr stürmischen Ort möglichst gering zu halten.




Komplett hochgezogen befand sich der Ball auf einer Höhe von 315 Fuß, was 96 Metern entspricht. Während des "Drops" legte der Ball einen Höhenunterschied von 23 Fuß zurück, also etwa 7 Metern. Auf dem Bildausschnitt sieht man dem Ball nach dem Drop:




Das tägliche Ritual begann jeweils um fünf vor zwölf, als der diensthabende Offizier den Ball mit einer Handkurbel in seiner Ausgangsposition oben am Mast hochkurbelte. Zwei Minuten vor Mittag wurde ein "Ready"-Signal nach Washington telegrafiert, das dem dortigen Mitarbeiter zeigte, dass in New York alles für den Ball Drop bereit war.

War exakt 12:00 Uhr Mittag erreicht, schloss der Mitarbeiter in Washington einen Stromkreis, der wiederum einen Elektromagneten in New York aktivierte. Dieser löste die Blockade, die den "Ball" oben am Masten hielt, und der Ball stürzte - weithin sichtbar - sieben Meter am Mast hinunter, bevor er von sechs starken Puffern abgefangen wurde.

War der Ball unten angekommen, wurde automatisch ein Signal zurück nach Washington geschickt, wo man dann auch wusste, dass der Ball seinen Drop erfolgreich hinter sich gebracht hatte. An Tagen, an denen aus irgendwelchen Gründen kein Signal aus Washington empfangen werden konnte, zog man eine rote Fahne hoch und ließ sie zwischen 12:01 und 12:10 wehen.




Ein besonderer Leckerbissen ist noch diese Aufnahme, die in den 1880ern vom Dach des Western Union Buildings aus entstanden ist und den Blick auf ein lange vergangenes Südmanhattan zulässt, so wie ihn der diensthabende Offizier im Western Union Building erlebt hat, wenn er vor den Augen zigtausender New Yorker, New Jerseyer und Brooklyner das kleine tägliche Spektakel des "Ball Drops" durchführte. Im Hintergrund der Hudson River und New Jersey, im Vordergrund jenes Viertel, das viele Jahre später für das World Trade Center weichen musste und noch später noch viel viel mehr Augen aus der ganzen Welt auf sich zog als der kleine Ball Drop auf dem Turm des Western Union Buildings. 



Quelle / Sources:
http://www.telegraph-history.org/george-m-phelps/ball.htm
http://www.telegraph-history.org/george-m-phelps/index.html


Eine weitere Aufnahme vom Dach des WUB habe ich in der Sammlung des MCNY entdeckt, die nach Norden statt nach Westen schaut.

Post Office from Western Union Telegraph Building ca 1880, from the collection of the museum of the city of New York


Ganz rechts im Hintergrund die damaligen Niederlassung der New York Times, daneben das andere spektakuläre neue New Yorker Hochhaus, das Tribune Building. In der Bildmitte das City Hall Post Office und links im Vordergrund die St. Paul's Chapel und dahinter das Astor House. Rechts im Vordergrund die Niederlassung des New York Herald auf dem Eckgrundstück, wo 1865 Barnum's American Museum abgebrannt war.



Western Union Building, Lower Broadway, ca 1904, from the collection of the museum of the city of New York



Hier ist das Western Union Building nur Nebendarsteller am linken Rand, in seiner weniger spektakulären zweiten Version nach dem großen Brand 1890 und dem Wiederaufbau. Im Mittelpunkt steht hier das Mail und Express Building, hier besonders schön aufgebretzelt für ein mir unbekanntes Ereignis, möglicherweise ein Parteitag der Demokraten?

Es folgen noch zwei Abbildungen vom Neubau des Western Union Buildings, der an der Adresse 195 Broadway zu Beginn des ersten Weltkriegs entstand, nachdem man die renovierte Ruine des alten Western Union Buildings nunmehr endgültig abgerissen hatte.


 195 Broadway at the corner of dey street. western union building, 1914, from the collection of the museum of the city of New York



195 Broadway at the corner of dey street. western union building, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York




Damit endet die 19. Folge der Lower Manhattan Saga. Weitere Folgen und ähnliche Beiträge kannst Du hier abrufen:
http://nygeschichterucksack.blogspot.de/2012/02/lower-manhattan-journey-through-time.html