Montag, Dezember 04, 2006

Fire at Jenning's Clothing Store

Kapitel 61

Und hier wieder ein Bild von einem längst vergangenen und vergessenen Unglück. Mehr als die Bildunterschrift war an Informationen über das Ereignis nicht herauszufinden. Danach stand das Bekleidungsgeschäft "Jenning's" am Broadway am 25. April 1854 lichterloh in Flammen.
Nachtrag 1: Die Adresse des Geschäftes lautete 231 Broadway. Damit befand es sich damals an der Stelle, an der heute das Woolworth Building steht. Somit müsste das Gebäude, welches sich links hinter dem Baum befindet, das "Astor House" gewesen sein. Gegenüber vom Astor House wiederum lag 1854 noch Barnum's American Museum, welches erst 11 Jahre später Schauplatz einer spektakulären Brandkatastrophe war. Bei dem Einsatz zur Rettung von Jennings Clothing Store verloren mehrere Feuerwehrleute ihr Leben. (siehe Artikel New York Times vom 07.02.1896)
Nachtrag 2: Ich habe heute noch ein altes Bild aus dem gleichen Jahr (1854) entdeckt, auf dem der Entwurf einer Hochbahntrasse am Broadway vorgestellt wird und die dort an dem noch unversehrten Geschäft (links im Bild) vorbeiführt. Entsprechend dem technischen Stand zur Zeit der Entstehung des Bildes werden die Wagen der Hochbahnen von Pferden gezogen. (01/03/2009)


Nachtrag 3: Auf einer Seite über die Geschichte des Fire Departments von New York City habe ich noch eine Beschreibung der dramatischen Ereignisse gefunden:
Ein schrecklicher Verlust an Leben in der Geschichte des Fire Departments ereignete sich in der Nacht des 25. Aprils 1854. Ein Feuer brach gegen 8 Uhr abends im Bekleidungsgeschäft von William T. Jennings & Co aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich das "American Hotel" und nördlich davon das Photostudio der Meade Brothers und der Friseursalon von Mr. Batchelor. John A. Cregier stand auf dem Dach des Gebäudes der Meade's zusammen mit einem weiteren Feuerwehrmann, Noah L. Farnham. Sie ließen die Leine des Flaggenmastes bis zur Straße hinunter und zogen unter großen Schwierigkeiten das eine Ende eines Schlauches hinauf. Kaum hatten sie begonnen, das Feuer von dort zu löschen, fiel plötzlich der obere Teil der Rückwand des Jennings-Gebäudes auf den rückwärtigen Anbau hinab mit der Folge, dass die oberen Stockwerke auf die 13 oder 14 Feuerwehrmänner herunterstürzten, die sich gerade im zweiten Stock des brennenden Gebäudes aufhielten. In einem der oberen Stockwerke befand sich auch ein großer Stahlsafe, der mehrere Stockwerke bis hinunter ins Erdgeschoß durchschlug und dabei zwei Feuerwehrmänner tödlich verletzte. Am Feuer spielten sich unbeschreibliche Szenen ab, nachdem bekannt wurde, dass vermutlich über 20 Feuerwehrmänner unter den Ruinen begraben waren. Nach einem kurzen Moment des Schocks stürmten Mitglieder des Departments ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben in das Gebäude, um ihre Kameraden zu retten. Cregier richtete die Spitze seines Schlauches auf einen Teil des Daches, der über dem Ort hing, an dem die Männer verschüttet waren und welcher einzustürzen drohte. "Halt ein, stop das Wasser" rief eine Stimme von unten, "es verbrüht die Männer" --- nicht nur die verschütteten, auch diejenigen, welche versuchten, sie herauszuziehen. Noch bedrohlicher als das brühendheiße Wasser waren jedoch die schweren Sparren, die herabzufallen drohten und Cregier brüllte hinab, während er die Spritze auf die betreffende Stelle richtete, dass er nicht aufhören könne, weil sonst das Dach einstürzen würde. Mit dieser Entscheidung rettete er zahlreiche Leben.
Die ganze Nacht über arbeiteten sie unter ständiger Gefahr, bis sie die leblosen Überreste ihrer elf Kameraden geborgen hatten, zusammen mit mehr als 20 Schwerverletzten, die aus den Ruinen gerettet wurden. Unter jenen, die in Erfüllung ihrer Pflicht starben, waren John O'Donnell vom Fahrzeug 42, ein Sohn von Coroner O'Donell. Er war über acht Stunden unter den Ruinen begraben und unterhielt sich noch mit seinen Freunden bis zu seiner Rettung. Er starb jedoch noch in derselben Nacht im New York Hospital. Außerdem James McNulty vom Fahrzeug 29, Andrew C. Schenck von Haken und Leiter 1, John A. Keyser vom Schlauch 8, Daniel und Alexander McKay, zwei Brüder vom Fahrzeug 21, ein Junge namens Michael Flynn, ein Läufer von Schlauch 53, James E. Deagan vom Schlauch 18, ein alter Mann namens Wilson, ein Läufer von Fahrzeug 21 und ein John Reinhardt.
Einige der Verschütteten konnten erreicht werden, indem Löcher in die Kellerwände des Gebäudes der Meade's gestemmt wurden. Andy Schenck war bereits tot und der Kopf des jungen O'Donnell war so stark geprellt, dass er nach Beschreibung eines alten Feuerwehrmannes auf die Größe eines Ofens angeschwollen und auch ähnlich schwarz anzusehen war. Dr. O'Donnell wartete besorgt vor den Trümmern und wartete darauf, dass sein Sohn herausgebracht wurde. Hugh Gallagher vom Fahrzeug 23, wurde aufgefunden, nachdem er durch einen schweren Safe gegen eine Wand gequetscht worden war, der vom Stockwerk darüber herunterfiel. Von dem armen Andy Schenck wird berichtet, dass er sich im Haus der jungen Dame befand, mit der er verlobt war, als der Feueralarm erschallte. Sie versuchte ihn noch davon zu überzeugen, zu bleiben. "Nein" sagte er nach einem Moment des Zauderns, "Ich gehe zu diesem Feuer und dieses ist das letzte Feuer, zu dem ich gehen werde". Es war tatsächlich sein letztes, als er dort sein Grab fand. Unter jenen, die wundersamerweise dem Tod entrinnen konnten, waren Zophar Mills und Jacob Larrik von Haken und Leiter 6, ex-Comptroller Brennan, jetzt Captain der Six Ward Police, Chef-Feuerwehrmann Harry Howard und Timothy L. West.
(... Es folgt eine namentliche Aufzählung der Verletzten und ihre jeweilige Zugehörigkeit im Fire Department . ...)
Als die schlechten Nachrichten an den folgenden Tagen in den Zeitungen bekannt gegeben wurden, suchten Tausende die Ruinen auf und die Leichenhalle im Hospital, um einen Blick auf die erdrückten Überreste der mutigen aber glücklosen Männer zu werfen. Die Feuerwehrmänner aus den Städten Brooklyn, Jersey und Newark hielten Gedenkveranstaltungen ab, während im Stadtrat der Abgeordnete eine Reihe von Anträgen anlässlich des Todes der Feuerwehrleute stellte. 1.500 Dollar wurden daraufhin bereitgestellt, um die Kosten für ihre Beerdigungen zu tragen. Weitere Spenden kamen aus der Bevölkerung der Stadt, darunter Barney Williams, Drumgold & Proch sowie Coleman & Stetson vom Astor House. Die Überreste der Brüder McKay, von James McNulty, John A. Keyser, A.C. Schenck, John R. O'Donnell und James E. Deegan wurden in der Stadt begraben. Fahrzeug Nummer 40 trug die Flagge des Departments und das gesamte Fire Department sowie der Stadtrat, angeführt von Mayor Westervelt, namen teil. Der Marsch ging vom Chatham Square zur Bowery, dann über den Astor Place zum Broadway und schließlich den Broadway hinunter bis South Ferry. Alexander McKay starb, während er versuchte, seinen Bruder Daniel zu retten. Mc Nulty starb kurz nachdem er zu Rushton's Drug Store unterhalb vom Astor House entsandt worden war. Es scheint, dass dort ein eiserner Bogen auf der Rückseite des Gebäudes war, der zwei Gebäuderückseiten miteinander verband und stabilisierte. Der wurde durch die Hitze des Brandes rotglühend heiß und als das kalte Wasser der Feuerspritze darauf traf, brach er mit der Folge, dass die gesamte Rückwand einstürzte. Eine Art Ermittlungskommission unter John N. Genin wurde eingesetzt, die zu dem Ergebnis kam, dass das Gebäude durch Diebe in Brand gesetzt worden war, von denen drei nach den Ereignissen in das Staatsgefängnis überstellt wurden. Der Verlust durch das Feuer wurde auf 75.000 Dollar geschätzt und seit diesem Tag erzählen die alten "Veteranen" von dem erinnerungswürdigen Ereignis.
Harry Howard, damals Assistant Engineer, bezeugte das Folgende vor dem Ermittlungsausschuß: "Gegen halb Neun abends befanden sich die oberen zwei Stockwerke in Brand. Ich denke es waren noch ungefähr 50 Personen in dem Geschäft, Feuerwehrleute und andere. Die Feuerspritze von Fahrzeug Nummer 21 blies einen guten Strahl Wasser durch das Treppenhaus in den dritten Stock. Dann entdeckte ich ein Loch im Dach und befahl den Männern, das Dach des Anbaus auf der Rückseite des Gebäudes zu verlassen und Wasser in das Frontgebäude zu spritzen. (...) Aber ich hatte nicht erwartet, dass das Gebäude zu diesem Zeitpunkt einstürzen würde. Wenn die Männer den Punkt noch hätten erreichen können, an den ich sie beordert hatte, wären sie sicher gewesen. Manche folgten dem, was ich angeordnet hatte und starben nicht, andere hatten nicht mehr die Zeit." Der Ausschuß rügte die Erbauer für den die geringe Widerstandskraft in einem Teil des von ihnen errichteten Gebäudes. (01.06.2009)

Nachtrag 4:
Bei anderen Recherchen bin ich auf ein weiteres Bild gestoßen, welches im Zusammenhang mit diesem Kapitel interessant erscheint. Diese Zeichnung aus dem Jahr 1856 zeigt nämlich erneut Jenning's Clothing Store, an der gleichen Stelle wie das abgebrannte Gebäude. Die Geschichte dieses Geschäfts endete also nicht mit dem Brand zwei Jahre zuvor. Im Vordergrund des Bildes sieht man einen Springbrunnen im City Hall Park, links am Bildrand ragt das Astor House hinein. (27.02.2010)


Quellen:

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