Eine Sammlung von Bildern, Filmen und Texten zur Geschichte von New York City. Über Hochhäuser, Straßen, Bahnen, Inseln und Menschen. Für Anregungen und Kommentare bin ich jederzeit dankbar. Gruß vom Schädel.
Dieses Kapitel widmet sich wieder einmal einem verschwundenden Gebäude New Yorks und zwar dem "Charles Schwab mansion" am Riverside Drive, "dem größten und verschwenderischsten Heim, das jemals auf Manhattan Island gebaut wurde."
Die Villa des Stahlbarons Charles M. Schwab, errichtet auf dem kompletten Block zwischen 73rd Street im Süden, 74th Street im Norden, Riverside Drive im Westen und West End Avenue im Osten, war die prunkvollste unter den zur vorletzten Jahrhundertwende am Riverside Drive errichteten Villen. Versteift auf den rivalisierenden Wettstreit mit Andrew Carnegie, seinem Partner in der United States Steel Corporation, erwarb Schwab den Block, auf dem zuvor einen Waisenhaus gestanden hatte, für 865.000,- Dollar, 1901 eine beispielslose Summe für einen Bauplatz. Die Errichtung begann 1901 und dauerte sechs Jahre an. Dazu entwarf der französische Architekt Maurice Hebert ein Chateau wie in der französischen Renaissance, welches mitten in dem zugehörigen Landschaftspark errichtet wurde. Die Villa entsprach dem Lebensstil Mansions, das von opulenten Parties, Glücksspielen und Affären geprägt war.
Der Abriß des Waisenhauses und die Errichtung der Schwab Villa gab zunächst einen wichtigen Impuls für die weitere bauliche Gestaltung der West Side bis hoch zur 106th Street, und der sie bewohnenden Bevölkerung. Zahlreiche weitere Prunkvillen wurden auf diesem Gebiet in den Folgejahren errichtet.
Aber bereits 1924 zeichnete sich ein neuer Wendepunkt und damit auch das Ende der Ära der gr0ßen Villen an der Westside ab. Melancholisch verfolgten alteingessene New Yorker, wie eine Villa nach der anderen wieder abgerissen wurde und Geschäfte und Bürohäuser begannen, das Bild der Umgebung zu prägen.
Bereits vor der großen Depression hatte Charles Schwab einen Großteil seines mehrere hundert Millionen Dollar umfassenden Vermögens durch seinen großzügigen Lebensstil ausgegeben. 1929 nach dem Börsencrash verschärfte sich seine Situation nochmals und er entschied, sein Chateau zu verkaufen. Obwohl er es weit unter Wert mit hohem Verlust anbot, fanden sich dennoch keine Käufer.
Dieses war zugleich quasi der letzte Nagel, der in den Sarg für die verschwenderischen Gebäude und Wahrzeichen des Metropolismus eingeschlagen wurde. Obwohl sie erst 32 Jahre alt war, erschien die Schwab Villa dennoch bereits als Anachronismus. 1948 wurde sie schließlich abgerissen. Auf dem Gelände befinden sich heute zahlreiche Apartmenthäuser. Schwab verbrachte seine letzten Jahre hochverschuldet in einem kleinen Apartment, bevor er 1939 starb.
Aktuelle Straßenansicht des Geländes mit Hilfe von Google-Maps:
Wer sich mal gefragt hat, wo eigentlich der Strom erzeugt wird, der notwendig ist, um das U-Bahn-Netz von New York City zu betreiben - hier ist die Antwort.
Auf dem Gelände zwischen der 58th Street und der 59th Street sowie der 11th Ave und der 12th Ave befindet sich das Power House Building. Allerdings habe ich passen zum Blog nur historische Bilder gewählt. Auch heute steht das Kraftwerk noch an dieser Stelle , wie die Straßenansicht von Google-Maps beweist:
Da wir gerade mit dem letzten Kapitel bei sehr frühen Filmen aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts angekommen sind, bleiben wir doch einfach in dieser Umgebung, gehen nochmal ein paar Jahre zurück und landen in den Labors / Studios von Thomas Alva Edison, der neben einigen weiteren Pionieren in Europa (Lumiere, Gebr. Skladanowski) daran arbeitete, vor der nächsten Jahrhundertwende noch schnell das Wunder der bewegten Photographie Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Ort, an dem diese Arbeiten stattfanden, dürfte West Orange (New Jersey) gewesen sein. Die Black Maria, das frühe Filmstudio Edisons, wurde dort 1892 errichtet. 1901 kam noch ein in der Bronx gelegenes Studio auf dem Dach eines Hauses dazu. ________________________________
Monkeyshines (1890)
1888 begann der Erfinder William Dickson, sich im Auftrage Edisons mit den Arbeiten über die Aufnahme und Wiedergabe "bewegter Bilder" zu beschäftigen. Edison schwebte ein Gerät ähnlich seines Phonographen zur Aufzeichnung von Sprache und Musik vor. Daher entwickelte Dickson einen Prototypen des Kinetographen, bei dem die einzelnen Bilder auf einem Zylinder aufgenommen und von diesem wieder abgespielt werden konnten. Im November 1890 fertigte er seinen ersten Film, "Monkeyshines", in dem er seinen Assistenten Fred Ott filmte. Es dürfte sich bei diesem Streifen um einen der ersten Filme der Welt handeln. Zu erkennen ist allerdings noch recht wenig, heute würde man das avangardistisch nennen.
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Dickson Greeting (1891)
Der erste mit einem Kinematographen hergestellte Film war der nur wenige Sekunden dauernde Streifen "Dickson Greeting", in dem sich der Erfinder William Dickson verneigt und den Hut zieht. Die erste öffentliche Vorführung für eine Besuchergruppe in Edisons Laboratorien ist für den 20.05.1891 belegt.
Ebenfalls im Jahr 1891 wurde dieser Turner aufgenommen, vermutlich in den Monaten Mai/Juni.
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The Dickson Experimental Sound Film (1895)
William Dickson hat bereits in diesem äußerst frühen Entwicklungsstadium des Films an der Synchronisation von Bild und Ton gearbeitet. Um 1894 experimentierte Dickson mit Filmaufnahmen und synchronisiertem Ton und produzierte so die ersten Tonfilmaufnahmen, die damals allerdings über das Experimentierstadium nicht hinauskamen (der Film wurde später von Walter Murch restauriert und als Dickson Experimental Sound Film veröffentlicht). Wenn man bedenkt, dass es noch 35 Jahre gedauert hat, bis der Tonfilm seinen Durchbruch hatte, ist dieses sehr bemerkenswert.
Weitere Infos jetzt im englischen Original: The Dickson Experimental Sound Film is a film made by William Dickson in late 1894 or early 1895. It is the first known film with live-recorded sound and appears to be the first example of a motion picture made for the Kinetophone, the proto-sound-film system developed by Dickson and Thomas Edison. (The Kinetophone—consisting of a Kinetoscope accompanied by a cylinder-playing phonograph—was not a true sound-film system as no attempt was made to synchronize image and audio throughout playback.) The film was produced at the "Black Maria," Edison's New Jersey film studio. There is no evidence that it was ever exhibited in its original format. Newly digitized and restored, it is the only surviving Kinetophone film.The movie features Dickson playing a violin into a recording cone for an off-camera wax cylinder. The melody is from a barcarolle, "Song of the Cabin Boy," from Les Cloches de Corneville (literally The Bells of Corneville; presented in English-speaking countries as The Chimes of Normandy), a light opera composed by Robert Planquette in 1877. In front of Dickson, two men dance to the music. In the final seconds, a fourth man briefly crosses from left to right behind the cone. The running time of the restored film is seventeen seconds; the accompanying cylinder contains approximately two minutes of sound, including twenty-three seconds of violin music, encompassing the film's soundtrack. After its restoration in 2000, the Dickson Experimental Sound Film was selected for inclusion in the United States National Film Registry.
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Die vermutlich ersten Filme der Welt haben zwar nichts mit New York zu tun, aber da wir gerade dabei sind, habe ich sie auch noch mal angehängt.
1888 - Roundhay Garden Scene
Der früheste bekannte Zelluloidfilm wurde von Louis Aimé Augustin Le Prince 1888 aufgenommen. Ort der Aufnahme war der Garten der Whitley Familie in Oakwood Grange Road, Roundhay, einem Vorort von Leeds in Großbritannien, möglicherweise am 14.10.1888.
1888 - Traffic Crossing Leeds Bridge
Dieses ist Louis Aime Augustin Le Prince's zweiter bekannter Film, abgefilmt auf Papierstreifen, ebenfalls im Oktober 1888 entstanden. Es haben nur photographische Kopien bis heute überlebt. Die Brücke von Leeds wurde wegen der dort mit Sicherheit vorhandener "Action" als Motiv gewählt.
Und weil es so schön war, gibt es gleich noch einen Film über die Hochbahnen von New York. Diese Rarität wurde 1899 von der Edison Company aufgenommen. Über den Ort der Aufnahmen herrscht aber Unklarheit. Folgt man dem Begleittext, müsste das auf Manhattan gewesen sein. Andere Quellen sprechen von Brooklyn. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Aufnahme noch aus einer Zeit stammt, in der die Hochbahnen nicht elektrifiziert waren, also mit Dampf-Lokomotiven bewegt wurden. Nach der Umstellung auf elektrischen Strom 1903 wurden viele der nicht mehr benötigten Dampfmaschinen in Alaska weiterverwendet. Hier noch der englischsprachige Begleittext von der YouTube-Seite:
Taken from the front platform of a special train run backward over the celebrated S curve. Not only are the passing trains and crowded platforms of great interest, but the view of up-town New York is an excellent one, showing acre upon acre of roofs, towers, steeples and towering apartment houses. As the "special" slows up at 92nd Street, a Harlem express dashes by, the engineer leaning out of his cab, and waving a good-bye.
Filmed ca. late March to mid-April 1899, in New York.
Ergänzend zu Kapitel 66, in dem ein zehnminütiger Film über die 3rd Ave El zu bestaunen war, gibt es hier noch eine musikalische Erinnerung: "A song paying tribute to the former Third Avenue ELevated railroad line that ran along the East Side of Manhattan in New York until 1955". Dass das Ganze etwas schräg klingt, hängt vermutlich damit zusammen, dass der Song von einer Hasenpuppe gesungen wird und nicht von einem Menschen.
Der älteste Teil von Manhattan blickt auf mittlerweile rund 400 Jahre Stadtgeschichte zurück. Hier errichteten niederländische Kolonialherren und Kaufleute um 1612 Niew Amsterdam, das rund 50 Jahre später von den englischen Kolonialherren 1664 erobert und in New York umbenannt wurde.
1913 ragen bereits einige Wolkenkratzer aus der Skyline hervor, man erkennt zum Beispiel gut das Singer Building, das zu diesem Zeitpunkt das höchste Gebäude Manhattan war. Zugleich ist unweit davon entfernt die Baustelle für das Woolworth-Building zu erkennen, welches im selben Jahr fertiggestellt wird und für knapp 20 Jahre das höchste Gebäude in Manhattan sein wird.
Da hat sich jemand den alten Genesis-Track vom überragenden 1974er-Album "The Lamb lies down on Broadway" vorgenommen und etwas überarbeitet. Das Original ist aber noch ganz gut zu erkennen.
Und weils gerade so gut passt mit der Wiederbelebung des Blogs, kommt hier Back in New York City: