Sonntag, Januar 04, 2015

The Lost Villages of Jamaica Bay - Part 2



Im ersten Teil dieser Miniserie hatten wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des Idlewild Airport, später JFK International Airport, geworfen und im Vergleich von Luft- und Satellitenbildern aus den Jahren 1924, 1951, 2006 und heute versucht herauszufinden, wo es in dem Marschland, in das der Flughafen gebaut wurde, zuvor Dörfer oder kleine Siedlungen gegeben hat. 



Heute versuchen wir, anhand von altem Kartenmaterial des Boroughs "Queens" aus dem Jahr 1909 mehr Informationen über die einzelnen Dörfer uns Siedlungen herauszufinden. 


Weiterhin wird vor allem wieder Bild- und Kartenmaterial von NYCityMap verwendet: 




Mit Blick auf eine Vergrößerung der rechten Hälfte der oben abgebildeten Karte gehe ich davon aus, dass vor allem die Teilkarten 40, 41 und 43 für die Erforschung des Marschlands interessant sein werden.  Bitte beachten, dass auf der Karte oben kein herkömmliche Einnordung gegeben ist und der Norden links oben liegt.

Die Nummerierungen der Siedlungen aus dem ersten Teil behalte ich bei und starte mit Siedlung 4, die ganz ganz außen am östlichen Rand des Geländes lag. Dieser Sektor ist auf Teilkarte 43 unten in der Mitte abgebildet: 




Siedlung 4 auf dem Luftbild von 1924: 



Diese beiden bzw. drei Dörfer sind nicht durch den Flughafenbau verschwunden, sondern liegen bis heute direkt am Rand des Geländes. Nur der nördliche Abschnitt des Puzzlespiels mit den Vierteln "Warnerville" (links) und "Meadowmere" (rechts), verbunden durch den Rockaway Turnpike, später Brookville Boulevard, gehört zum Stadtgebiet von New York City. 

Der Pömpel, der von unten her in die Bucht hineindrängt, hat den Namen "Meadowmere Park", ist aber ein Viertel von Lawrence, das wiederum zum Nassau County gehört. 



1909 gab es nur in Warnerville bereits Straßen, während  in Meadowmere zwar schon Häuser eingezeichnet sind, aber noch keine Straßen. 



Die Straßen von Warnerville tragen die Namen BROAD STREET und BAYVIEW AVEnue, die noch einen winzigen Hafen namens CANAL BASIN umschließen. 

Diese Straßennamen sind bis in die Gegenwart erhalten geblieben, wie man hier auf dem Luftbild von 2006 sieht: 



In Meadowmere kommen die 1ST STREET, die 2ND STREET und die 3RD STREET hinzu, außerdem noch die MEYER AVEnue, die durch die Mitte zur Brücke nach Meadowmere Park führt, aber in dieser Zoom-Stufe nicht angezeigt wird. 

Wiki zu Meadowmere und Warnerville: http://en.wikipedia.org/wiki/Rosedale,_Queens

NY Times über Meadowmere: 



Meadowmere - Warnerville Kanalbauprojekt: 


Warnerville heute über Google Earth: 



Meadowmere heute über Google Earth: 





Nun begeben wir uns aber wirklich auf das Flughafengelände und bei östlichsten Siedlung vorbei, Siedlung 1




Diese kann man auf dem Kartenwerk von 1909 gut wiederfinden: 



Dieses Gebilde aus Wasserstraße und bebaubaren Parzellen an beiden Seiten trägt den Namen "HARBOR HAVEN".



Bei der Struktur in der Nähe der Mündung zur Hauptstraße handelt es sich tatsächlich um ein Wasserbecken, hier POOL genannt.




Die zwei Ferien- bzw. Wochenendhäusergruppen am Südende von "Harbor Haven", die man auf der Luftaufnahme 1924 erkennen kann, sind 1909 noch nicht eingezeichnet und waren wahrscheinlich dem wachsenden Bedarf der New Yorker Bevölkerung nach Naherholungsgebieten geschuldet.





Wir erinnern uns: Neben Siedlung 1, die wir als Harvor Haven identifizieren konnten, gab es 1924 noch zwei weitere Wasserstraßen/Parzellen-Kombinationen, die in das östliche Marschland hineingetrieben worden waren:



Auf der 1909er-Karte kann man nur die östlichste nachvollziehen, Siedlung 2 und Siedlung 3 waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht angelegt. Die gelben Markierungen stimmen nicht mit den Positionen der späteren Straßen überein.



Was man auf jeden Fall festhalten kann, ist der Umstand, dass Harbor Haven offenbar die älteste der drei Wasserstraßen-Siedlungen ist. 

Diese Aufnahme ist im Zusammenhang mit einer Bildersuche zum Begriff "Harbor Haven" aufgetaucht, allerdings ist sie vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts auf einer der Inseln mitten in der Jamaica Bucht entstanden (Broad Channel) und nicht auf dem ehemaligen Flughafengebiet.



Im Begleittext zum Foto habe ich noch diesen interessanten Abschnitt gefunden, in dem der Autor eine ganze Reihe von Ortsnamen aufzählt, von denen wir schon einige entdeckt haben, zahlreiche aber noch ohne Zuordnung sind. Und natürlich der Hinweis, dass Bilder von der Gegend, die unter der Landauffüllung für den JFK-Flughafen verschwunden ist, selten sind.


In dem Buch "Old Queens, NY in Early Photographs" von Vincent Seyfried und William Asadorian gibt es wohl auch eine Aufnahme von Harbor Haven, aber da es sich bei der Googleversion nur um eine Leseprobe handelt, ist Seite 38 leider nicht verfügbar.





Da ich hier im Moment nicht weiterkomme, mache ich mich stattdessen mal auf zur nächsten Siedlung. Da bietet sich Siedlung 5 an, die nordöstlich der Wasserstraßen lag.



Die beiden markantesten Siedlungsteile 5B und 5C lassen sich problemlos wiederfinden






Die beiden Siedlungen tragen keinen erkennbaren eigenen Namen, allerdings liegen in der Nähe, jenseits der Hauptstraße Rockaway Turnpike zwei weitere Siedlungen, die beschriftet sind. Möglicherweise gehören die Siedlungen 5B und 5C zu einer dieser Siedlungen mit den Namen "JAMAICA COURT" und "JAMAICA GARDENS"



Folgende Straßennamen sind in Siedlung 5B genannt: Die Straße, die in die Rockaway Turnpike mündet, heißt ROAD TO DITCH LANDING, davon zweigen sechs Straßen im rechten Winkel ab: RITCHFIELD STREET, HIGH STREET, TERRACE STREET, GOLDEN STREET, BAY STREET und ????? ROAD.



Im Siedlungsteil 5C finden wir noch folgende Straßennamen: OLD LANE, NEW LANE und RIGHT OF WAY.



Auch die Siedlungsteile 5A und 5D lassen sich wiederfinden, allerdings sind hier noch keine Straßen gebaut und 5D war 1909 auch noch bei weitem nicht so eng besiedelt wie 1924. Zuerst 5A, dann 5D:







Auch dieser Karte von 1907, die ich in der Sammlung der NYPL Digital Gallery gefunden habe, liefert leider keinen Ortsnamen für die dort abgebildeten Siedlungen (außer Jamaica und Queens).

NYPL Digital Gallery

Hier lässt sich jetzt aber zumindest die unterste Straße noch vollständig entziffern: SHORE ROAD.



FORTSETZUNG FOLGT HIER: 



Manhasset and Manchester

The Manhasset, Bway and 108th Street, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Zusammen mit dem Apartmenthaus "The Dorilton", über das ich vor ein paar Tagen hier berichtet habe, ist mir noch ein weiteres Apartmenthaus in die Hände gefallen, das ein ganzes Stück weiter nördlich in Manhattan gebaut wurde: "The Manhasset" an der Westseite des Broadways zwischen 108th und 109th Street. Auf dem Foto oben kann man einen guten Eindruck von der Lage des Gebäudes gewinnen, im Bildhintergrund links sieht man den Hudson River und New Jersey. 

Man sieht hier, dass Apartmenthaus nicht allzu weit südlich von der Columbia University und dem Stadtteil "Morningside Heights" zu finden ist:

google maps


Das Manhasset wurde auf dem Tisch der gleichen Architekten entworfen, die auch das Dorilton zu verantworten hatten. Bauzeit war von 1901 bis 1905, wobei das Mansardendach, das sich über die letzten drei Stockwerke erstreckt, ursprünglich nicht so geplant war. 

Durch dieses Foto bin ich auf das Gebäude gestoßen: 

NYPL Digital Gallery


Über die Schreibweise des Namens ist man sich wohl nicht wirklich einig, manchmal tauchen zwei T am Ende auf, manchmal nur eins. Hier haben wir sogar beide Versionen auf einer Seite, man beachte die Textüberschrift und die Bildunterschrift: 

NYPL Digital Gallery


Hier habe mich drei Grundrisse, die mehr über das Innenleben des Gebäudes und den ursprünglichen Wohnungszuschnitt verraten: 



NYPL Digital Gallery



Im Oktober 1910 entstanden die nachfolgenden Fotos, auf denen der Umbau eines Ladenlokals im Erdgeschoss des Manhassets dokumentiert ist. 




Manhassest between 108th and 109th on Broadway, October 24 1910, from the collections of the museum of the city of New York


Auf dieser Postkarte aus den erste zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sieht man den unteren Teil des Manhassets links im Bild: 




Gegenüber auf der anderen Seite der Straße, also der Ostseite des Broadways zwischen 108th und 109th Street, kann man ein weiteres Apartmentgebäude finden: "The Manchester".

North East Corner of Broadway and 108th Street, ca 1910, from the collections of the museum of the city of New York


NYPL Digital Gallery



Hier sehen wir das Manhasset in der 3-D-Ansicht von Google Earth. Gegenüber auf der anderen Straßenseite das Manchester, das allerdings nicht die ganze Front am Broadway füllt: 





Der Google Street View, zunächst auf das Manhasset, dessen am Broadway gelegener Flügel vom Norden her gesehen etwas breiter ist, erst vom Süden, dann vom Norden her....




.... dann auf das Manchester, erst von Norden, dann vom Süden. 




Hier eine Innenansicht des Manhassets: Wohnung 7D








Eine zweite Wohnungsansicht gibt es hier: Wohnung 1D













Und zum Abschluss noch eine Wohnungsbesichtigung in bewegten Bildern: 




The Manhasset bei nyc-architecture: http://www.nyc-architecture.com/UWS/UWS046.htm



Samstag, Januar 03, 2015

Lefty - Erinnerung an einen Toten in Brooklyn (1978)



Nach den 1980ern geht es noch ein paar Jahre weiter zurück zum Jahr 1978 und hinüber in den Stadtteil Brooklyn. Den Rest überlasse ich der Videobeschreibung:


Lefty, der neunzehnjährige „Präsident“ der Sex Boys, ist von einer rivalisierenden Straßenbande, den Crazy Homicides – den „Verrückten Totschlägern“ erstochen worden. Die Sex Boys rüsten zum Gegenterror. Es ist Sommer in New York, der heißeste seit Jahrzehnten, der Sommer 1977.

Ein Team des NDR befindet sich gerade in der Stadt, um in Brooklyn einen Film über New Yorks street gangs zu drehen. Die Polizisten des 75. Reviers „vermitteln“ das Team an die Sex Boys – eine von hundert Jugendbanden, die sich in der Anarchie der Brooklyner Stadt-Wildnis als „Gegen-Gesellschaften“ etabliert haben: mit eigenen Hierarchien, Ritualen und Gesetzen. Dies ist der Beginn eines faszinierenden Experiments, das vielleicht ein Stückchen Fernsehgeschichte machen wird.

Rehbein und sein Team haben keine simple Reportage über New York, über die zerfressene Unterseite des „Big Apple“, abgedreht. Sie haben einen originellen Beitrag zur Anthropologie der amerikanischen Großstadt geliefert. Eckhard Doms Kamera hat nicht den Voyeur gespielt, der nach möglichst bizarren oder sensationellen Bildern giert. Das Team hat nicht von „außen“ nach „innen“ gefilmt, sondern die Position des kaltäugigen Beobachters verlassen, um in das Milieu einzutauchen – eben wie Anthropologen, die eine fremde Gesellschaft „erleben“ müssen, um sie zu erforschen.

Die NDR-Leute haben in dem Keller des Hauses gewohnt, das den Eltern von „Brother Lou“, Leftys Nachfolger als Chef der Sex Boys, gehört. In fünfwöchiger Drehzeit gelang es ihnen, das zögernde Vertrauen der Bande zu gewinnen – genug, um als Zeugen mitleben zu dürfen. Das Resultat ist eine Fülle authentischer Bilder und Dialoge, die diesen Film immerhin 90 Minuten ohne Längen tragen.

Ein Hauch von „Kojak“ und „Westside Story“, gewiß, aber das Drama ist echt, auch wenn ihm zur Nachhilfe stellenweise hämmernde Musik aus dem „Moog Synthesizer“ unterlegt wird. Das Team war dabei, als sich die Gang mit Waffen für den Rachefeldzug gegen die „Homicides“ ausrüstet. Die Kamera zeichnet den zähen, aussichtslosen Kampf des Bandenspezialisten aus dem 75. Revier, Frank Santangelo, nach, der den heraufziehenden Krieg wittert und ihn zusammen mit seinem heimlichen Gehilfen, „Brother Lou“, zu verhindern sucht.

Rehbein hat erfreulicherweise darauf verzichtet, den Film durch herablassend-moralisierende Kommentare „anzureichern“
(c) Josef Joffe/DIE ZEIT







Freitag, Januar 02, 2015

42nd Street facing North (1984)



Es ist schon ein gutes Jahr her, dass ich eine historische Aufnahme der Kino-Marquees in der 42nd Street in Manhattan aus dem Jahr 1970 analysiert habe. Das war hier: 

Jemand hat damals "mehr davon" geklickt und das habe ich nicht vergessen. 

Also fangen wir mal vorne rechts an, dort wo drei große Kracher des Martial Arts-Kinos angekündigt werden. Auch wenn der Name nicht beleuchtet ist, nehme ich an, dass das hier das RIALTO ist, orientiert an der Reihenfolge, die die Kinos 1970 hatten. 

Bei "Shaolin Incredible Ten" handelt es sich um einen Hongkong-Film aus dem Jahr 1982, alternativ auch "Ten Shaolin Disciples" genannt. 

Einen Trailer konnte ich nicht finden, wohl aber den gesamten Film: 




Bei den "Martial Monks" könnte es sich um "Martial Monks of Shaolin Temple" handeln, aus dem Jahr 1983. 




Und wer dann immer noch nicht genug von dem Gefuchtel hat, der kann sich ja noch den dritten Film antun: "The Lost Kung Fu Secrets" aus dem Jahr 1982.





Wir wechseln ein Kino weiter in westliche Richtung zum VICTORY, das sich das Versprechen auf den Eingang geschrieben hat, stets drei Erwachsenenfilmhits im Programm zu haben. Am Tag der Aufnahme waren das "Hypersexuals", "Ball Game" und "Moments of Love". Ich denke, die Filmposter reichen als Eindruck: 





Im daneben liegenden LYRIC ist ein sehr interessantes Doppel-Feature im Programm: "Terminator" mit Arnold Schwarzenegger und "First Blood" (bei uns Rambo 1) mit Sylvester Stallone. James Camerons Terminator war 1984 ein aktueller Filmhit, das Vietnam-Veteranendrama dagegen schon zwei Jahre alt. 






Das letzte Kino ganz links außen könnte das APOLLO sein. Dort wurden zum Zeitpunkt der Aufnahme "Wild Panther" und "Deadly Mantis" gespielt.

Offenbar waren 1984 Martial Arts-Filme am Times Square der große Renner.

Wild Panther ist so eine Produktion aus dem fernen Osten:
http://www.imdb.com/title/tt0202108/combined




Und die tödliche Gottesanbeterin ist auch kein Film für Leisetreter, wie man hier sieht:





Und damit sind wir schon durch mit dem Kinoprogramm, das vor dreißig Jahren in der Nähe vom Times Square zu besichtigen war. Hat doch gar nicht weh getan, oder?


Hier ist noch ein interessanter Blog, der thematisch in einem ähnlichen Fahrwasser schwimmt: Marquees in Movies - https://marqueesinmovies.wordpress.com/